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Afrikanische Schweinepest: Bauern und Jäger sind in Sorge

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Kreis Fulda - Noch hat sich die Afrikanische Schweinepest (ASP) erst bis an die polnisch-deutsche Grenze vorgearbeitet. Aber Sprecher von Kreisbauernverband und Jägerschaft in Fulda sind sich einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die für Wildschweine und Hausschweine tödliche Krankheit auch in Deutschland ausbricht.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

„Es ist nicht mehr die Frage, ob die ASP zu uns kommt, sondern nur noch wann“, sagt Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands. „Das ASP-Virus wird schon bald irgendwo bei uns aufschlagen“, erklärt Dr. Rudolf Leinweber, Vorsitzender der Jäger- und Gebrauchshundevereinigung Rhön-Vogelsberg.

Ungefährlich für Menschen

Im Januar haben die Jäger in Osthessen auf Bitten der Jagdbehörden Treibjagden organisiert, um die Wildschweine zu dezimieren – obwohl Schonzeit für Schwarzwild war. Je weniger Wildschweine im Wald, desto langsamer breitet sich die ASP aus – wenn das Virus erst einmal da ist.

Die ASP ist eine für Haus- und Wildschweine hochansteckende Seuche. 90 Prozent der erkrankten Tiere verenden. Für andere Tierarten sowie für Menschen ist sie ungefährlich. Seit 2014 breitet sich die Schweinepest in Osteuropa aus. Das größte Risiko für eine Einschleppung nach Deutschland besteht derzeit von Westpolen aus.

Hier wurde im Januar der Kadaver eines infizierten Wildschweins zwölf Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze gefunden. Auf deutscher Seite wurden danach Zäune aufgestellt.

Enorme wirtschaftliche Folgen erwartet

„Wird ein infiziertes Wildschwein gefunden, wird ein Bezirk in einem Radius von mindestens 15 Kilometern um die Fundstelle eingerichtet. In diesem Bereich gilt außerdem sechs Monate lang ein Ernteverbot“, erklärt Schramm – weil der Erreger auf einem Ernteprodukt sitzen könnte. Im Wald wird nach verendeten Wildschweinen gesucht. Wird die Seuche auf einem Bauernhof festgestellt, werden alle Schweine getötet und beseitigt – ebenso in allen benachbarten Schweinezuchtbetrieben im Radius von 500 Metern. In einem größeren Umkreis darf kein Schwein transportiert werden.

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung erwartet enorme wirtschaftliche Folgen, falls es die ASP nach Deutschland schafft: „Insgesamt sind alle schweinehaltenden Betriebe betroffen, weil der Schweinemarkt nach einem Seuchenfall einbrechen wird. Deutschland als Exportnation würden die massiven Handelsbeschränkungen sehr treffen.“

Übertragung

Vorweg: Für Menschen ist die Afrikanische Schweinepest (ASP) ungefährlich.

Aber: Für Schweine ist das Virus fast immer tödlich. Hauptüberträger sind virusausscheidende Schweine sowie virushaltige Schlacht- und Speiseabfälle. Die Tiere scheiden das Virus bereits in der Inkubationszeit über Nasen- und Rachensekret, Speichel, später auch über Urin und Kot aus.

Indirekte Überträger sind Fahrzeuge (besonders Viehtransporter), Geräte, Bekleidung und Schuhe. Eine Tröpfcheninfektion über die Luft, wie bei einer Erkältung beim Menschen, ist unmöglich.

Die größte Bedrohung geht von Speiseresten mit Viren aus. Schon ein achtlos weggeworfenes Wurstbrötchen kann von Wildschweinen gefressen werden und die Seuche nach Deutschland bringen. / vn

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