Dem Trio wird vorgeworfen, es in den Jahren 2017 bis 2019 auf Geldautomaten in Sachsen und Hessen abgesehen zu haben.
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Dem Trio wird vorgeworfen, es in den Jahren 2017 bis 2019 auf Geldautomaten in Sachsen und Hessen abgesehen zu haben.

Einblick in Ermittlungen

Angeklagte geraten in Streit - Dolmetscherin muss als Zeugin im Automatensprenger-Prozess aussagen

  • Daniela Petersen
    VonDaniela Petersen
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Im Automatensprenger-Prozess sind am Montag am Landgericht Fulda Zeugen aus Dresden und Flensburg gehört worden. An beiden Orten wurden die Angeklagten, teilweise gemeinsam, von der Polizei kontrolliert. In Dresden endete die Kontrolle mit U-Haft.

Fulda - Das Video, das im Gerichtssaal am Landgericht Fulda präsentiert wird, zeigt einen Sprengstofftest: Auf einem Feld raucht ein Behälter mit Flüssigkeit, ein Mann in Schutzausrüstung geht heran, zerschlägt das Gefäß und lässt so Sauerstoff an das Gemisch. Es kommt zu einer leichten Reaktion. Beim zweiten Versuch explodiert der Behälter sofort. Wie ein 56-jähriger Experte erklärt, enthielten die Gefäße jene Flüssigkeit, die bei einer Fahrzeugkontrolle im Auto der Angeklagten entdeckt worden ist. Für den Zeugen steht fest: Es handelt sich dabei um Blitzknallsatz, eine Art Sprengstoff.

Seit der Kontrolle im Dezember 2019 bei Dresden sitzen die Angeklagten – 40, 42 und 45 Jahre alt – in U-Haft. Den Männern aus Ungarn wird vorgeworfen, im Oktober 2017 einen Geldautomaten in Hofaschenbach, im Dezember 2017 in Uttrichshausen und im Februar 2018 in Mansbach gesprengt zu haben – teilweise in wechselnder Besetzung. Weitere unbekannte Täter sollen dabei gewesen sein. In Uttrichshausen sollen sie an das Bargeld gelangt sein und mehr als 264.000 Euro erbeutet haben.

Automatensprenger-Prozess in Fulda: Angeklagte wollen sich nicht äußern

Zur Sache äußern wollen sich die Angeklagten am Landgericht Fulda nicht. Die Beweisaufnahme hangelt sich daher an Indizien entlang: Videomaterial gibt es, das die Täter aber nur vermummt zeigt. Es gibt ein Blitzerfoto, das kurz nach der Sprengung in Mansbach ganz in der Nähe des Tatorts aufgenommen wurde.

Zu sehen ist ein Transporter mit ungarischem Kennzeichen mit zwei oder drei Insassen. Ob das Gesicht des Fahrers auf dem Bild den 42-jährigen Angeklagten zeigt, soll womöglich noch geprüft werden. Und es gibt DNA-Material vom Tatort. Auch diese Spur führe laut Polizei zu zwei der drei Angeklagten.

Dem 40-Jährigen, der bei der Sprengung in Uttrichshausen mit dabei gewesen sein soll, wird außerdem noch Urkundenfälschung vorgeworfen, weil er die Unterschrift des 45-jährigen Angeklagten auf einem Automietvertrag gefälscht haben soll.

Angeklagte geraten nach Automatensprenger-Prozess in Streit - Dolmetscherin muss deshalb als Zeugin aussagen

Nach der vorletzten Verhandlung am Landgericht Fulda soll der 40-Jährige zum 45-Jährigen gesagt haben: „Was ist jetzt? Bestätigst du, dass du das unterschrieben hast?“ Daraufhin habe der 45-Jährige geantwortet, dass er das nicht tun könne. Bekannt wurde diese Szene nur, weil ein Wachtmeister mitbekommen hatte, dass die beiden Angeklagten auf Ungarisch miteinander sprachen. Daraufhin ließ der Wachtmeister die Dolmetscherin das Gesagte übersetzen. Vor Gericht wird sie deshalb in den Zeugenstand gerufen und erzählt von dem Dialog.

In einem Mietauto saßen die drei Angeklagten auch bei der Überprüfung in Dresden, wo es zur Festnahme kam. In Flensburg gerieten zwei der Angeklagten ebenfalls in eine Polizeikontrolle. Hier entdeckten die Beamten Schläuche, ein Druckmessgerät und Werkzeug im Fahrzeug.

Der Prozess am Landgericht Fulda wird am Dienstag fortgesetzt.

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