In Osthessen ist die Ausbildungssituation stabil. Im Handwerk im Kreis Fulda ging die Zahl der Lehrverträge in  Vergleich zu 2019 aber um gut zehn Prozent zurück.
+
In Osthessen ist die Ausbildungssituation stabil. Im Handwerk im Kreis Fulda ging die Zahl der Lehrverträge in Vergleich zu 2019 aber um gut zehn Prozent zurück.

Arbeitsagentur bewertet

Kein „Corona-Jahrgang“ auf dem Fuldaer Ausbildungsmarkt: Fast alle Bewerber kommen unter

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
    schließen

Die Corona-Pandemie, vor allem der Lockdown im Frühjahr, hat den Kontakt zwischen Unternehmen und Schulabgängern in diesem Jahr extrem erschwert. Dennoch konnte im Kreis Fulda fast jeder Bewerber eine Ausbildungsstelle erhalten. 

Kreis Fulda - 1357 junge Männer und Frauen suchten in diesem Jahr über die Arbeitsagentur Fulda eine Ausbildungsstelle – 9,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der von der Arbeitsagentur geworbenen Ausbildungsstellen ging um 10,0 Prozent auf 2537 zurück, berichtet die Arbeitsagentur. Gestern zog sie mit ihren Netzwerkpartnern aus der regionalen Wirtschaft Bilanz.

Lediglich 24 junge Leute sind noch ohne Lehrstelle oder eine schulische Alternative. „In unserer Region wird es keinen Corona-Jahrgang 2020 geben, obwohl durch den Lockdown samt Schließung der Schulen der Berufswahlprozess der jungen Menschen enorm beeinträchtigt wurde“, sagt Waldemar Dombrowski, Chef der Arbeitsagentur Fulda-Bad Hersfeld. „Viele Jugendliche konnten wir telefonisch oder auf digitalem Weg beraten.“

Trotz Beeinträchtigungen bei Berufswahl: Kein „Corona-Jahrgang“ auf dem Fuldaer Ausbildungsmarkt

Rechnerisch kamen 187 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerber. Damit stellte sich die Lage für Bewerber deutlich günstiger als im Bundes- und Hessendurchschnitt dar. Auf der Stellenseite schlugen vereinzelt Absagen – unter anderem aus der Gastronomie und von Reisebüros – zu Buche, sodass letztlich 190 und somit 150 Ausbildungsstellen weniger unbesetzt blieben als vor einem Jahr. Die Konferenzteilnehmer waren sich dennoch einig: Die Sicherung des Fachkräftepotenzials wird die regionale Wirtschaft auch in Zukunft fordern, besonders im Handwerk, im kaufmännischen Bereich und im Handel.

Agenturchef Dombrowski lobt Betriebe, Kammern und Berufsschulen, die sich auf die widrigen Umstände eingestellt und einen möglichst reibungslosen Ablauf der Ausbildung und der Prüfungen sichergestellt hätten. Angesichts der anhaltenden Pandemie sehen die Konferenzteilnehmer erhebliche Herausforderungen für das Ausbildungsjahr 2020/21 – bei Bewerbern und Betrieben. Deshalb wollen sich die Akteure öfter abstimmen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow: Betriebe zurückhaltend wegen Corona-Pandemie

IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow berichtet, dass die IHK die endgültigen Zahlen zum Ausbildungsmarkt erst in einigen Tagen vorlegen könne. „Allerdings spiegelt die für Ende Oktober erhobene Statistik die Situation in Osthessen bereits sehr zutreffend wider. Insgesamt wurden 990 Ausbildungsverträge im Verantwortungsbereich der IHK Fulda abgeschlossen – ein Minus von 17,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ausbildung hat in der Region Fulda traditionell einen sehr hohen Stellenwert. Der Grund für die Zurückhaltung der Betriebe ist eindeutig die Corona-Pandemie.“

Dennoch sei er zuversichtlich: So sind in der IHK-Lehrstellenbörse bereits 163 Lehrstellen für 2021 gemeldet worden. Schon 100 Ausbildungsbetriebe und Institutionen haben erklärt, dass sie an der Bildungsmesse am 28. und 29. März 2021 teilnehmen. Konow hatte erst kürzlich die neuen Corona-Maßnahmen der Regierung kritisiert.

Berater

Die Vermittlungsaktivitäten der Arbeitsagentur gehen weiter. Jugendliche und junge Erwachsene, die weder einen Ausbildungsplatz noch eine Alternative gefunden haben, und Azubis, die ihre Lehrstelle während der Probezeit verlieren, sollten rasch Kontakt mit der Berufsberatung aufnehmen. Termine vereinbaren die Berater der Arbeitsagentur unter Telefon (0661) 17111 oder unter (0800) 4555500.

Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Fulda, räumt ein, dass die Corona-Pandemie Folgen für die Ausbildung im Handwerk habe: „Nach zwei Jahren mit relativ stabilen Ausbildungszahlen wird die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge 2020 deutlich unter dem Vorjahresniveau liegen – wohl um 10 bis 15 Prozent. Das ist nicht erfreulich. Aber in Anbetracht der Corona-Pandemie herrscht im Handwerk immer noch eine vergleichsweise gute Ausbildungssituation. In einigen Berufen wie Maler und Lackierer, Anlagenmechaniker und Karosseriebauer wurden sogar mehr Lehrverträge als im Vorjahr abgeschlossen.“ Deutliche Rückgänge gab es bei Bäckern, Fleischern und Fachverkäuferinnen sowie bei Friseuren, Schreinern und Kfz-Mechatronikern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema