Fotos: Jörn Perske/dpa

2010 in Fulda geboren: Europas jüngstes Frühchen geht zur Schule

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - Extrem unreif geborene Babys haben geringe Chancen, zu überleben und sich normal zu entwickeln. Im November 2010 überstand die kleine Frieda ihre Geburt am Klinikum Fulda nach etwas mehr als 21 Wochen mit Bravour. Heute ist sie acht Jahre alt – ein neuer Lebensabschnitt hat begonnen.

Frieda wiegt zurzeit knapp 17 Kilogramm und misst 115 Zentimeter. „Damit ist sie leicht unter der Normalgrenze“, urteilt Repp. Große gesundheitliche Probleme gebe es nicht, aber Besonderheiten. In der Schule bereite es ihr Mühe, still sitzen und konzentriert zu bleiben, sagt die Mutter. Doch sprachlich, sozial und intellektuell bringe sie alles mit, ergänzt Repp. Aufmerksamkeitsprobleme sind aber nichts im Gegensatz dazu, was extrem unreifen Frühchen sonst droht. Lunge, Darm, Gehirn und Netzhaut können geschädigt sein. Hirnblutungen und bleibende Behinderungen drohen. „Aber die Medizin macht Fortschritte, so dass die Chancen für Frühchen steigen“, sagt Repp.

Extrem junge Frühchen kommen in Deutschland immer wieder zur Welt. Die kleine Paulina Emily wurde 2011 in Greifswald in der 23. Schwangerschaftswoche mit 490 Gramm und 27 Zentimetern geboren. In Rostock kam 2011 ein Kind in der 23. Woche mit 33 Zentimetern und 650 Gramm zur Welt. In Dortmund überlebte ein Baby mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm. Und das Klinikum Fulda hat derzeit einen Jungen auf der Station, der seine Entbindung nach genau 22 Wochen überlebte, mit einer nur um zwei Tage längeren Schwangerschaftsdauer als bei Frieda.

Friedas Bruder überlebte allerdings nicht. Mutter Yvonne war mit Zwillingen schwanger. Der kleine Kilian starb sechs Wochen nach der Entbindung an Herz- und Darmproblemen. Frieda schaffte es, weil sie weniger Komplikationen in der ersten, fragilen Phase des Lebens hatte, begründet Repp. Seine Beobachtung mit dem Frühstart ins Leben: „Nicht alles ist erklärbar. Es fehlen Langzeit-Beobachtungen in der Forschung. Daher scheint vieles schicksalhaft. Im Fall von Frieda hat es das Schicksal gut gemeint.“ / dpa

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