In Sachen Fahrradfreundlichkeit schneidet Fulda erneut schlecht ab - und landet im Fahrradklima-Test auf dem vorletzten Platz. Künzell wird Letzter.
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In Sachen Fahrradfreundlichkeit schneidet Fulda erneut schlecht ab - und landet im Fahrradklima-Test auf dem vorletzten Platz. Künzell wird Letzter.

Radfahrer geben schlechte Noten

„Peinliches Ergebnis“: Fulda landet im ADFC-Fahrradklima-Test auf vorletztem Platz - Künzell mit roter Laterne

  • Sabine Kohl
    vonSabine Kohl
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Fahrradfahrer verpassen Fulda erneut schlechte Noten: Im Fahrradklima-Test 2020 landet die Stadt auf dem vorletzten Platz in Hessen bei vergleichbar großen Städten. Nur Künzell schneidet noch schlechter ab: Die Stadtregion-Gemeinde landet auf dem letzten Platz ihrer Vergleichsgruppe.

Fulda/Künzell - Fulda erhielt für die Fahrradfreundlichkeit die Schulnote 4,25 im Fahrradklima-Test 2020. Das ist sogar noch etwas schlechter als 2018 (4,24) und 2014 (4,15) und minimal besser als 2016 (4,28). „Und das trotz der von Politik und Verwaltung gepriesenen vielen Investitionen in die Radverkehrsinfrastruktur in Fulda“, schreibt der ADFC Fulda, der über die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests in einer Pressemitteilung informiert. „Das bedeutet weiter Stillstand für Fulda.“ Der Test wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. (Lesen Sie hier: Radverkehrskonzept für den Landkreis Fulda online einsehbar - Woide: „Auftakt für weitere Maßnahmen“)

ADFC-Fahrradklima-Test in Fulda: Besonders schlechte Noten beim Sicherheitsgefühl

Noch schlimmer als Fulda trifft es Künzell: Die Stadtregion-Gemeinde hat es in diesem Jahr erstmals in die Wertung des Fahrradklima-Tests geschafft - und ist mit der Note 4,57 gleich auf dem letzten Platz der Gruppe mit vergleichbaren Gemeinden in Hessen gelandet. „Ein peinliches Ergebnis“, schreibt der ADFC Fulda. Und: „Dass in Künzell das Fahrrad recht sicher vor Diebstahl scheint, ist noch ein positiver Aspekt. Dagegen fühlen sich die Menschen in Künzell noch unsicherer auf dem Rad als in Fulda. Besonders kritisiert werden die Breite der Wege, das Fahren auf Radfahrstreifen, die Kontrolle von Falschparkern und allgemein der Stellenwert des Radverkehrs und die Werbung dafür.“

In Fulda sind dagegen die Wegweisungen, die geöffneten Einbahnstraßen und Diebstahlsicherheit positiv von den Radfahrenden bewertet worden. Dem stehen die Breite der Wege, die Führung an Baustellen, eine fehlende Falschparkerkontrolle und Sicherheitsgefühl mit besonders schlechten Noten gegenüber.

ADFC-Ranking: Städte 50.000 bis 100.000 Einwohner in Hessen

Platz 1Marburg (deutschlandweit Platz 14 von 110)
Platz 2Rüsselsheim (18)
Platz 3Gießen (40)
Platz 4Hanau (48)
Platz 5Bad Homburg (65)
Platz 6Fulda (86)
Platz 7Wetzlar (93)

In Fulda haben, so der ADFC, diesmal 406, in Künzell 59 Menschen an der alle zwei Jahre stattfindenden Umfrage des ADFC unter Radfahrenden mitgemacht. Der Fahrradclub fällt ein vernichtendes Urteil für die Barockstadt und vor allem die verantwortlichen Politiker und Verwaltungsangehörigen: „Fotos von Politikern auf dem Rad oder neben Radfahrenden - wer kennt sie nicht. Masterplan Green City, Verkehrsentwicklungsplan und wieder ein neues Radverkehrskonzept für Fulda - geredet, debattiert und geplant wird viel. Die Umsetzung schwächelt. Immer wieder hören wir von Fuldaer, dass das Radnetz ein Flickenteppich ist.“

ADFC-Fahrradklima-Test in Künzell: „Es entsteht der Eindruck, Radfahrer wurden schlicht vergessen“

Und für Künzell fällt das Urteil nicht besser aus: „Die Befragten reklamieren ungepflegte Radwege und einseitige Schutzstreifen, die Radfahrende gefährden. Bei ihnen entsteht der Eindruck, dass der Bau von Fahrradwegen bei der Erneuerung von Straßen schlicht vergessen werde, in der Gemeinde und zwischen den Ortsteilen“, moniert der ADFC Fulda.

Der ADFC-Fahrradklima-Test

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrrad-Club ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2020 zum neunten Mal statt. Teilgenommen haben diesmal rund 230.000 Radfahrer aus 1024 Städten und Gemeinden. Das ist ein neuer Rekord. In Hessen waren es rund 20.000 Radfahrer, 54 Prozent mehr als noch 2018. Damit fundierte Ergebnisse erzielt werden, müssen pro Gemeinde mindestens 50, bei größeren Städten mindestens 75 oder 100 Abstimmungen vorliegen.

Mit dem Slogan „Mehr Platz fürs Rad“ fordert der Fuldaer Fahrrad-Club nicht nur in der Peripherie, sondern auch dort, wo es enger wird, dass Radverkehr mit mehr Sicherheit möglich wird. Der ADFC verweist auf Beispiele aus anderen Städten. Wo es gemeinsam mit den Radentscheid-Bewegungen gelungen sei, die kommunale Politik in Bewegung zu setzen, helle sich das Fahrradklima merklich auf.

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Frankfurt gehöre etwa zu den großen Aufsteigern in Deutschland. Durch die Erfüllung der Radentscheid-Forderungen habe sich der Notenschnitt um 0,22 Punkte verbessert. Auch Darmstadt habe sich mit der Einrichtung der von der Bevölkerung gewünschten geschützten Radspuren um 0,14 Notenpunkte verbessert.

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