Fotos: Ralph Leupolt, Ann-Katrin Hahner

ARD-Wetterexperte fordert eine Klimarevolution beim Jahresauftakt der Sparkasse

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Mit einer unbequemen Botschaft, aber auf unterhaltsame Weise hat ARD-Wetterexperte Sven Plöger (52) gestern Abend 1600 Kunden der Sparkasse Fulda gefesselt. Seine Botschaft: Ohne strengere Gesetze ist der Klimawandel nicht zu stoppen.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Experten warnen seit Jahrzehnten vor der Klimaveränderung, sagte Plöger beim Jahresauftakt der Sparkasse Fulda im Kongresszentrum Esperanto. Doch erst seit drei bis vier Jahren dominiere der Klimawandel die gesellschaftliche Diskussion. „Ursache dafür ist, dass die Menschen jetzt plötzlich die Veränderungen des Klimas spüren – durch immer heißere und trockenere Sommer in Deutschland, ein Abschmelzen des Eises am Nordpol und extreme Waldbrände in Australien.“

Extreme Witterungsverhältnisse rütteln wach

Statistische Veränderungen über Jahrzehnte nehme der Mensch nicht wahr, extreme Wetterereignisse rüttelten ihn aber auf. Der Wandel laufe schon lange, jetzt aber wirke er sich aus: Am Nordpol sei in den vergangenen 33 Jahren Eis von der dreifachen Fläche Deutschlands verschwunden. Weil aber die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und Tropen schrumpfen, gebe es weniger Wind, und Hochs und Tiefs blieben länger an einer Stelle – was dann zu Rekordsommern wie 2018 und 2019 führte.

Klimapolitik hat nichts erreicht

1990 hätten Experten Prognosen für 2020 erstellt: Es werde mehr Trockenheit, mehr Hitze und mehr Starkregenereignisse geben. „Die Klimaforschung hatte recht. Deshalb sollten wir den Forschern auch jetzt zuhören.“ Verglichen mit den Werten seit 1881 seien alle Sommer der vergangenen 23 Jahre zu heiß gewesen. Viel erreicht habe die Klimapolitik bisher nicht, denn Klimakonferenzen könnten nur einstimmig beschließen. So gäben die Bremser das Tempo vor. Die Folge: „Seit dem ersten Weltklimagipfel 1992 ist die im Jahr produzierte CO2-Menge bis heute um 67 Prozent gewachsen.“

Freiwilligkeit reicht nicht aus

Plögers Forderung: „Um das Ruder noch herumreißen zu können, brauchen wir eine Art Klimarevolution: Die Staaten, die im Umweltschutz die Zugmaschinen sind, müssen bestimmen – auch für die Bremser.“Ähnliches wünsche er sich für die deutsche Gesetzgebung. „71 Prozent sagen in Umfragen, dass sie der Klimawandel sorgt. Doch zugleich gab es 2019 so viele Flüge, Kreuzfahrten, SUVs und Plastikmüll wie nie zuvor.“

Sein Schluss: „Freiwilligkeit wird hier leider nicht viel bringen. Wir müssen auf demokratischem Weg strenge Regeln festlegen. Die Politik steht in der Verantwortung.“ Zugleich müsse jeder handeln, niemand dürfe sich hinter dem Satz verstecken, er allein könne ja doch nichts bewirken. Seit 100 Jahren wuchs die mittlere Temperatur weltweit um ein Grad. In den nächsten 100 Jahren drohe eine Erwärmung um zwei bis vier Grad. „Wir werden unsere Welt dann nicht wiedererkennen.“

Woide appelliert auch an Eigenverantwortung

Landrat Bernd Woide (CDU), Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse, dankte dem Redner. So wie er das Thema vermittelt habe, sollte man das öfter tun, sagte er. Woide setzte aber einen anderen Akzent: Man dürfe nicht nur Forderungen an die Politik richten: Jeder Einzelne trage mit seinem Verhalten Verantwortung dafür, ob der Klimawandel fortschreite, oder ob er gebremst werden könne.

Dass die Sparkasse mit anderen langfristigen Veränderungen zu kämpfen hat, hatte zu Beginn Uwe Marohn deutlich gemacht. Er ist seit Jahresbeginn neuer Vorstandschef. „Der Negativzins wird noch länger bleiben – ebenso wie die Lasten der Regulatorik und der Digitalisierung.“ Die Sparkasse nehme die Herausforderungen an.

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