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Abstrichstellen völlig überlastet – Corona-Patient bemängelt fehlende klare Strukturen

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - „Wir sind schlecht auf die Pandemie vorbereitet. Das Klinikum Fulda nehme ich bei dieser Bewertung aber ausdrücklich aus“, sagt Wilhelm (Name geändert). Dem 57-Jährigen wurde vergangene Woche bestätigt, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat.

Mit diesen Erfahrungen konfrontiert, räumt der Sprecher der KV Hessen, Karl Matthias Roth, diese grundsätzlich ein: „Warteschlangen gibt es nahezu an allen Testcentern – vor allem da, wo das Gesundheitsamt uns nicht unterstützt“, schiebt er die Verantwortung Richtung Landkreis. „Wo dies nicht der Fall ist, bilden sich lange Schlagen und es kommt zu unschönen Situationen.“ In Frankfurt und Darmstadt habe sogar die Polizei eingreifen müssen.

Hohe Zahl an Selbsteinweisern

„Der Landkreis Fulda kann mit der Kritik der KV Hessen nicht gemeint sein“, heißt es dagegen aus dem Fuldaer Landratsamt. „Das Gesundheitsamt des Landkreises hat in jeder erdenklichen Weise die KV dabei unterstützt, ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen, die ambulante ärztliche Versorgung sicherzustellen.“ Eine „Vorauswahl unter den Wartenden“, wie von Roth erhofft, gehöre nicht zu den Aufgaben des Gesundheitsamtes.

Hintergrund ist, so Roth, dass „wir eine hohe Zahl Selbsteinweiser, teilweise ohne Symptome haben“. Diese „gefährden sich und blockieren die Kapazitäten für die anderen. Warteschlangen und Warteräume sind unheimliche Infektionsherde. Sie sind aber schwierig zu händeln.“

Tests nur noch für Patienten mit Symptomen

Bis Ende der vergangenen Woche gab es in Hessen zehn Testcenter – unter anderem in Gelnhausen und Fulda. Inzwischen sind es 16 Standorte – nun unter anderem auch in Alsfeld. Besetzt sind diese zentralen Abstrichstellen mit Personal des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Dieser soll die Versorgung in den Abend- und Nachtstunden sowie an den Wochenenden sicherstellen, also dann, wenn die Arztpraxen geschlossen sind.

Der KV-Sprecher verweist darauf, dass es sich bei den werktags von 9 bis 13 Uhr geöffneten Teststellen um „Zusatzstrukturen“ handele, für die kaum Personal zu bekommen sei. Er stellt auch die Frage, ob „Tests in dieser Häufigkeit sinnvoll sind. Wir werden künftig nur noch Patienten mit Symptomen – also mehr als 38 Grad Fieber – testen.“

In der vergangenen Woche seien in den zentralen Abstrichstellen täglich zwischen 22 und 200 Tests veranlasst worden.

Hotline 116-117

Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen ist auch für die Hotline des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes zuständig. Unter der bundesweit identischen Rufnummer 116-117 werden Patienten außerhalb der normalen Öffnungszeiten der Praxen mit Ärzten in Kontakt gebracht.

Allerdings ist in Zeiten der Coronavirus-Pandemie die Nummer häufig überlastet. In Hessen „hatten wir vergangenen Freitag 6500 Anrufe. Normal sind 4000 bis 5000 Anrufe pro Woche“, sagt Karl-Matthias Roth, Sprecher der KV Hessen.

Fifty-Fifty-Chance

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bezifferte die Zahl der bundesweit bei der Hotline eingegangenen Anrufe auf etwa 400.000. Die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur Verfügung gestellte Infrastruktur sei limitiert. Es stehe nur eine bestimmte Anzahl Leitungen zur Verfügung.

Zudem „haben wir einen jahreszeitlich bedingten Krankenstand von 30 Prozent – mit steigender Tendenz“, sagt der Sprecher. Die Folge sei eine „unbefriedigende Situation. Nur etwa die Hälfte der Anrufer hat auch Hilfe bekommen. Das ist eine Fifty-Fifty-Chance. Mehr ist im Moment einfach nicht möglich. „Wenn immer mehr Leute anrufen, sind diese Probleme nicht zu lösen.“ / kw

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