Archivfoto: Ralph Leupolt

Heute ist Weiberfastnacht: Fastnacht-Traditionen bremsen Frauen aus

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Heute wird Weiberfastnacht gefeiert: Bei den zahlreichen Veranstaltungen in der Region lassen es Frauen so richtig krachen. Ansonsten ist Fastnacht eher eine Männerdomäne. Bereits im Mittelalter wurde aber mancherorts den Frauen für einen Tag die Macht zugestanden – ein Vorläufer der Weiberfastnacht. An das Geschlecht gebundene Einschränkungen gibt es aber auch heute noch.

Von unserem Redaktionsmitglied Walter Kreuzer

Traditionell haben sich die Frauen an ihrem Tag als alte und hässliche Frauen verkleidet und maskiert, haben den Männern Haushalt und Kinder überlassen und unter sich gefeiert. Als Hauptverbreitungsgebiet der Weiberfastnacht gelten heute das Rheinland, die Eifel und der Hunsrück.

Auch in der hiesigen Region zwischen Spessart, Vogelsberg und Rhön sind die Veranstaltungen zu Weiberfastnacht nicht mehr aus dem närrischen Kalender wegzudenken – wenngleich nicht überall die örtlichen Karneval-, Faschings- oder Fastnachtsvereine als Ausrichter auftreten.

Viele organisatorische Aufgaben im Hintergrund

In das Vereinsleben sind die Frauen längst eingebunden. Eine Fremdensitzung ist ohne Showtanzgruppen oder Tanzgarden nicht mehr vorstellbar – ganz abgesehen vom Engagement der weiblichen Mitglieder bei vielen organisatorischen Aufgaben im Hintergrund.

Hans Driesel vom Deutschen Fastnachtsmuseum im fränkischen Kitzingen: „Bei den Bühnenprogrammen sind Frauen vielfach schmückendes Beiwerk. Denken wir an die weiblichen Garden, oder Pagen, die küsschengebend Orden verleihen. Auch die Bütt ist männerdominiert. Ab und zu findet sich eine Quotenfrau. Leider oft in Klischeerollen wie Putzfrau, komische Alte oder Hausdrachen.“ Eine der wenigen Ausnahmen sei die Mainzer Fastnachtsikone Margit Sponheimer.

Driesel betont aber auch: „Die Fastnachtswelt bleibt nicht stehen und entwickelt sich weiter. Das ist nicht an einzelnen Regionen festzumachen. Es liegt auch an den Vereinen und Vereinsführungen, wie weit die Frauen aktiver ins Geschen einbezogen und auch in die ,Chefetagen‘ eingebunden werden.“ In der Tat gibt es da erhebliche Unterschiede. Ein prominentes Beispiel für den strikten Ausschluss von Frauen war lange der Aachener Karnevalsverein (AKV).

FKG-Elferrat fest in Männerhand

Der hat erst im Mai 2019 nach 160 Jahren seine Satzung dahingehend geändert, dass auch Frauen aufgenommen werden können. Bekannt ist der AKV durch die Verleihung des „Ordens wider den tiereischen Ernst“. Dieser wurde bislang 69-Mal verliehen – aber an nur fünf Frauen.

Bei der Fuldaer Karneval-Gesellschaft FKG gab es schon vor einem halben Jahrhundert eine Prinzessin, der Elferrat ist dagegen fest in Männerhand und soll es nach der Vorstellung von Präsident Michael Hamperl auch bleiben. Bei der Fastnachtsvereinigung Herbstein (FVH) dagegen gehören Frauen fest zum Bild auch des Elferrates. Dieses Gremium entscheidet in letzter Instanz, wer Bajazz wird.

In Herbstein dürfen nur Männer bieten

Für das Aushängeschild und die sechs Pärchen des Springerzugs gibt es klare Regelungen: Frauen sind hier nicht erlaubt. Diese Positionen werden alljährlich versteigert – der aktuelle Bajazz Gregor Ruhl legte die Rekkordsumme von 4760 Euro auf den Tisch. Vorgeschrieben ist laut Satzung, dass nur „einheimische Männer“ mitbieten dürfen.

Mit einheimisch ist dabei die Kernstadt des Vogelsbergstädtchens gemeint. „Wenn ein langjähriger Karnevalist aus einem Stadtteil kommt, könnte der Elferrat eine Ausnahme machen“, deutet Präsident Manuel Hensler an. Und wenn eine Frau kommt? „Es hat mich noch nie ein Mädel angesprochen und gefragt, ob sie mitbieten kann. Letztlich liegt die Entscheidung aber auch hier beim Elferrat.“

Ursprünge in Tirol

Die Herbsteiner Fastnachtstradition hat ihren Ursprung in Tirol. Dort ist etwa das Schemenlaufen in Imst „für Frauen tabu“, führt Hans Driesel aus. „Die Frauen sollen nicht in die Traditionsmasken und Kostüme. Wenn sie mitmachen wollen, dann“, so der O-Ton, „sollen sie sich etwas Neues einfallen lassen“.

Wie ernst diese Ansicht vertreten wird, zeigt eine Anekdote von Manuel Hensler. Der war mit dem FVH in Mils zu Gast, wo die Vogelsberger am Matschegererumzug teilnahmen: „Die Einheimischen haben große Augen gemacht, weil vor unserem Springerzug das FVH-Ballett im Festzug mitlief.“

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