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AWO-Patenschaftsprojekt sucht Ehrenamtliche

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Hilfsbedürftigen Menschen sozialen Anschluss bieten – das ist der Sinn des AWO-Patenschaftsprojekts. Ging es bei der Gründung vor vier Jahren vor allem um Flüchtlinge, sind mittlerweile alle, die Unterstützung brauchen, willkommen.

Von unserem Redaktionsmitglied Sebastian Kircher

Helga Blaschek weiß, wie es ist, fremd zu sein. Die Gersfelderin hat lange in Prag gelebt. „Ich hatte das Glück, dort Unterstützung bekommen zu haben. Das will ich nun weitergeben“, sagt die 72-Jährige. Auch Rohullah Amini weiß, wie es ist, fremd zu sein. Die Eltern des 36-Jährigen gehören zur afghanischen Volksgruppe der Hazara, wurden den Taliban verfolgt und flohen deshalb in den Iran. Dort ist Amini zwar geboren. „Aber der Iran hat uns nie als Bürger anerkannt“, erklärt er. Nach dem Studium sollte er deswegen nach Afghanistan abgeschoben werden.

„Aber ich habe in diesem Land niemanden gekannt, außerdem herrschen dort Krieg und Terrorismus. Ein Leben in Afghanistan war für mich keine Option.“ Stattdessen entschied er sich, 2015 mit seiner Mutter Amene Ibrahimi (67) nach Deutschland zu fliehen.

Patenschaft sei etwas Lockeres

Mutter und Sohn landeten im Flüchtlingsheim in Seiferts, wo sie auf Helga Blaschek trafen, die sich im Freundeskreis Asyl engagiert. „Rohullah ist gebildet, hat einen Studienabschluss, er will arbeiten und sich in die Gesellschaft einbringen. Das sind genau die Einwanderer, die wir haben wollen. Das muss man doch unterstützen“, sagt Blaschek. Sie hat die Patenschaft für Rohullah und seine Mutter übernommen.

„Eine Patenschaft ist etwas ganz Lockeres“, erklärt Sina Ilchmann vom AWO-Kreisverband Fulda, der das Projekt initiiert hat. „Geflüchtete sollen mit Fuldaern in Kontakt kommen – das war beim Start 2016 der Gedanke dahinter. Mittlerweile hat sich das ausgeweitet auf alle Menschen, die Unterstützungsbedarf haben, etwa Schüler und Studenten, die Nachhilfe bekommen.“ Rund 100 Ehrenamtliche beteiligten sich daran.

Sprache verbindet

Was die Paten mit ihren „Kindern“ machen oder wie oft sie sich treffen, da mische sich die AWO nicht zu sehr ein, sagt Ilchmann: „Wir begleiten die Paare aber und schauen, dass sie zusammenpassen und zum Beispiel die gleichen Interessen haben.“

Bei Helga Blaschek und Rohullah Amini war es die Sprache, die sie zusammengeführt hat, berichtet die Rentnerin: „Ich war beim Goethe-Institut in Prag beschäftigt, und er ist unheimlich wissbegierig.“ Amini fügt an: „Gut deutsch sprechen zu können, das ist mir wichtig.“ Er studiert Elektrotechnik an der Hochschule Fulda, steht kurz vor seinem Bachelor-Abschluss, will danach noch einen Master machen. Gemeinsam mit seiner Mutter trifft er Helga Blaschek zum Kaffee oder in der Bibliothek, um Deutsch zu lernen.

Menschliche Begegnung

Für die Gersfelderin steht fest: „Die Patenschaft ist für mich kein Projekt, das ist menschliche Begegnung.“ Es ist zudem nicht das erste Mal, dass sie eine Patenschaft übernommen hat: Mit ihrer ersten Patenfamilie, die mittlerweile in Köln wohnt, ist sie immer noch in Kontakt. Auch Amene Ibrahimi ist froh über das Angebot: „Wir sind dankbar, dass Frau Blaschek uns hilft – und wir sind dankbar, hier in Sicherheit leben zu können.“

Treffen: Wer Interesse an dem Patenprojekt hat, kann zur nächsten AWO-Gesprächszeit am Donnerstag, 6. Februar, von 10 bis 12 Uhr oder von 17 bis 19 Uhr in die L14zwo (Lindenstraße 2 in Fulda) kommen oder besucht den AWO-Stadtteiltreff Süd (Frankfurter Straße 59), dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 9 bis 12 Uhr. Infos gibt es bei Sina Ilchmann unter Telefon (01 76) 40 43 07 26.

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