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Die Apfelpflücker: Fuldaer Porzellangruppen im Vonderau Museum

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Schäfer, Tänzer, Apfelpflücker: In einer gesonderten Vitrine präsentiert das Vonderau Museum Porzellangruppen aus der einstigen Fuldaer Manufaktur. Die Exponate der kleinen Sonderschau stammen aus der Sammlung von Eckart Hertel, die Leihgaben werden zu einem späteren Zeitpunkt im Stadtschlosses dauerhaft gezeigt.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

Meißen, Höchst und Frankenthal – wer an Porzellan denkt, dem fallen zunächst die berühmten Manufakturen ein. Doch auch Fulda punktete mit Stücken aus dem edlen Material. Von 1764 bis 1789 entstanden in der „Hochfürstlichen Fuldischen Porzellanmanufaktur“ erlesene Stücke aus dem sogenannten weißen Gold. Neben Tellern, Vasen und Servicen waren dies auch Figuren beziehungsweise Figurengruppen.

Auf diese hat sich Professor Eckart Hertel, der lange als Orthopäde am Fuldaer Klinikum tätig war, konzentriert und stellt seine Objekte der Stadt Fulda nun als Dauerleihgabe zur Verfügung. Die 16 Exponate befinden sich in einer freistehenden Vitrine inmitten der normalen Ausstellung, dank dieser gesonderten Präsentation kann man sie von allen Seiten betrachten und wunderbare Entdeckungen machen.

Figuren bezaubern durch narrativen Charme

Vertreten sind alle vier Modelleure, die in Fulda tätig waren: Wenzel Neu (1708 – 1774), Valentin Schaum (1714 – 1771), Johann Georg Schumann (1712 – 1780) und Georg Ludwig Bartholomé (1748 – 1788). Ihnen gemeinsam war die Orientierung an den namhafteren Manufaktur-Vorbildern, denen sie qualitativ nicht ganz das Wasser reichen konnten, wie Museumsleiter Dr. Frank Verse und Museologin Judith Mader betonen.

Nichtsdestotrotz bezaubern die Figuren durch ihre feine Bemalung und den narrativen Charme. Man beachte nur den Brief, den eine schlafende Schäferin hält: „An die Dorris“... Apropos Schäfer: Wie Verse betont, stammen die Motive im Wesentlichen aus dem höfischen Bereich oder dem romantisierten Bauernleben. Zwei Allegorien – Sommer und Frühling – runden das Tableau ab.

Mit Fuldaer Manufaktur ein Zeichen setzen

Interessant die Entdeckung, dass unterschiedliche Figurengruppen auf ein Modell zurückgehen, wie etwa bei einem tanzenden Paar vor einem Baumstumpf. Verändert wurden die Attribute und die Bemalung. Der Sockel dieses von Wenzel Neu ursprünglich gestalteten Objektes, also der Boden mitsamt Baum, wurde später noch einmal verwendet, und zwar für eine Jägergruppe. Dank des Engagements der „Freunde des Museums Fulda“ konnte dieses Stück nun erworben werden, es befindet sich in einer eigenen Vitrine.

Nebenbei: Mit der Fuldaer Manufaktur wollte der Fürstbischof Heinrich von Bibra eine Marke installieren und ein Zeichen setzen. Allerdings war die Produktion des Materials, dessen Rohstoff Kaolin in Abtsroda in der Rhön abgebaut werden konnte, und der Stücke sehr kostspielig. Mit der Folge, dass die Manufaktur finanziell gefördert werden musste. Bibras Nachfolger, Adalbert von Harstall, sah darin keinen Nutzen mehr und beendete die Geschichte des Fuldaer Porzellans nach nur 25 Jahren.

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