Die Nüst / Foto: Hartmut Zimmermann

„100 wilde Bäche“: Zahlreiche Gewässer in der Region werden renaturiert

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Hessens Grünen-Umweltministerin Priska Hinz hat bekanntgegeben, welche Gewässer am Landesprogramm „100 wilde Bäche“ teilnehmen. Die Region ist mit einer ganzen Reihe an Bächen vertreten, die renaturiert werden sollen.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer

Noch 2014 waren lediglich 4,8 Prozent der hessischen Flüsse und Bäche in einem zumindest guten ökologischen Zustand. Aktuell sind es bereits etwa 15 Prozent – und wenn es nach der schwarz-grünen Landesregierung geht, sind es schon bald deutlich mehr.

„Mit unserem Programm ,100 wilde Bäche‘ werden wir Gewässer aus ihrem Betonbett befreien und sie wieder in einen natürlichen Zustand versetzen. Unsere Bäche werden wieder wild, natürlich und artenreich“, sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) jüngst in Wiesbaden. In 138 Kommunen werden demnach Renaturierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht.

Für den Erhalt der biologischen Vielfalt

„Durch Renaturierungen entstehen für viele verschiedene Tiere und Pflanzen im Wasser und am Ufer Lebensräume“, erklärte Hinz. Neben dem Erhalt der biologischen Vielfalt sorge das Programm für Klimaschutz und Klimaanpassung. „Das Wasser wird wieder ungehindert fließen, und ein breites und unberührtes Ufer entsteht. Renaturierte Gewässer bilden Frischluftschneisen und sorgen so für mehr Abkühlung in und außerhalb der Ortschaften“, führte Hinz aus.

Gleichzeitig leisteten sie einen Beitrag zum Hochwasserschutz, da Überflutungsbereiche geschaffen würden. „Bei Starkregen breitet sich das Wasser in den Auen aus und fließt nicht ungehindert in die Stadt hinein“, sagte Hinz.

290 Bewerbungen

Insgesamt hatten Kommunen Bewerbungen für 290 der rund 500 hessischen Bäche eingereicht. Bei der Auswahl der teilnehmenden Gewässer wurden laut Ministerium unter anderem Bäche priorisiert, die in besonders schützenswerten Gebieten liegen. Zudem sei darauf geachtet worden, dass die ausgewählten Bäche gleichmäßig über die hessischen Landkreise verteilt und möglichst viele verschiedene Kommunen am Programm beteiligt sind. In jedem Landkreis wird nun mindestens ein Bach, maximal aber neun Bäche renaturiert.

„Das Besondere an dem Programm ist, dass wir den Kommunen viel Arbeit abnehmen. Das Land unterstützt die Kommunen zum Beispiel beim Flächenmanagement, der Projektsteuerung und -planung sowie bei der organisatorischen Abwicklung der Maßnahmen vom Förderantrag bis zur Bauabnahme. Außerdem werden bis zu 95 Prozent der Kosten vom Land übernommen“, sagte die Ministerin. Die ausgewählten Kommunen werden nun zeitnah von einem vom Land beauftragten Dienstleister kontaktiert.

Dipperz mit zwei Bächen vertreten

„Wir freuen uns“, schreibt Steinaus Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteiunabhängig). Die Grimmstadt ist mit Ulmbach und Ahlersbach doppelt im Förderprogramm vertreten und bereitet sich nun darauf vor, die Maßnahmen bei der WI-Bank anzumelden. Eine entsprechende Berücksichtigung im Haushaltsplan werde vorbereitet.

Auch Dipperz ist gleich mit zwei Bächen vertreten – gefördert werden die Renaturierung des Igelbachs und der Wanne. „Da durch die Wasserrahmenrichtlinie bis 2027 alle Gewässer innerhalb der EU-Vorgaben in einen guten ökologischen Zustand gebracht werden müssen, ergab sich für die Gemeinde eine einmalige Möglichkeit“, teilt uns Bürgermeister Karl-Dieter Vogler (parteilos) mit. Besonders begrüße man seitens der Verwaltung, dass die Abwicklung durch einen Dienstleister des Hessischen Umweltministeriums erfolgt.

Weitere Bäche aus der Region:

Fulda

Grüsselbach (Rasdorf)

Igelbach (Dipperz/Hofbieber)

Kalte Lüder (Großenlüder/Hosenfeld/Neuhof)

Nüst (Hofbieber/Hünfeld/Nüsttal/Hilders)

Wanne (Dipperz/Petersberg/Poppenhausen)

Main-Kinzig-Kreis

Ahlersbach (Steinau an der Straße/Schlüchtern/Darmstadt)

Orb (Biebergemünd/Wäschtersbach/Darmstadt)

Riedbach (Schlüchtern/Darmstadt)

Ulmbach (Steinau an der Straße/Freiensteinau)

Krebsbach (Nidderau/Niddatal)

Vogelsbergkreis

Brenderwasser (Lauterbach/Lautertal/Ulrichstein)

Moosbach (Freiensteinau/Grebenhain)

Örtenröder Bach (Gemünden-Felda/Feldatal/Mücke)

Rombach (Hünfeld/Schlitz)

Statements der Landtagsabgeordneten

„Wir gratulieren den ausgewählten Kommunen zu ihrer Teilnahme an diesem wichtigen Programm. Wir freuen uns, dass dadurch wieder neue Lebensräume für heimische Tier- und Pflanzenarten geschaffen werden“, schreiben die CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Hering und Markus Meysner. „Einige unserer Kommunen setzen sich schon länger für die Renaturierung ihrer Gewässer ein. Das Programm sehen sie als wichtiges und richtiges Signal der Landespolitik.“ Die Wiederherstellung der Bäche als möglichst naturnaher Lebensraum diene dem Hochwasserschutz, dem Erhalt und Ausbau der Biodiversität, fördere den Biotopverbund und solle Folgen des Klimawandels entgegenwirken.

Markus Hofmann, Landtagsabgeordnete der Grünen, betont: „Mit der Renaturierung können wichtige Lebensräume für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten entstehen. Außerdem möchten wir Grünen einen guten ökologischen Zustand der Gewässer erreichen.“ Erfreut zeigte er sich über das große Interesse am Wettbewerb.

Infos zum Landesprogramm:

Auf das Förderprogramm „100 wilde Bäche“ haben sich CDU und Grüne in ihrem aktuellen Koalitionsvertrag geeinigt. Ziel ist es, den natürlichen Anteil an Bachläufen im Land zu erhöhen und damit zugleich Klima-, Umwelt- und Hochwasserschutz voranzutreiben.

Mit dem Programm bietet das Land Hessen den Kommunen eine umfassende Unterstützung bei den Gewässerrenaturierungen. Dazu wird ihnen ein Dienstleister an die Seite gestellt, der sich um die Koordinierung aller anfallenden Aufgaben kümmert.

Für die Finanzierung des Dienstleisters ist im Jahr 2020 eine Million Euro vorgesehen. Für die Renaturierungsmaßnahmen stehen für 2020 fünf Millionen Euro bereit. Gestartet werden sollen die einzelnen Renaturierungsprojekte bis spätestens 2023.

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