Weihnachten in Los Angeles: Auch bei Temperaturen um die 20 Grad haben die Amerikaner eine Vorliebe für Schneemänner und andere weihnachtliche Wesen.
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Weihnachten in Los Angeles: Auch bei Temperaturen um die 20 Grad haben die Amerikaner eine Vorliebe für Schneemänner und andere weihnachtliche Wesen.

Bericht aus Los Angeles

Corona-Weihnacht in den USA - oder: Der amerikanische (Alp)Traum mit der Omikron-Variante

  • Sebastian Reichert
    VonSebastian Reichert
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In Kalifornien herrscht in dieser Zeit des Jahres mildes Mittelmeer-Klima. Kein Schmuddelwetter wie bei uns, das die Ausbreitung des Corona-Virus begünstigt. Und doch spitzt sich auch dort die Lage gerade wieder zu. Ein Bericht aus dem amerikanischen Sonnenstaat, in dem zu normalen Zeiten Träume wahr werden.

Fulda/Los Angeles - Obwohl es in Los Angeles keinen Schnee gibt, sondern die Sonne das ganze Jahr die Tage erhellt, ist die Stadt in Weihnachtsstimmung. Die Palmen werden mit Lichterketten behängt. Riesige Schneemänner aus Plastik und Rudolph, das Rentier, mit seiner berühmten roten Nase werden in Vorgärten von Vätern und ihren strahlenden Kindern aufgebaut.

Nachbarn schenken sich Plätzchen, Schokolade und Wein, während im Fernsehen der Klassiker „A Charlie Brown Christmas“ in Dauerschleife läuft. „Driving home for Christmas“: Sogar die Autoschlange auf dem Freeway 405 sieht in der Nacht mit tausenden roten Bremslichtern festlich aus.

Corona in den USA: Weihnachten und der amerikanische (Alp)Traum mit Omikron

Der Radiosender KOST-103.5 spielt schon seit Thanksgiving 24 Stunden lang amerikanische Weihnachtsmusik und begleitet die Autofahrer auf ihrem Weg ins Büro oder nach Hollywood zum Fernseh- oder Filmset. Man könnte fast meinen, alles wäre wieder in Ordnung. Los Angeles sei in seinem Arbeitstrott, hätte den Corona-Schock überwunden und die Pandemie im Rückspiegel liegen lassen.  

Aber der Schein trügt. Im mit 40 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten US-Bundesstaat sind bislang über fünf Millionen Corona-Fälle gemeldet, und die Todeszahl ist inzwischen auf über 74.000 angestiegen. USA-weit wurde sogar die Schwelle von 800. 000 Corona-Toten überschritten.

Die Autorin

Eva Sippel kommt ursprünglich aus Petersberg im Landkreis Fulda und lebt mit ihrer Familie in Los Angeles. Sie arbeitet in der Fernseh- und Radiobranche.

Seit Thanksgiving am 25. November – einem Fest, an dem die Amerikaner gern in andere Staaten reisen, um sich mit ihren Familien zu treffen – hat sich die Zahl der Corona-Patienten in Kalifornien um 86 Prozent erhöht, die Zahl der Todesfälle um 27 Prozent. Eine krasse Entwicklung, denn während des Sommers hatte sich die Lage in L.A. und Umgebung beruhigt.  

Aber nun verbreitet sich die neue Omikron-Variante auch in Los Angeles – im ganzen Land ist die Mutation inzwischen dominant. Dr. Barbara Ferrer, Direktorin des örtlichen Gesundheitsamts, warnt vor der kommenden Winter-Welle und rät, das Weihnachtsfest nur im kleinen Kreis mit enger Familie und Freunden zu feiern, sich an die Maskenpflicht zu halten und sich impfen zu lassen. 

65 Prozent der Menschen in Kalifornien sind voll geimpft, und über vier Millionen haben sogar ihre Booster-Impfung schon hinter sich. Auch Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren dürfen nun geimpft werden. Öffentliche Schulen bieten Impfungen an. Viele Eltern nehmen das Angebot gerne wahr, denn in Kalifornien gibt es im Gegensatz zu anderen Staaten, wie zum Beispiel Texas oder Florida, weniger Widerstand gegen die Impfung.

Die Maßnahmen in Kalifornien wurden dennoch weiter verschärft: In allen öffentlich zugänglichen Innenräumen herrscht wieder Maskenpflicht – auch für vollständig Geimpfte. Das betrifft beispielsweise Schulen, Restaurants, Kinos, Theater und Fitnessstudios. Wer abends ausgehen möchte, muss Impfpass und Personalausweis bereithalten. Restaurants, die gegen die Regeln verstoßen und zum Beispiel Ungeimpfte bewirten, droht eine Strafe von bis zu 5000 Dollar. 

Eva Sippel kommt ursprünglich aus Petersberg und lebt mit ihrer Familie in Los Angeles. Sie arbeitet in der Fernseh- und Radiobranche.

Omikron hat Los Angeles wie die gesamte USA neu verunsichert. Schätzungen zufolge entfielen rund 73 Prozent der neuen Corona-Fälle in der vergangenen Woche auf Omikron. Auch viele Deutsche, die in der Stadt der Engel leben und arbeiten und nun zu Weihnachten Verwandte in der alten Heimat besuchen wollten, sind ob der Nachrichten über die Ausbreitung des Virus in aller Welt besorgt.

Chris Weiske, Inhaber des deutschen Reisebüros Nonstop Travel in Torrance sagt: „Im Oktober haben unsere Kunden zuversichtlich Flüge nach Deutschland gebucht, um Weihnachten daheim mit der Familie verbringen zu können. Aber jetzt, durch die angespannte Situation, wird viel storniert oder verschoben. Das Risiko ist einfach zu groß.“

Video: Wegen Corona - Mehr als 4500 Flugausfälle an Weihnachten

Umgekehrt sind auch Ausländer zurückhaltend, die in diesem Jahr zu ihren Verwandten in die USA gereist wäre. Wer aus Deutschland einreisen möchte, braucht beispielsweise einen aktuellen negativen Test und in der Regel die vollständige Impfung. Hanna Penington, die uaus Alsfeld im Vogelsbergkreis kommt und in Glendale als Linguistin arbeitet, feiert in diesem Jahr beispielsweise mit ihrem Mann Ryan und den Kindern Matilde (6) und Emilie (4) Weihnachten in Kalifornien.

Wieder ist Weihnachten nicht das Fest, das man sich erhofft hat. Corona ist leider noch nicht unter Kontrolle, und die Einschränkungen in Kalifornien, wo normalerweise Träume wahr werden, sind allenthalben spürbar. Das Gefühl der Unsicherheit und der Ungewissheit bleibt, während sich das neue Jahr langsam nähert. Immerhin: Die Weihnachtsstimmung im Herzen lassen sich die Menschen nicht nehmen – und die Hoffnung, dass es 2022 besser wird, stirbt zuletzt.

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