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Antrag auf Förderung stellen: Fulda auf dem Weg zum Biodiversitätslandkreis

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Gersfeld - Fulda soll der erste Biodiversitätslandkreis Hessens werden – das haben sich der Verein Natur- und Lebensraum Rhön (VNLR) und das Regionalforum Fulda Südwest zum Ziel gesetzt. Sie haben ein Positionspapier „Biodiversität im Landkreis Fulda“ erarbeitet, das die Grundlage für eine Biodiversitätsstrategie auf Landkreisebene bieten soll. Noch im Sommer soll ein Antrag auf Förderung beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) eingereicht werden.

Das teilte der Verein Natur- und Lebensraum Rhön mit Sitz in Gersfeld in einer Presseerklärung mit. „Wir erhoffen uns Fördermittel, mit denen wir im Landkreis Fulda Projekte zum Schutz und Erhalt von Biodiversität umsetzen können“, wird Janet Emig, Landwirtschaftliche Beraterin beim VNLR, darin zitiert.

Werde der Antrag bewilligt, stünden dem Landkreis in einer Förderperiode von maximal sechs Jahren bis zu sechs Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ in Aussicht. 75 Prozent der Kosten solcher Projekte trägt den Angaben zufolge das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), die restlichen 25 Prozent müssen aus Eigenmitteln geleistet werden.

Mehr als 20 Bürgermeister diskutierten mit

Um einen entsprechenden Antrag formulieren zu können, haben der VNLR und das Regionalforum Fulda Südwest in den vergangenen Monaten Ziele und mögliche Maßnahmen erarbeitet: Welche Schutzprojekte werden im Landkreis Fulda bereits umgesetzt? Wo muss mehr getan werden, und welche Schwerpunkte sollen hierbei gelegt werden? Was können die jeweiligen Gemeinden tun?

Um Antworten auf Fragen wie diese zu finden, hatten der Verein und das Regionalforum unter anderem ein World Café mit Kommunen veranstaltet, heißt es. Mehr als 20 Bürgermeister und weitere Vertreter diskutierten in Arbeitsgruppen über die Bereiche Bildung, Landwirtschaft, Schutz der Nacht, Naturschutz, Siedlungsgebiete, Wald und Wasser.

Insektensterben im Fokus

Beratungsstellen für Artenvielfalt, Schulungen für Bauhof-Mitarbeiter, Aktionen in Schulen und Kindergärten – die Teilnehmer sprachen laut VNLR zudem auch über Maßnahmen, die kurzfristig in den Kommunen umgesetzt werden können. „Das Feedback der Bürgermeister war durchweg positiv, viele nahmen Denkanstöße mit, die sich zum Beispiel schon bald in Bebauungsplänen wiederfinden sollen“, sagt Janet Emig.

Auf Grundlage der Mitarbeit der von Kommunen, Landwirten, Naturschützern und zahlreichen weiteren Interessengruppen und Experten seit nun das „Positionspapier zum Schutz der Biodiversität“ entstanden. Vor allem das Insektensterben, der Verlust von sensiblen Pflanzengesellschaften und der Rückgang der Offenlandvogelarten stünden dabei im Fokus.

Elf Thesen zur Verbesserung

Das Papier gebe einen Überblick über den Status quo im Landkreis Fulda und formuliere Thesen zu den größten Problemfeldern. Unter anderem würden ein „biodiversitätsfeindliches“ System der Landwirtschaft, ein mangelndes kommunales Flächenmanagement unter dem Aspekt der Biodiversität, aber auch fehlendes Personal und Defizite in der Verwaltungsstruktur sowie fehlende Bildungsangebote als Probleme benannt.

Für jede der insgesamt elf Thesen liefere das Papier Ideen für Maßnahmen zur Verbesserung. „Als Modellregion mit einer Vielzahl von Vernetzungen unterschiedlicher Interessenvertreter ist der Landkreis Fulda in der Lage, ein Modellprojekt Biodiversität umzusetzen und den Zugewinn im Gegensatz zu kleineren Einzelprojekten für eine gesamte Region darzustellen“, erklärt Janet Emig.

Markt der Möglichkeiten am Mittwoch

Mit einem umfassenden Großprojekt könne erreicht werden, dass das brisante Thema Verlust der Biodiversität in der Breite der Bevölkerung ankomme. „Nicht nur lokale Aktionsgruppen, Behörden, Vereine und Verbände sollen und werden sich dem Thema widmen müssen“, betont Emig. Das Papier appelliere in gleichem Maße an die Eigenverantwortlichkeit eines jeden Bürgers. „Durch sein tägliches Handeln hat jeder Mensch Einfluss auf die Biodiversität. Das kann beim Wocheneinkauf sein, bei der Außenbeleuchtung am Eigenheim oder schon beim Bepflanzen der Balkonkästen.“

Termin: Die Artenvielfalt in der Rhön und im Landkreis Fulda sowie Möglichkeiten, diese zu erhalten, ist am Mittwoch, 10. Juli, ab 19 Uhr Thema im Von-Steinrück-Haus in Poppenhausen. Der Verein Natur und Lebensraum Rhön (VNLR) lädt ab 19 Uhr zu einem Markt der Möglichkeiten. Die Veranstaltung ist öffentlich. Der Eintritt ist frei. / FZ, sar

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