Geheime Wünsche: Was Kostüme im Karneval über die Persönlichkeit verraten

  • VonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Essen - Ob Biene, Marienkäfer, Cowboy oder Clown: Wer bislang im Narrenkostüm seine Identität vertuschen wollte, hat Pech gehabt. Ein Psychologe erklärt, was das Kostüm über den Träger sagt.

Kleider machen Leute – das gilt auch an Karneval. In einer Studie hat Psychologe und Motivationsexperte Ralf Schmiel aus Essen vor einigen Jahren einen Blick hinter die Maske geworfen. Ob klassisch, modern oder gewagt: Das Kostüm sieht er als Spiegel des Charakters. Auch in Fulda lassen sich Trends zu bestimmten Kostümen erkennen.

Klassische Kostüme: Zu den Klassikern, die sich schon seit Jahren gut verkaufen würden, zählen neben Piraten und Cowboys vor allem Tierkostüme. „In diesem Jahr haben wir besonders viele Bienen verkauft“, erzählt Christopher Koch, Geschäftsführer des „Fastnachtsexpress“ in Fulda. „Auch Marienkäfer waren in diesem Jahr wieder viele dabei.“

Ein Dauerrenner seien auch einfache Komplettkostüme: „Kuh- und Krakenkostüme, in die man nur noch reinschlüpfen muss, sind sehr beliebt in diesem Jahr“, erinnert sich Heinz Schneider, Abteilungsleiter Spielwaren bei Karstadt in Fulda. Cowboys hätten sie weniger verkauft, dafür mehr Wikinger. Bei den Herren lief vor allem eines gut: „Mexikanische Kostüme haben wir erstaunlich viele verkauft. Ponchos und breite Hüte gingen sehr gut weg in dieser Saison“, so Schneider.

Die Klassiker, wie sie Schmiel nennt, landen vor allem in den Einkaufstüten der Konservativen. Experimentierfreudig? Eher Fehlanzeige. „Die Träger wollen kein Risiko eingehen und haben ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis“, sagt der Psychologe.

Gewagt & Sexy: Wer mit üppigem Busen prahlt oder seinen nackten Oberkörper zur Schau stellt, hat Schmiel zufolge exhibitionistische Tendenzen. Hoch im Kurs stehen kurze Röcke und tiefe Ausschnitte trotzdem. Hinter der Maske steckten aber nicht nur offenherzige Menschen, sondern vor allem die Verklemmten. „Gerade diejenigen trauen sich dann ausnahmsweise, zu Karneval diese Facette zu leben“, sagt Schmiel.

Historisch inspiriert: Früher war alles besser! Wer an Karneval, Fasching oder Fastnacht als Knecht, Magd oder Baron durch die Straßen zieht, sehnt sich nach einer „glorifizierten Scheinwelt mit dem schönen Happy End“, sagt Schmiel. Besonders Träumer flüchten dem Psychologen zufolge im historischen Kostüm in die „gute, alte Zeit“. Je belastender der Alltag, desto intensiver werde dann gefeiert. „Römer und Griechen gingen auch sehr gut in diesem Jahr“, so Koch. „Das ist aber auch mit dem Umstand geschuldet, dass ein paar regionale Vereine in diesem Jahr Antike als Thema hatten.“

In einem anderen Sinne „historisch“ ist eine andere Art von Kostümen: „Die absoluten Renner in diesem Jahr sind die Themen „80er Jahre“ und „Helden der Kindheit“. Bunte Jogginghosen, Micky Mäuse, Superhelden – alles dabei“, zieht Koch Bilanz.

Film & Fernsehen: Viele Narren lassen sich in diesem Jahr von Serien oder Filmen inspirieren. „Bei Kindern, gerade bei den Mädchen, war die Eisprinzessin das Ein und Alles“, berichtet Schneider. Bei den Jungs seien es vor allem Figuren aus der „Star Wars“-Reihe. „Da zeigt sich ein ähnliches Kaufverhalten wie bei den Spielzeugen derzeit“, so der Abteilungsleiter. Auch Christopher Koch sieht den Trend zu Figuren aus Fernsehserien und Filmen. „Vor kurzem war ich auf einer Spielemesse, da war diese Branche stark vertreten“, berichtet er. „Star Wars, Die Eiskönigin und jede Menge Superhelden. Viel verkauft haben sich auch die Minions.“ Immer mehr Kostüme der kleinen gelben Kinostars hätten den Besitzer gewechselt.

Individuell-Kreativ: Der Hut aus der Bastelabteilung, das T-Shirt vom Nachbarn und die Piratenklappe aus der Vorsaison: Der „Do-it-Yourself“-Trend sei auch unter Karnevalisten immer beliebter. Narren, die selbst Hand anlegen, haben in den Augen von Schmiel Mut und eine starke Persönlichkeit. Sie seien außerdem kreative Menschen, die sich gerne auf Spielsituationen und andere Welten einlassen. „Dafür wollen sie dann aber auch Anerkennung.“ / hop, dpa

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