„Föllsch Foll – Hinein!“ – Eine jahrhundertelange Tradition? Von wegen!

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - „Föllsch Foll – Hinein!“ – der Schlachtruf der Fuldaer Fastnächtler hallt in den kommenden Tagen durch viele Straßen. Aber woher kommt der Narrengruß eigentlich? Eine jahrhundertelange Tradition steckt nicht dahinter, auch wenn es viele – gerade junge – Fuldaer glauben.

Das weiß schon jedes Fuldaer Kind: Die typische Grußformel in Osthessens Karnevalshochburg heißt „Föllsch Foll – Hinein!“ Das heißt in etwa: „Fulda, voll hinein!“ Auf eine lange Historie wie „Alaaf“ und „Helau“ blickt der Fuldaer Narrengruß aber nicht zurück. Er ist gerade einmal 33 Jahre alt. Günther Elm hat ihn im Jahr 1983 als Günther Elm XLII. von Foll ins Leben gerufen. Davor gab es jedes Jahr eine neue Grußformel, erklärt Elm. Jede Tollität hatte ihren eigenen Schlachtruf, der oftmals mit dem Namen des Prinzen oder seines Berufes im Zusammenhang stand. Dies sorgte allerdings für viel Verwirrung. „Niemand wusste mehr, was dieses Jahr gerufen wird“, erzählt Elm. Ab 1983 nur noch ein Schlachtruf für die FKG Deshalb habe sich die FKG 1983 dazu entschieden, es von nun an bei „Föllsch Foll – Hinein!“ zu belassen, der Grußformel von Günther Elm XLII. von Foll. „Wenn der Prinz heute kommt, weiß jeder, was er zu rufen hat“, sagt Elm stolz. Doch mit „Föllsch Foll – Hinein!“ ist es in Fulda noch lange nicht getan. In den „Randstaaten“, den Vereinen in der Fuldaer Peripherie, gibt es noch viele andere Schlachtrufe, die teils sehr eigentümlich wirken. Ein Verein aus dem Südend bevorzugt ein minimalistisches „U-a-u“. Die Narren aus dem Nordend stoßen ein weiches „Wei-wei“ aus. Ein paar andere Karnevalisten, die es sehr mit der Musik am Hut haben, rufen „Schepper-Depper“. Die passende Erkenntnis dazu stammt aus dem Rheinland: Jeder Jeck ist anders! „Alaaf“ und „Helau“ haben ursprünglich nichts mit Karneval zu tun „Alaaf“ und „Helau“ sind die bekanntesten Narrenrufe in den rheinischen Karnevalshochburgen. „Alaaf“ jubeln die Jecken in einem geschlossenen Gebiet zwischen Aachen und dem Bergischen Land über Köln bis Koblenz. „Helau“ rufen Karnevalisten im Gebiet rund um Düsseldorf und Wuppertal bis nach Kleve sowie südlich von Koblenz bis nach Mainz. Ursprünglich stehen beide Ausdrücke dem Experten Alois Döring zufolge in keinem Zusammenhang mit dem Karneval. Das Wort „al-aff“ tauchte im 15. Jahrhundert als Trinkspruch auf Bierkrügen auf. Es bedeutet „nichts geht über“ oder „über alles hinaus“. „Kölle Alaaf“ heißt also: „Nichts geht über Köln“. Im Karneval erklang „Alaaf“ in den 1820er Jahren zunächst in Köln und Aachen. „Helau“ dagegen sei 1603 aus Tirol überliefert. Die Bedeutung des Wortes ist unklar. Es werde beispielsweise von hellblau oder halbblau – im Gegensatz zum Zustand ganz blau – abgeleitet, oder auch vom englischen „hello“. Im Düsseldorfer Karneval war „Helau“ schon in den 1830er Jahren zu hören. / sts, dpa

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