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Arbeitgeberin des Opfers sagt im Mordprozess aus: „Sie war gütig und hilfsbereit“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die Arbeitgeberin und der angebliche Liebhaber des Opfers sowie das Ehepaar, das zuerst am Tatort war, haben am Freitag im Mordprozess am Landgericht Fulda ausgesagt. Angeklagt ist ein 55-jähriger Mann aus Künzell, der seine 52 Jahre alte Ehefrau am 14. Juni auf einem Parkplatz in Künzell erstochen haben soll.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Gütig, zuvorkommend, hilfsbereit – so wird die 52-jährige Frau von ihrer Arbeitgeberin beschrieben. Das Opfer war seit 2013 Reinigungskraft in einem Künzeller Supermarkt. Sie sei immer „nett und höflich“ gewesen. „Sie hatte unser vollstes Vertrauen und hat die Arbeit gern gemacht“, erklärte die Arbeitgeberin.

Mann wollte nicht, dass sie arbeitet

Umso erstaunter sei sie gewesen, als die 52-Jährige Ende Mai auf sie zukam und kündigen wollte. „Eine richtige Begründung konnte sie mir nicht nennen. Ihr Mann rief mich aber an und fragte, ob sie bei mir war“, erinnerte sich die Zeugin. Das sei an einem Samstag gewesen. Am darauffolgenden Montag habe sie die 52-Jährige gefragt, was bei ihr zu Hause los sei: „Sie brach in Tränen aus und sagte, dass ihr Mann nicht will, dass sie arbeitet und sie unter Druck setzt. Er hat ihr nicht geglaubt, dass sie bei mir war“, sagte sie und fügte an: „Die Situation muss an dem Tag noch eskaliert sein. Sie meinte, er wäre total ausgerastet“, erklärte die Arbeitgeberin.

Schlechtes Gewissen wegen Kündigung

Von anderen Mitarbeitern habe sie gehört, dass die Frau Angst vor ihrem Mann hatte. Er fuhr Taxi, hatte seit einiger Zeit aber keine Arbeit mehr. „Sie wollte auf jeden Fall noch die Kündigungsfrist von vier Wochen einhalten und hat auch schon eine andere Mitarbeiterin eingearbeitet. Während dieser Zeit wirkte sie sehr bedrückt. Sie wollte ja nicht aufhören und hatte, glaube ich, auch ein schlechtes Gewissen mir gegenüber.“ Einmal sei der Angeklagte zum Supermarkt gekommen. „Sie glaubte, dass er sie kontrollieren wollte“, erklärte die Zeugin.

Angeblicher Liebhaber sagt aus

Als Motiv für die Tat geht die Staatsanwaltschaft von Eifersucht aus. Der Angeklagte soll geglaubt haben, dass seine Frau ein Verhältnis mit einem 57-Jährigen aus Hosenfeld hatte. Dieser war gestern ebenfalls als Zeuge geladen und erklärte, dass er den Angeklagten „leider“ kenne. Die beiden sind weitläufig verwandt und im selben Ort im Kosovo aufgewachsen. Nachdem sie in Osthessen eine Heimat fanden, pflegten sie so etwas wie eine Bekanntschaft. „Meine Frau und ich haben ihn und seine Frau Anfang Juni zu uns eingeladen“, sagte der 57-Jährige. Dass das Ehepaar Probleme hatte, habe er nicht bemerkt. Die Annahme, er habe ein Verhältnis mit der Frau, habe ihn erschüttert. „Das würde ich niemals machen. Ich hatte keinen Kontakt zu ihr. Warum hat er nicht angerufen, wir hätten darüber gesprochen und es wäre nicht passiert“, erklärte der 57-Jährige.

Ehepaar berichtet vom Tatort

Doch die Tat ist geschehen. Der 14. Juni ist der Tag, an dem die 52-Jährige an ihren schweren Stichverletzungen starb. Eine 65-Jährige und ihr 66-jähriger Ehemann kamen zuerst an den Tatort in der Nähe der Peter-Henlein-Straße. Sie waren spazieren und wurden von dem Angeklagten herbeigerufen. „Er saß im Auto und sagte, dass wir die Polizei rufen sollen“, erinnerte sich die 65-Jährige. Er sei dabei ruhig gewesen, habe fast apathisch gewirkt. „Die Frau war blass, ihr Kopf lehnte an der Scheibe, und sie war blutüberströmt.“ Der Angeklagte habe einen Satz gesagt, entweder „Ich habe meine Frau erstochen“ oder „Meine Frau ist tot“. Welcher Satz es war, weiß sie nicht mehr genau. Angst habe sie nicht gehabt.

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