Der ehemalige Bahnhof in Fulda, Minnesota, ist heute Museum und Antiquitätenladen.
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Der ehemalige Bahnhof in Fulda, Minnesota, ist heute Museum und Antiquitätenladen.

Suche nach einem besseren Leben

Millionen Deutsche wanderten im 19. Jahrhundert nach Amerika aus - Mehrere Städte in den USA heißen Fulda

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Hunger und Armut, Suche nach (Religions-) Freiheit oder Abenteuerlust: Die Gründe für die Auswanderung etlicher Millionen Deutscher im 19. Jahrhundert nach Amerika sind vielschichtig. Auch aus Osthessen gingen viele Menschen über den „großen Teich“, wie Ortsnamen belegen.

Fulda/USA - Mehr als sieben Millionen Deutsche sind seit dem 17. Jahrhundert nach Amerika ausgewandert. An der europäischen Besiedlung Nordamerikas waren Deutsche von Anfang an beteiligt. Heute gaben mehr als 45 Millionen US-Bürger „Deutsch“ als ihre Hauptherkunft an, die allermeisten weil sie aus Deutschland eingewanderte Vorfahren haben.

Der Höhepunkt der Auswandererwelle fällt in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – ab der Märzrevolution von 1848/49 bis zum Ersten Weltkrieg. Die Gründe dafür, die Heimat zu verlassen, sind vielfältig und änderten sich auch im Laufe der Jahrhunderte immer wieder: Armut, Hunger, der Wunsch nach Religionsfreiheit, politische Verfolgung oder einfach Abenteuerlust sind Beispiele.

Auswanderung nach Amerika: Deutsche suchten ein besseres Leben in Amerika

Auch die Siedlungsgebiete der Migranten waren Moden unterworfen – und folgten der Eroberung des Westens durch die Weißen, die mit der Verdrängung der Indianer sowie der Aufnahme von Regionen als Bundesstaaten in die USA einhergingen. Vor Ort wurden immer neue Siedlungen gegründet, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer häufiger entlang der neu entstehenden Bahnlinien, die nun vom Atlantik bis zum Pazifik führten. (Lesen Sie hier: Tobias Struwe hat mit seiner Frau in Hünfeld „den kleinsten USA-Store der Welt“ eröffnet).  

Bei der Namensfindung standen die Gründer Paten oder es wurde eine Erinnerung an die alte Heimat gewählt. So kommt es, dass zahlreiche aus Deutschland und anderen europäischen Ländern geläufige Namen in den Vereinigten Staaten gleich mehrfach auftauchen. Ein gutes Beispiel hierfür ist Fulda. Mindestens ein halbes dutzendmal taucht der Name der osthessischen Bischofsstadt in den USA auf – und das über den ganzen Kontinent verteilt, wenngleich einige Gemeinden längst untergegangen sind.

Fulda: Ein halbes dutzendmal taucht der Name der Stadt in den USA auf

So finden sich im Internet Hinweise auf ein „Historic“ Fulda in der Nähe der Hauptstadt Baton Rouge in Louisiana. Der Zusatz „Historic“ lässt vermuten, dass der Ort zumindest nicht mehr bewohnt ist. Im Staat Washington im Nordwesten wird ein „Fulda“ genannt, dessen Name nicht mal mehr auf der Homepage des Landkreises zu finden ist. Genau im Zentrum Nordamerikas, wenige Kilometer vom geografischen Mittelpunkt Rugby entfernt inmitten der Prärie von North Dakota gelegen, gibt es ein weiteres Fulda. Allerdings wohnt auch dort wohl kaum noch jemand. Die dortige Kirche wurde jedenfalls schon Anfang der 2000er Jahre profaniert.

Anders verhält es sich im Südwesten von Minnesota. Das dortige Fulda ist zwar nicht mit dem hiesigen vergleichbar, ist aber immerhin ein Städtchen mit gut 1200 Einwohner. Gegründet wurde es an einer Bahnstrecke, die allerdings vor Jahrzehnten stillgelegt wurde. Heute ist das alte Bahnhofsgebäude ein Museum und Antiquitätenladen.

Vielzahl von Berufen: Handwerker, Kaufleute und Bauern

Die Menschen, die sich in Nordamerika ein neues Leben aufbauen wollten, übten eine Vielzahl von Berufen aus. Unter ihnen waren viele Handwerker und Kaufleute. Die meisten jedoch waren Bauern. Viele von ihnen ließen sich in den bis dahin landwirtschaftlich kaum erschlossenen Great Plains nieder – auch Dank des „Homestead Acts“ von 1862. Siedler durften sich auf unbesiedeltem Land niederlassen, sich eine 64 Hektar große Fläche abstecken und bewirtschaften. Nach fünf Jahren wurden sie dann zum Eigentümer.

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