Fotos: Carolin Müller/Biosphärenreservat Rhön

6122 Edelkrebse ziehen aus Nordhessen in die Rhön um

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Hilders/Poppenhausen - Hehr als 6000 Edelkrebse aus den Stauteichen bei Haina im Landkreis Waldeck-Frankenberg sind jetzt in die Rhön umgezogen. Neben Ranger Joachim Walter und dem Arbeitskreis Rhöner Fließgewässer packten auch die Junior Ranger aus Hilders an und setzten die Tiere in den Brandbach (Zufluss der Ulster).

Die beiden Wohrateiche im gleichnamigen Naturschutzgebiet sollen saniert werden. Für die zahlreichen Lebewesen in den Stauteichen – Fische, Muscheln, Krebse und Co. – musste daher eine Umsetzungs´möglichkeit gefunden werden, berichtet das Biosphärenreservat Rhön in einer Pressemitteilung.

„Das mit der Umsetzung beauftragte Büro hat sich an uns gewendet. Zusammen haben wir eine Lösung für die Edelkrebse aus den Teichen erarbeitet“, wird Joachim Walter, Ranger im UNESCO-Biosphärenreservats Rhön, in der Presseinformation zitiert. Mit Edelkrebsen kennt er sich aus, heißt es weiter: Zwischen 2004 und 2011 liefen im hessischen Teil des Biosphärenreservats umfangreiche Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederansiedelung der bedrohten Art.

Früher auch in der Rhön heimisch

Der Deutsche Edelkrebs, auch Europäischer Flusskrebs genannt, war einst in fast allen Bächen, Flüssen und Seen Europas verbreitet – auch in der Rhön. Gewässerverunreinigungen und -ausbau, vor allem aber amerikanische Krebsarten, die für heimische Arten tödliche Krankheiten übertragen, brachten den Edelkrebs an den Rand des Aussterbens.

Mithilfe des Arbeitskreises Rhöner Fließgewässer wurden daher von 2005 bis 2011 in zwölf Gewässern in der hessischen Rhön jedes Jahr rund 5000 Jungkrebse ausgesetzt. Mit Erfolg: „Der Bestand hat sich stabilisiert. Wir hoffen, dass das künftig auch ohne weiteren Besatz so bleibt“, sagt Joachim Walter. Der aktuelle Besatz mit den Krebsen aus den Wohrateichen sei eine Ausnahme.

Strenge Hygiene vorgeschrieben

Zunächst wurden die Edelkrebse in den beiden Stauteichen von der Bürogemeinschaft für fisch- und gewässerokologische Studien (BfS) Marburg mithilfe von Reusen abgefangen. „Die Hälterungen sind groß und mit Wohnröhren ausgestattet, damit sich die Tiere nicht gegenseitig verletzen können“, erklärt Dirk Hübner von der BfS.

Da es sich um die Räumung eines Naturschutzgebiets handelte, mussten die Tiere nach der Bundesartenschutzrichtlinie entfernt werden, die unter anderem eine strenge Hygiene vorschreibt. Am Ende waren es genau 6122 Edelkrebse, die aus den Stauteichen abgefangen und in die Rhön gebracht wurden.

Chance für den Artenschutz

Fünf Tage lang waren Joachim Walter und Ehrenamtliche aus dem Arbeitskreis dann unterwegs und verteilten die Tiere in fast allen Gewässern, die bereits vor einigen Jahren im Rahmen des Edelkrebs-Projekts besetzt worden waren. Die Junior-Ranger-Gruppe aus Hilders und ihr Betreuer Harald Vonderau halfen in Brand am Fuße der Wasserkuppe mit.

Dort setzten sie mit Joachim Walter rund 600 Krebse in den Brandbach. Der Einsatz sei auch eine Chance gewesen, die Kinder für den Artenschutz zu sensibilisieren, erklärt Walter: „Vielen ist nicht bewusst, welche fatale Folgen es haben kann, wenn Tiere aus dem Aquarium im Wohnzimmer einfach in der Natur ausgesetzt werden.“

Ordnungswidrigkeiten drohen

Mit den ausgesetzten Haustieren würden Krankheiten in die Rhöner Gewässer gelangen. Der Ranger appelliert an Besitzer von Fischen, Krebsen oder anderen Wassertieren, diese auf keinen Fall auszusetzen, sondern an Tierhandlungen zurückzugeben.

Hintergrund: Nach den Bestimmungen des Bundesnaturschutz- und des Hessischen Fischereigesetzes ist das Aussetzen gebietsfremder Krebse in der freien Natur verboten und kann mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren geahndet werden.

„Nicht heimische Krebsarten, aber auch exotische Reptilien, Goldfische und Aquarienpflanzen, die in freie Gewässer ausgesetzt werden, stellen eine zunehmende Gefährdung für das ökologische Gleichgewicht dar“, schreibt das RP Gießen. Heimische Arten dürfen nur mit Berechtigung ausgesetzt werden.

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