Der Autobahnlärm setzt den Menschen in Uttrichshausen zu. (Symbolfoto)
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Der Autobahnlärm setzt den Menschen in Uttrichshausen zu. (Symbolfoto)

„Extreme Belastung“

A7-Lärm plagt Menschen in Uttrichshausen - Nicht einmal auf dem Friedhof herrscht Ruhe

  • Marcus Lotz
    VonMarcus Lotz
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Die Autobahnbrücke in Uttrichshausen wird in den nächsten Jahren abgerissen und neu gebaut. In die Maßnahme setzen die vom A7-Lärm geplagten Menschen die Hoffnung, dass auch der Lärmschutz verbessert wird. Doch das wird wohl nicht einfach.

Uttrichshausen - Die Menschen in Uttrichshausen (Kreis Fulda) sind genervt: Die Bevölkerung des Kalbacher Ortsteils wird vom Lärm von der Autobahn geplagt, die über eine Brücke mitten durch den Ort führt. Tausende Lkws, die den Verkehrsweg nutzen, lassen die Bürgerinnen und Bürger nachts aus dem Schlaf hochfahren.

Im Gespräch berichten Anwohner, dass etwa deutlich zu hören sei, wenn die Fahrzeuge nach der Geschwindigkeitsbegrenzung wieder Gas geben. Bei dem Lärm könne man kaum ein Telefonat führen oder in Ruhe im Homeoffice arbeiten. Manch ein Anwohner könne sich in seinem eigenen Garten nicht unterhalten. „Außenstehende fragen, wie wir das aushalten“, so ein Anwohner. Selbst auf dem Friedhof würde man bei Bestattungen weder den Pfarrer richtig verstehen, noch könne von „ewiger Ruhe“ die Rede sein.

A7-Lärm plagt Menschen in Uttrichshausen: Bewohner äußern Kritik

Martin Müller, Fraktionsvorsitzender der BfK, moniert, dass an alten Autobahnen höhere Grenzwerte für Lärm gelten, was dazu führe, dass „die Lärmmenge“ an solchen Stellen fast dreimal so hoch sein dürfte, vermutet Müller. „Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.“ Die Bevölkerung in Uttrichshausen werde „seit Jahr und Tag hingehalten“, sie habe keine Anspruch auf besseren Lärmschutz.

Die Absurdität so mancher Regelung veranschaulicht Müller an der bestehenden Brücke: „Was da oben steht, ist eine zwei Meter hohe Wand in Lärmschutzausführung. Wenn es eine Lärmschutzwand wäre, müsste die vier Meter hoch sein.“ Bei der Sanierung der Brücke, welche vor rund zehn Jahren beendet worden sei, sei diese Wand installiert worden – jedoch nicht gegen den Lärm, sondern gegen Wurfgeschosse. „Hätte man die Wand aus Gründen des Lärmschutzes gebaut, hätte man einen Präzedenzfall geschaffen – und das wollten die Verantwortlichen vermeiden.“

A7-Anwohner in Uttrichshausen messen mehr als 80 Dezibel

Auch bei dem geplanten Neubau sieht es nicht besser aus. „Weil bei dem Bau der neuen Brücke keine wesentlichen baulichen Änderungen erfolgen, haben wir laut Hessen Mobil auch keinen Anspruch auf einen höheren Lärmschutz.“

Ortsvorsteher Volker Röbig erzählt, dass die Einwohnerinnen und Einwohner selbst schon mit Messgeräten den Lärm dokumentiert hätten, der mit über 80 Dezibel teilweise deutlich über dem Grenzwert lag. Auch in Herolz (Main-Kinzig-Kreis) misst die Bürger-Allianz Verkehrslärm selbst. Ein Problem sei auch die Kessellage von Uttrichshausen, durch die der Lärm reflektiert werde. „Da hat man uns von den Behörden gesagt, der Lärm werde bei ihnen nur berechnet. Was wir messen, sei völlig irrelevant.“

Ortsvorsteher Volker Röbig (Mitte) steht mit Anwohnern vor der Brücke.

Bürgermeister Mark Bagus (parteiunabhängig) spricht auf Nachfrage von „extremer Belastung für den Ort und die Menschen“ durch die nahe Autobahn. Wie Bagus erläutert, bestehe bei Maßnahmen des Bundes, wie etwa dem Neubau der Autobahnbrücke, für Gemeinden grundsätzlich das Recht, eine Stellungnahme abzugeben. „Inwieweit diese berücksichtigt wird, ist allerdings die Frage. Es dürfte auch schwierig werden, da juristisch etwas rauszuholen – das sehen wir bei anderen Themen wie der Bahntrasse: Es können Vorschläge eingebracht werden, entschieden wird aber von den Behörden.“

Grundsätzlich versuche der Bürgermeister lieber, bei Terminen vor Ort mit den Fachbehörden ins Gespräch zu kommen. „Wenn die dicht machen, kann die Politik einbezogen werden.“ Auch sieht Bagus eine Chance darin, sich mit Gemeinden zusammenzuschließen, die vor ähnlichen Problemen standen oder stehen. „Das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Region und interessiert viele Kommunen, die an der A7 liegen.“

Video: Umwelt und Gesundheit - Führt Straßenlärm zu Übergewicht?

Auf Nachfrage verweist die bundeseigene Autobahn GmbH, welche die Zuständigkeit für das Projekt Anfang des Jahres von Hessen Mobil übernahm, auf die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs-und -bau GmbH (DEGES), welche mit dem Ersatzneubau beauftragt wurde. Deren Sprecherin teilt mit, dass nach der Erarbeitung der Entwurfsplanung die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren erstellt werden. Dieses werde voraussichtlich Anfang 2022 eingeleitet.

Zum geplanten Lärmschutz heißt es: „Für den Ersatzneubau sind Lärmschutzkonzepte vorgesehen, die sowohl die Bauzeit als auch den späteren Betrieb und die jeweiligen Auswirkungen berücksichtigen. Darin werden unter anderem aktive Lärmschutzmaßnahmen – beispielsweise Lärmschutzwände – vor, auf und nach der Brücke vorgesehen.“ Details nennt die Sprecherin nicht. Stattdessen heißt es, diese würden „zu gegebener Zeit, voraussichtlich im Vorfeld des Planfeststellungsverfahrens“, kommuniziert.

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