Fotos: Sebastian Kircher, Tatiana Morozova/Stock Adobe

Aufsichtspersonen sollen eskalierende Hochzeiten im Stadtschloss verhindern

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
    schließen

Fulda - Bei Hochzeiten im Fuldaer Stadtschloss ist seit August ein zusätzlicher Gast anwesend: Brautpaare müssen eine Aufsichtsperson dazubuchen. Diese soll Ansprechpartner sein – und verhindern, dass die Feiern eskalieren.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Das Heiraten im barocken Ambiente des Stadtschlosses wird immer beliebter: Fanden dort 2017 noch 417 Trauungen statt, waren es voriges Jahr bereits 468. In der einstigen Residenz der Fuldaer Fürsten gibt es gleich mehrere Räume, in denen man heiraten kann: die Schlosskapelle, das Grüne Zimmer, der Dalbergsaal sowie im benachbarten Palais Altenstein der Rokokosaal.

In allen gilt seit August: Heiraten ist nur noch unter Aufsicht möglich. Denn bei den Feiern wurde immer wieder über die Stränge geschlagen. „Für die Eheschließenden hat die standesamtliche Trauung eine immer größere Bedeutung“, erklärt Johannes Heller von der Magistratspressestelle. Standesamtlich heiraten im kleinen Kreis – das war einmal. Heller berichtet von feierlichen Zeremonien mit bis zu 100 Gästen.

Seifenblasen verboten

Das sorgt für Probleme. Ein Sektumtrunk vor den Räumlichkeiten, da hat die Stadt nichts dagegen. Aber Hochzeitsgesellschaften, die durch die Schlossräume pilgern, mit ihrem Lärm die Verwaltungsmitarbeiter und Besucher stören, andere Traupaare behindern und sogar Müll oder Schäden hinterlassen – das soll künftig unterbunden werden. Deswegen ist neben dem Standesbeamten nun immer eine Aufsichtsperson bei der Feier mit dabei.

„Weil das Stadtschloss ein historisches Gebäude ist, sind zudem einige Besonderheiten zu beachten“, erläutert Heller. So dürften zum Beispiel kein Reis oder Blüten gestreut, keine Seifenblasen gepustet und keine Wunderkerzen abgebrannt werden, was „eine Rutschgefahr auslösen oder das Parkett oder den Natursteinboden beschädigen“ könnte. Das Brautpaar werde zwar bei der Anmeldung darüber informiert.

Keine strengen Wachhunde

„Aber die Erfahrung zeigt, dass es oftmals die Gäste sind, die diese gut gemeinten Überraschungen bereithalten.“ Heller betont, dass die Aufsichtspersonen nicht nur da sind, um Krawall-Paare zu kontrollieren. Sondern sie sollen auch „Ansprechpartner sein, der für Fragen und Informationen zur Verfügung steht und bei Bedarf Hilfestellung leisten kann“. Etwa im Falle der derzeit laufenden Sanierungsarbeiten im Schlosshof, die bei manchen Gesellschaften für Verwirrung sorgen können.

In der Realität sind die Aufseher keine strengen Wachhunde: Sie zeigen Präsenz, aber halten sich dezent im Hintergrund. Bei der Trauung selbst sind sie nicht dabei, sondern warten so lange vor der Tür.

50 Euro kostet die Aufsicht

50 Euro kostet dieser Service, den jeder bezahlen muss – ob er nun mit großer Feierrunde oder nur zu zweit kommt. Der Beliebtheit der Stadtschloss-Hochzeiten hat das bislang keinen Abbruch getan: An jedem August-Wochenende und auch an den ersten Wochenenden im September wurde im Schloss der Bund fürs Leben geschlossen.

Und die Heiratswilligen nehmen teils lange Wege auf sich, berichtet Heller: Nur etwa die Hälfte der Brautpaare hat einen Wohnsitz in der Stadt.

Die andere Hälfte kommt hauptsächlich aus dem Landkreis Fulda, aber „auch aus den Nachbarkreisen Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg und Main-Kinzig sowie dem Wartburgkreis in Thüringen oder Bad Kissingen in Bayern“. Einige Eheschließende seien auch in Städten wie Hamburg, München oder Leipzig wohnhaft – der Faszination des Fuldaer Barockschlosses kann sich anscheinend niemand entziehen.

Das könnte Sie auch interessieren