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Im 1000 Jahre alten Grab schlummert ein Fuldaer

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Mainz - Bei archäologischen Grabungen in der Johanniskirche in Mainz ist ein 1000 Jahre alter Sarkophag entdeckt worden. Darin begraben wurde der Fuldaer Abt und Mainzer Erzbischof Erkanbald.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Die Johanniskirche in Mainz ist ein uraltes Gotteshaus: Bereits 910 ist sie geweiht worden. In derart alten Gemäuern wird es schnell kalt – deswegen hat sich die Kirchengemeinde 2013 entschieden, eine Fußbodenheizung einzubauen. Die Sanierungsarbeiten wurden genutzt, um durch archäologische Grabungen mehr über die Geschichte des Bauwerks zu erfahren. Seit 2013 laufen die Untersuchungen. 2017 wurde ein Steinsarg im Boden der Kirche gefunden, den die Forscher im Juni 2019 behutsam öffneten.

Seit vergangener Woche steht fest, um wessen Grab es sich handelt: „Im Sarkophag liegt Erzbischof Erkanbald“, verkündete Forschungsleiter Dr. Guido Faccani bei einem Pressetermin in Mainz. Erkanbald war von 1011 bis 1021 Erzbischof von Mainz – und von 997 bis 1011 Abt des Klosters Fulda.

Keine Seltenheit

Dass die Fuldaer Äbte des Mittelalters an anderen Orten ihre letzte Ruhestätte fanden, ist keine Seltenheit. Zwar gab es in der alten Stiftskirche, der Ratger-Basilika, eine Grabstätte für die Klostervorsteher. Manche aber, wie Erkanbald oder auch Rabanus Maurus (Abt von Fulda 822-842), Hatto II. (956-968) und Branthoh II. (1011-1013) stiegen zu Bischöfen von Mainz beziehungsweise Halberstadt auf und wurden dort begraben.

Andere bevorzugten ein Grab in einer anderen Kirche in der Region Fulda: Eigil (818-822 ) ließ die Michaelskirche bauen und sich dort beerdigen, Richard (1018-1039) machte das mit der Andreaskirche in Neuenberg genauso, Konrad I. (1134-1140) wählte als letzte Ruhestätte das Nebenkloster Petersberg. Seltener kam es vor, dass ein Abt auf Reisen starb und dort beigesetzt wurde – etwa im Falle von Werner (968-982), der in der Nähe von Parma begraben liegt.

Über Erkanbald ist wenig bekannt

Über den jetzt gefundenen Erkanbald ist, wie so oft bei den mittelalterlichen Äbten, recht wenig bekannt. So weiß man zum Beispiel nicht, wann er geboren wurde. Laut Josef Leinweber stammte er aus der Familie der Grafen von Ölsburg bei Peine. 997 wurde Erkanbald zum Abt von Fulda gewählt. Er suchte die Nähe von weltlichen Herrschern, zog mit Kaiser Otto III. nach Italien und half König Heinrich II., das Bistum Bamberg aufzubauen. Heinrich, von 1014 bis 1024 Kaiser, war es auch, der ihn als Mainzer Erzbischof durchsetzte. Der frühere Fudaer Abt starb 1021.

Dass der Mann im Sarkophag Erkanbald ist, machen die Forscher vor allem an Kleidungsresten fest, die laut Leiter Faccani nur einem Erzbischof zugestanden haben. Dank Radiokarbondatierung sei zudem festgestellt worden, dass die Bestattung in eine Zeit fällt, in der nur Erkanbald infrage kommt.

Fund in Mainz eine Sensation

Die Anthropologin Carola Berszin hat weiteres über den Erzbischof herausgefunden: Erkanbald war bei seinem Tod zwischen 40 und 60 Jahre alt, etwa 1,82 Meter groß und 70 Kilo schwer. Zudem plagten den Geistlichen Krankheiten: Er litt unter Gicht, Skoliose und einer Versteifung der Gelenke.

Für Mainz ist der Fund eine Sensation: Wenn sich in der Johanniskirche ein Erzbischof beerdigen ließ, bedeutet das, dass sie schon Kathedralkirche war, bevor der Dom 1036 gebaut wurde. Außerdem ist der Fund ein weiterer Beleg der Verbindung zwischen Fulda und Mainz: Schließlich war schon Bonifatius dort Bischof, und sein Schüler Lullus, Gründer des Klosters Hersfeld, wurde erster Erzbischof der Stadt am Rhein.

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