Nach Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wird ein Sperrgebiet eingezäunt.
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Nach Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest wird ein Sperrgebiet eingezäunt.

Preise eingebrochen

Corona und Schweinepest setzen Bauern zu: „Die Schweine stapeln sich bereits im Stall“

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Erst Corona und dann obendrein die Afrikanische Schweinepest (ASP): Für Schweinehalter kommt es knüppeldicke. Seit Jahresbeginn sind die Preise eingebrochen und die Tiere lassen sich nur noch schlecht vermarkten.

Region - Viele Ferkelzüchter und Schweinemäster werden den 10. September 2020 nicht vergessen. An diesem Tag geschieht das seit Jahren Erwartete: Erstmals wird in Deutschland die Afrikanische Schweinepest bei einem Wildschwein nachgewiesen. Der Fundort in Brandenburg liegt 550 Kilometer von Osthessen entfernt. „Dass in einem Maisfeld bei mir in Böckels ein Wildschwein mit ASP gefunden wird, ist ziemlich unwahrscheinlich“, sagt der in dem Petersberger Ortsteil lebende Landwirt und Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Fulda, Matthias Bug.

Durch den Fund der infizierten Wildschweine hat Deutschland das Prädikat „ASP-frei“ verloren. Dieses wird allerdings von zahlreichen Ländern außerhalb der EU verlangt. Mit anderen Worten: Es gibt einen fast weltweiten Importstopp für deutsches Schweinefleisch, insbesondere seitens der asiatischen Großabnehmer wie Südkorea, China oder Japan.

Video: Bauern besorgt: China verhängt Importverbot für deutsches Schweinefleisch

Wegen Corona: Schlachthöfe schlachten nicht mehr so viele Tiere - Preise und Absatzzahlen sinken

In der Folge ist der Marktpreis hierzulande abgestürzt, um 20 Euro für ein 100 Kilo schweres Schwein innerhalb von Tagen – auf noch 127 Euro. „Vor Corona lag der Schlachtpreis bei etwa 200 Euro. Nun ist es etwa ein Drittel weniger. Da wird es sehr, sehr eng. Die Banken haben aber Verständnis und helfen uns in dieser Situation“, sagt Konrad Kuhlenkamp, stellvertretender Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Main-Kinzig. (Lesen Sie hier: Die Corona-Pandemie beeinflusst auch den Verkauf von Kälbern)

Der Landwirt aus dem Steinauer Stadtteil Ulmbach ist direkt betroffen – 250 Sauen plus Nachzucht, insgesamt 3200 Tiere, stehen in seinem Stall. Er weist darauf hin, dass der niedrige Preis nicht das einzige Problem ist: „Wegen Corona schlachten die Schlachthöfe nicht mehr so viele Tiere. Neben den Preisen sind auch die Absatzzahlen gesunken. Die Schweine stapeln sich im Stall. Wir können nicht einfach den Schlüssel umdrehen und die Produktion stoppen. Selbst dann wären noch sechs bis sieben Monate lang Schlachttiere da.“ Die Säue sind drei Monate trächtig, bis die Ferkel zur Schlachtreife gemästet sind, nimmt weitere sechs Monate in Anspruch. Und: „Wenn wir aufgehört haben, dauert es die gleiche Zeit bis wieder Schweine schlachtreif sind.“

Kleinere Betriebe denken ans Aufhören: ASP und Corona setzt Schweinehaltern zu

Die genaue Zahl der Schweinehalter im Landkreis Fulda kennt Matthias Bug nicht. Größere Mastbetriebe oder Ferkelzüchter mit mehreren Tausend Tieren gebe es nur wenige Dutzend. Deren wirtschaftliche Lage „ist ziemlich schwierig. Sie bekommen die Tiere nur zu unterirdischen Preisen los. Der eine oder andere Schweinehalter denkt ans Aufhören. Ich hatte diese Woche einen Anruf eines kleinen Mästers mit 80 Tieren. Er will die Schweinehaltung aufgeben und Schweine kaufen, die er für die Selbstvermarktung verarbeitet. Ich fürchte, dass der Strukturwandel zusätzlich beschleunigt wird. Viele wollen das nicht mehr mitmachen.“ Das gelte insbesondere für kleinere Betriebe. Die größeren „müssen sehen, dass sie die Situation irgendwie überstehen – auch wegen getätigter Investitionen.“

Hintergrund

In Ost- und Südosteuropa ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) bereits seit etlichen Jahren verbreitet. Am 10. September 2020 bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut die erste Infektion eines Wildschweins mit ASP in Deutschland: Im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg) war sieben Kilometer von der polnischen Grenze entfernt der stark verweste Kadaver einer zwei- bis dreijährigen Bache (weibliches Wildschwein) gefunden worden. Seitdem wurde die Infektion bei weiteren acht Wildschweinen im Landkreis Spree-Neiße sowie 39 Wildschweinen im Nachbarlandkreis Oder-Spree nachgewiesen (Friedrich-Loeffler-Institut, Stand 1. Oktober).

In der Folge verhängten zahlreiche Länder außerhalb der EU ein Importverbot für Schweinefleisch aus Deutschland.

Was das Einschleppen der ASP in seinen Stall angeht, fühlt sich Kuhlenkamp auf der sicheren Seite: „Wir haben eine sehr hohe Bioreinheit und hohe Hygienestandards im Stall. Selbst Veterinäre, die zur Kontrolle kommen, dürfen vorher einige Tage nicht in anderen Schweineställen gewesen sein.“ In die Region könne die Afrikanische Schweinepest allerdings gelangen – und sei es durch ein kontaminiertes Wurstbrötchen, das weggeworfen und von einem Wildschwein gefressen wird.

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