Europaabgeordneter Thomas Mann im Wigbert-Gymnasium

Europaabgeordneter Thomas Mann im Wigbert-Gymnasium

18. November 2013
Hünfeld

Erste Stunde: Politikerbesuch. Das klingt nicht so, als müsste das Elftklässler des Wigbert-Gymnasiums vom Hocker hauen. Tat es auch nicht: Das Gespräch mit dem CDU-Europaabgeordneten Thomas Mann begann eher zäh. Doch mit der Zeit gewann es an Qualität.

Mann ist Profi genug, um damit umgehen zu können, dass die Schülermeute vor ihm schweigt. Also erzählt er ein wenig von sich, wohldosiert. Er berichtet entspannt über die Schwerpunkte seiner Arbeit im Ausschuss Beschäftigung und Soziales und den zweiten Schwerpunkt Währung. Die versprochene Zehn-Minuten-Begrenzung hält er ein, gibt sich ein wenig dynamischer, als er es aufgrund seines Alters tun müsste.

Nach einer Weile, die Mann nutzt, um seinen jungen Mitarbeiterstab vorzustellen, bricht ein erster Frager das Eis: "Wie entwickelt sich die Europäische Union bis zum Jahr 2050?" Mann, Jahrgang 1946, bezieht die Frage erst einmal auf sich und stellt klar: "Ich bin dann nicht mehr Mitglied des Parlaments." Und formuliert Erwartungen: Dass es bis dahin eine gemeinsame EU-Außen- und Asylpolitik geben wird und einen direkt zu wählenden Europäischen Präsidenten – oder auch eine Präsidentin.

Nächste Frage: Das Verhältnis zur Türkei. "Ich bin da mit Angie einig und plädiere für eine privilegierte Partnerschaft, aber keine EU-Mitgliedschaft", sagt Mann.

Von der Frage nach der europäischen Sicherheitspolitik (bei der Mann keine Chance für die Entstehung europäischer Streitkräfte sieht) und der von ihm geforderten Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung war es nicht weit zur NSA-Abhöraffäre. "Freundschaft heißt, dass man sich nicht total kontrolliert", betonte Mann. Um aus diesem Streit mit den USA herauszukommen, seien konsequente, eindeutige Vereinbarungen erforderlich, unterstrich der Abgeordnete. Allerdings begleitete er diesen Wunsch mit eher pessimistischen Aussagen darüber, ob die Politik die Kraft haben werde, das von Natur aus eben geheime Eigenleben der Geheimdienste wirklich zu unterbinden und unter Kontrolle zu bekommen.

"Stört sie auch was an der EU?" Diese Frage einer Schülerin nutzte Mann als Vorlage, um die mitunter überbordende Regelungswut der Europäischen Kommission zu beklagen. Ob es die Frage nach dem Salzgehalt der Laugenbrezel oder der Bezeichnung "Wein" für Apfelwein sei – da werde oft überzogen.

Mann rief dazu auf, die Möglichkeiten zu nutzen, direkt dabei zu sein, wenn das Europäische Parlament und seine Ausschüsse tagen: "Alle Ausschusssitzungen sind öffentlich und werden direkt im Internet übertragen." Das sei eine gute Chance, direkt dabei zu sein.

Angelika Ludovici-Ulbig hatte den Politik-Praktiker zu Beginn der Veranstaltung in der Schule willkommen geheißen.