Der Aschenberg zählt rund 8600 Einwohner.
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Der Aschenberg zählt rund 8600 Einwohner.

Zusammenhalt trotz Schwierigkeiten

Doku-Reihe über den Fuldaer Aschenberg: Darum lohnt sich der Blick in die ZDF-Mediathek

  • Leon Schmitt
    vonLeon Schmitt
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Obwohl der Aschenberg der größte Bezirk in Fulda ist, weiß bei weitem nicht jeder in der Barockstadt, was sich in und zwischen den Hochhäusern abspielt. Seit Anfang September ist in der ZDF-Mediathek eine Doku-Serie zu sehen, die den Mikrokosmos beleuchtet. Wir haben uns das Ergebnis einmal genauer angeschaut.

Fulda - Rund 8600 Menschen leben am Aschenberg. Das sind gut dreimal mehr Einwohner als der Frauenberg zählt und etwa 2000 Einwohner mehr als in der Fuldaer Innenstadt. Damit hat der Aschenberg rein zahlentechnisch zwar viel Gewicht, richtig eingegliedert scheint er in Fulda allerdings nicht.

Gewalt, Drogen und Perspektivlosigkeit haben dafür gesorgt, dass der Aschenberg in Fulda vor einigen Jahren drohte, ein sozialer Brennpunkt zu werden. Zwar sind viele Probleme - etwa durch das Projekt „Soziale Stadt“ - gelöst, einige bleiben jedoch.

Doku-Serie in der ZDF-Mediathek: Kamerateam begleitet sieben Aschenberger

Das ZDF bezeichnet den Aschenberg als „Mikrokosmos mitten in Deutschland“. Der TV-Sender erklärt: „Der Ruf der Hochhaussiedlung des Aschenbergs in Fulda war nicht immer gut. Doch die Menschen kämpfen gegen dieses Image, für sie ist der Aschenberg auch eine liebgewonnene Heimat und steht für Zusammenhalt.“ Zehn Monate lang hat ein Kamerateam mehrere Bewohner des Aschenbergs bei der Bewältigung ihrer alltäglichen Probleme begleitet. Entstanden ist eine fünfteilige Doku-Serie, die seit dem 2. September in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Die Hochhäuser des Aschenbergs sind weithin sichtbar.

Katharina Hilkevic, Nezam Kiniki, Christoph Eisermann, Fawad Ahmad, Lisa Mistretta, Lisa Koschewnikow, Jessica Neif und Thomas Gilbert: So heißen die Menschen auf dem Fuldaer Aschenberg, deren Geschichten über fünf Folgen hinweg erzählt werden. Die Protagonisten haben große und kleinere Probleme. Welche Hürden sie dabei nehmen müssen, macht die Dokumentation auf eindrucksvolle und ergreifende Weise deutlich.

Lesen Sie hier: ZDF-Doku-Serie beleuchtet den Aschenberg.

Gespräch mit Fuldas Bürgermeister: SV Aschenberg United kämpft für gepflegten Fußballplatz

Während die Grundschülerin Lisa Koschewnikow um die Empfehlung für die Realschule kämpft, versucht Fawad Ahmad die mittlere Reife nachzuholen, um einen anständigen Job zu finden. Dabei wird der 22-Jährige von Nezam Kiniki und Christoph Eisermann unterstützt. Die beiden Streetworker setzen sich auch für die Fußballmannschaft SV Aschenberg United“ ein. Ihr großes Anliegen - ein gepflegter Fußballplatz, um Heimspiele austragen zu können - führt sie bis zum Fuldaer Bürgermeister Dag Wehner (CDU).

Die Spieler des SV Aschenberg United kämpfen gegen den Abstieg aus der Kreisliga.

Bei einem Gespräch im Fuldaer Stadtschloss hat der Bürgermeister ein offenes Ohr für die Probleme der Aschenberger und stellt ihnen Hilfe in Aussicht. „Ich habe großes Verständnis dafür, dass der Verein sagt, es ist nicht optimal, erst ins Auto steigen zu müssen, hinfahren zu müssen und so die Bevölkerung vor Ort weniger einbinden zu können“, sagt Dag Wehner. Die Stadt wolle sich dem Anliegen des SV Aschenberg United zeitnah annehmen.

Aschenberg-Doku: Haus-Oma kämpft für bessere Wohnverhältnisse

Herauszugreifen wäre außerdem Katharina Hilkevic, die in Kasachstan geboren wurde und vor 20 Jahren für ein besseres Leben nach Deutschland kam. Seitdem lebt „Babuschka“ (russisch für „Oma“), wie ihre Nachbarn sie liebevoll nennen, in der Adenauerstraße 7 am Aschenberg. „Ja, ich bin die Haus-Oma“, sagt Hilkevic schmunzelnd.

„Babuschka“ setzt sich für bessere Wohnverhältnisse am Aschenberg ein. Im Gespräch mit dem ZDF-Team erklärt sie, dass sie und ihr Mann sich anfangs regelrecht in die Wohnung verliebt hatten. Vor dem Einzug sei neu renoviert worden. „Es war so schön alles“, erzählt die Frau aus ihrer Anfangszeit am Aschenberg. Dies Freude ist mittlerweile verflogen. „Schon 20 Jahre wohne ich hier und noch nichts renoviert“, ärgert sich Hilkevic, die die anderen Hausbewohner regelmäßig auf Sauberkeit hinweist.

ZDF-Doku über den Aschenberg ist sehenswert: Zusammenhalt im Vordergrund

Der ZDF-Doku gelingt es bemerkenswert gut, die kleinen und große Kämpfe, die am Aschenberg ausgetragen werden, zu erzählen. Dabei wird nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch für Abwechslung gesorgt. Besonders stark sind die Drohnen-Aufnahmen, bei denen Fawad Ahmad mit ausgebreiteten Armen auf einem der Hochhaus-Dächer steht.

Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie werden dargestellt. Während die Dreharbeiten pausieren mussten, filmten sich die Protagonisten selbst und zeigten Einblicke aus der Isolation.

Zum Abschluss der Serie wird ein Film-Abend gezeigt, der am Aschenberg organisiert wurde. Die Schlüsselfiguren, deren Freunde und Familien kommen zusammen, um gemeinsam die ersten drei Folgen zu schauen. Vor allem ein Gefühl vermittelt die Doku: Zusammenhalt trotz Schwierigkeiten.

Info

Unsere Kollegen von move36, die sich bereits umfassend mit dem Aschenberg beschäftigt haben, haben die ZDF-Mediathek auch durchstöbert und sich der Frage gewidmet, wie realistisch, die Aschenberg-Doku ist. „Probleme gibt es in diesem Bezirk sicherlich mehr als die gezeigten“, heißt es.

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