Virus breitet sich aus: So schützen Landwirte in der Region ihre Tiere vor der Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest ist in Hessen auf dem Vormarsch. Seit dem ersten Fall in Groß-Gerau im Juni sind inzwischen mehrere südhessische Kreise betroffen. Landwirte in Osthessen sind alarmiert - und achten auf die Sicherheitsvorkehrungen, um eine Ausbreitung zu verhindern.
Fulda - Landwirt Peter Bleuel aus Oberrode hält auf seinem Hof in mehreren Ställen rund 1500 Schlachtschweine. Fünf Schweinehalter-Betriebe dieser Größe gibt es im Landkreis Fulda.
So schützen Landwirte ihre Tiere vor der Schweinepest
In diesen Tagen muss der Landwirt, der den Familienbetrieb im Jahr 2000 mit Sohn Gregor auf Schweinehaltung spezialisiert hat, die Tiere besonders abschirmen und damit schützen, denn: Jeder Kontakt von außen könnte die Afrikanische Schweinepest (ASP) in die Ställe bringen - und somit seinen ganzen Bestand erkranken lassen.

Die Krankheit verläuft in fast allen Fällen tödlich, eine Impfung gibt es nicht. Die Folge: Die Tiere müssten geschlachtet werden. „Das wäre ein immens hoher finanzieller Schaden für uns“, sagt Peter Bleuel. Betriebe können sich zwar für Ausfälle durch die Schweinepest versichern, „doch auch das kostet natürlich Geld.“
Im Landkreis Fulda gibt es - anders als in Teilen Südhessens (Groß Gerau, Kreis Bergstraße und Darmstadt-Dieburg) bisher keinen nachgewiesenen Fall von ASP. In den betroffenen Gebieten wurden jeweils Wildschweine positiv auf die Pest getestet, welche die Krankheit dann an die Zuchtschweine überträgt.
Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest: Landwirte wollen sensibilisieren
Auf den Menschen ist ASP dagegen nicht übertragbar. Auch der Kontakt zu infizierten Schweinen oder der Verzehr von virushaltigem Fleisch ist ungefährlich.
Für die Landwirte und deren Tiere nehmen die Gefahr der Schweinepest aber immer weiter zu, ist sich der erfahrene Schweinehalter sicher. Auch Michael Faust, Ferkelerzeuger aus Bimbach, der den Hof in Oberrode beliefert, sagt: „Früher oder später wird die Schweinepest hier ankommen.“
Virushaltiges Fleisch im Umlauf?
Dass sich virushaltige Wurst in Deutschland offiziell im Verkauf befindet, sei unwahrscheinlich, teilt die Pressestelle des Landkreises mit. Das liege vor allem daran, dass an ASP erkrankte Schweine in Deutschland nicht geschlachtet und verarbeitet werden dürfen. Eine extra Beprobung der Wurst gibt es nicht. In Regionen, wo die ASP ausgebrochen ist, gibt es strenge Regeln zur Verarbeitung von Schweinefleisch. Dort wird unter anderem das Blut der Schweine vor der Schlachtung untersucht.
Im Falle einer Feststellung von ASP in einem Schweinebetrieb leitet die zuständige Behörde umgehend epidemiologische Ermittlungen ein. Wird dabei ermittelt, dass im Vorfeld der Feststellung des ASP-Ausbruchs in den Verkehr gebrachte Lebensmittel eventuell mit dem Erreger behaftet sind, werden diese aus der Lebensmittelkette herausgenommen und unschädlich gemacht.
Virushaltige Wurst gelange immer mal wieder aus dem Ausland dadurch nach Deutschland, dass Menschen sie für den Privatverzehr aus Regionen mitbringen, in denen die ASP gehäuft vorkommt. Dies geschieht vor allem über den Reiseverkehr und den mitgebrachten privaten Proviant. Vor allem Rohwurst wie Schinken und Salami, aber auch unverpacktes Schweinefleisch soll daher nicht unverpackt entsorgt werden.
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Einer der Hauptgründe: Die Zunahme des Verkehrs. „Die Rastplätze sind voll, genauso wie die Mülleimer. Häufig werden Essensreste weggeworfen.“ Bleuel ergänzt: „Wildschweine kommen an solche Mülleimer ran, holen sich die Krankheit und bringen sie ins Land.“
Denn: Das Virus wird direkt über kontaminierte Gegenstände sowie Rohwurst (beispielsweise Schinken oder Salami) von infizierten Tieren eingeschleppt. Schon unachtsam entsorgte virushaltige Reste aus ASP-Regionen können für eine Infektion ausreichen.
Strikte Auflagen zum Schutz der Tiere
Diese Fälle können die Schweinehalter nicht direkt verhindern. „Wir können die Leute nur sensibilisieren, solche Abfälle nicht in der freien Natur zu entsorgen“, sagt der Oberroder. Hinzu komme, dass es in Hessen immer weniger Schlachthöfe gebe - einer davon in Fulda - was dazu führe, dass Tiere und Halter aus verschiedensten Regionen in Kontakt kommen - und die Verbreitung von ASP begünstige.
Umso wichtiger sei es, den eigenen Betrieb zu schützen. Denn das Virus breitet sich auch über direkten Tierkontakt oder über Blut aus. Damit die Schweine im Landkreis Fulda weiter verschont bleiben, ist Sorgfalt geboten. „Die Hygiene steht an erster Stelle - allerdings nicht erst seit Ausbreitung der Schweinepest, das sind für uns Grundprinzipien.“
Die Afrikanische Schweinepest
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die bei den Tieren fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Ursprünglich war die Afrikanische Schweinepest auf Afrika begrenzt. Im Jahr 1957 trat sie erstmals außerhalb Afrikas in Portugal auf. Im Juni 2007 traten erste Fälle der ASP in Georgien auf, später in den Nachbarländern Armenien, Aserbaidschan und Russland.
In Deutschland gab es im September 2020 in Brandenburg den ersten Fall. Im Tierseuchenregister sind derzeit (17. Juli) 21 Fälle der Afrikanischen Schweinepest in Hessen registriert. Der ASP-Fall in Groß-Gerau Mitte Juni dieses Jahres war der erste Fall in Hessen.
Stichwort hier sei die sogenannte Biosicherheit, ein Programm des Bundes, mit der die Betriebe im Kreis Fulda ihren Bestand schützen. Entsprechende Maßnahmen hat nach Ausbruch der ASP in Hessen auch der Landkreis Fulda vorgegeben.
Was Biosicherheit heißt, sieht man auf dem Hof der Bleuels direkt. Der Eingang zu den Schweineställen ist derzeit verschlossen. „Wir haben normalerweise immer mal wieder Betriebsausflüge und Besucher hier, derzeit geht das nicht“, berichtet Georg Bleuel . Wenn die Bauern den Hof betreten, wechseln sie ihre Kleidung.
Wildpark „Alte Fasanerie“ in Hanau setzt Wildschweinhaltung aus
Der Wildpark „Alte Fasanerie“Hanau verzichtet bis auf Weiteres auf die Haltung von Wildschweinen, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Alle dort noch lebenden Wildschweine wurden getötet. Die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest hätten dem Wildpark-Team keine Alternative gelassen.
Denn im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest erwachse ein hohes Risiko für den Tierbestand. Würde die hochinfektiöse Krankheit innerhalb der Wildschwein-Rotte ausbrechen, wäre eine langfristige Schließung unvermeidlich gewesen, heißt es weiter. Der Wildpark komme zudem mit der Entscheidung, die Wildschweinhaltung zeitweise auszusetzen, seiner gesamtgesellschaftlichen Verpflichtung und Verantwortung nach.
Auch der Wildpark in Gersfeld steht in enger Absprache mit dem Veterinäramt wegen der Afrikanischen Schweinepest, teilt Leiter Julian Kusak auf Nachfrage mit. „Wir hoffen natürlich, dass es nicht dazu kommt, weil es sich um Lebewesen handelt. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir ebenfalls die Wildschweinhaltung vorerst aussetzen müssen“, sagt Kusak.
Denn: Eine langfristige Schließung des Gersfelder Wildparks wäre bei Ausbruch des ASP-Virus ebenfalls unvermeidbar. Aktuell leben im Wildpark Gersfeld 28 Schweine, davon 24 Wildschweine.
Der Landkreis Fulda verweist auf Anfrage darauf, dass Jäger die Wildschweine seit Jahren intensiv bejagen, um den Wildschaden möglichst gering zu halten. Mit Blick auf mögliche Erschießungen von Wildschweinen in Tierparks in der Region, hänge eine solche Entscheidung vom Seuchengeschehen ab, also wo die Seuche im Landkreis ausbricht und wie weit sie von der Tierhaltung entfernt ist.
„Wir haben betriebseigenes Schuhwerk und Kleidung. Beides wird stets gewaschen.“ Außerdem befindet sich direkt hinter der Eingangstür ein für ASP zugelassenes Desinfektionsmittel - damit wird das Schuhwerk noch einmal desinfiziert, genauso wie Fahrzeuge und Räder, die auf dem Betrieb im Gebrauch waren.
Bereiche auf dem Hof müssen zudem strikt getrennt werden, damit sich nichts kreuzt: auf der einen Seite das Vieh, Futter und Einstreu, auf der anderen Seite Dung, Mist und Kadaver. Die Bleuels führen darüber hinaus strikt Protokoll über Hofbesucher und die Futterbestellung, die Zulieferer kommen nicht direkt aufs Betriebsgelände, sondern halten davor.
Video: Schweinepest: Diese Vorsichtsmaßnahmen trifft ein Landwirt aus Worms
Wichtig seien zudem kurze Wege zu Vermarktern und dem Schlachter. Der Oberroder betont: „All das zu beachten, ist Grundgedanke eines schweinehaltenden Betriebes. Jetzt wird man natürlich noch sensibler und schaut, wo man noch einmal etwas verbessern kann.“
Damit die Region weiter von der Schweinepest verschont bleibt, sei neben der Umsichtigkeit der Landwirte „jeder Verbraucher gefragt, Lebenssmittel richtig zu entsorgen“. Der erfahrene Schweinehalter ergänzt: „Wir machen viel, um unsere Tiere zu schützten. Doch 100-prozentigen Schutz vor ASP gibt es leider nicht.“
Eine weltweit verbreitete Viruserkrankung bei Schweinen ist die auch als Pseudowut bezeichnete Aujeszkysche Krankheit. Sie kann sich auch auf Hunde und Katzen übertragen.