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Azubi 2019: Tobias Dönnebrink lernt Altenpfleger bei Mediana

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Schlechte Bezahlung, ungerechte Arbeitszeiten und eine enorme physische Belastung: Die Liste der Vorurteile über den Beruf des Altenpflegers und der Altenpflegerin ist lang. Tobias Dönnebrink hat sich dennoch dafür entschieden. Er ist Auszubildender bei Mediana.

Von Constanze Gollbach

„‚Du brauchst ein dickes Fell’ – das war das Erste, was mein Berufsschullehrer zu uns gesagt hat“, sagt Tobias Dönnebrink. Der 33-Jährige befindet sich im zweiten Lehrjahr zum Altenpfleger beim Pflegedienst Mediana in Fulda im Kothenbachweg. Dönnebrinks erste Wahl ist der Beruf des Altenpflegers jedoch nicht gewesen: „Ich habe vieles vorher gemacht, habe mir dann aber überlegt, was ich in Zukunft von meiner Arbeit erwarte“, sagt er. Zu Mediana ist er durch seinen Onkel gekommen.

„Ich wollte etwas machen, womit ich etwas verändern und bewegen kann. Trotzdem bin ich auch mit Klischees in die Ausbildung gestartet“, sagt Tobias. Seine Vorurteile lauteten beispielsweise schlechte Bezahlung, schlechte Arbeitszeiten und eine hohe Belastung. Bestätigt haben sich diese bei Mediana nicht, sagt der Fuldaer.

Breit gefächertes Aufgabenfeld

„Die Bezahlung in der Ausbildung ist angemessen. Es gibt genügend Hilfsmittel, wie Aufstehhilfen, Gehhilfen oder Umsetz- und Hebehilfen für die Pflege und als Azubi bekommst du Verantwortung übertragen.“ Letzteres empfindet er als besonders positiv. Momentan ist Tobias im Bereich der Kurzzeitpflege tätig. Dort betreut Dönnebrink Bewohner, die nur einen bestimmten Zeitraum in der Unterkunft leben.

Sein Aufgabenfeld ist dabei breit gefächert: Medikamentenausgabe unter Aufsicht, Körperpflege, Essen verteilen oder einfach kurze Gespräche mit Bewohnern und Angehörigen. „In der Kurzzeitpflege sind die meisten Bewohner viel entspannter, da sie wissen, dass sie wieder nach Hause kommen.“

Wechselnde Bewohner, wechselnde Herausforderungen

Für Dönnebrink macht es das umso abwechslungsreicher. Mit den wechselnden Bewohnern kämen auch immer wieder wechselnde Herausforderungen auf ihn zu, sagt er. Neben der Kurzzeitpflege bietet Mediana weitere Bereiche wie die Tagespflege, Physiotherapie, Wohnen im Heim, häusliche Pflege und betreutes Wohnen an.

Während seiner Ausbildung wird Dönnebrink in der Praxis sowie in der Theorie ausgebildet. In mehrwöchigen Theorieblöcken lernen die Auszubildenden alles über die Anatomie des Menschen und verschiedene Krankheitsbilder kennen, ebenso wie Medikamente richtig verabreicht werden und Übungen zur geistigen und körperlichen Beweglichkeit älterer Menschen.

Die Theorie gibt es in der „me:care“

Den Theorieteil absolvieren die Azubis von Mediana in der Altenpflegeschule „me:care“. Dort lernen sie den Stoff mit Hilfe von E-Learning Konzepten. Die Schüler nutzen iPads oder das „Skills Lab“ mit seinen High-Tech-Bewohnersimulatoren. Ein Pluspunkt für die Schule: Die meisten Lehrkräfte haben selbst Erfahrung in der Altenpflege gesammelt. Für Dönnebrink ging das Konzept von „me:care“ jedoch nicht auf: Er wechselte in die Altenpflegeschule der Arbeiterwohlfahrt (AWO).

„Die Lehrer waren super, mir fehlte aber einfach der Klassenzusammenhalt“, sagt er. Der Wechsel sei kein Problem gewesen. Die AWO schaue außerdem sehr genau auf die Schüler und ob sie für die Pflege geeignet sind. „Was für mich natürlich ein Kompliment war“, sagt der 33-Jährige.

Drei Schichten

In seiner neuen Schule fühle er sich nun wohler. Generell mache ihm die Praxis mehr Spaß. „Momentan arbeite ich im Mediana Pflegestift. Dieser arbeitet mit einem Hausgemeinschaften-Konzept. In einer Hausgemeinschaft gibt es bis zu maximal 15 Bewohner, der Durchschnitt liegt jedoch bei zehn Bewohnern“, sagt Tobias. Dort arbeitet er in Schichten: Früh-, Spätdienst und Nachtschicht.

„Im Frühdienst haben wir am meisten zu tun. Die Bewohner müssen gewaschen werden, bekommen ihre Medikamente und Frühstück“, sagt er. Außerdem beinhalte diese auch die Kommunikation mit Ärzten und das Verwalten von Rezepten und Verordnungen. „Die Nachtschicht ist entspannter, jedoch auf Dauer die enormste körperliche Belastung, weil man gegen den Biorhythmus arbeitet.“

Empathie-Balance

Ist es da nicht schwierig, nach Feierabend abschalten zu können, wenn Schichten und Herausforderungen wechseln? Zumindest für Tobias Dönnebrink nicht. „Als Altenpfleger sollte man sich klarmachen, dass es ein Job ist, der gemacht werden muss – mit allen negativen und positiven Aspekten.“ Auch bei Gesprächen mit Bewohnern sollten Pfleger die Probleme nicht an sich heranlassen, so Dönnebrink. Mit dem Tod der Menschen klarzukommen, gehöre ebenso dazu. „Zu wenig Empathie schadet den Bewohnern, mit zu viel schadet man sich selbst“, erklärt er.

Wichtig sei ihm vor allem, dass er seine Arbeit gewissenhaft macht. „Es bringt nichts, wenn ich schnell bin, dafür aber falsch pflege“, sagt Dönnebrink. Und er ergänzt: „Durch den Job setzt du dich mit dir selbst auseinander. Du lernst deine physische sowie psychische Belastungsgrenze kennen.“

Großes Spektrum an Freizeitaktivitäten

Die Belastung bemerke man meist erst nach der Arbeit – zumindest was die körperliche angehe. „Wenn ich merke, dass ich kopftechnisch durcheinander bin, passiert das meistens aufgrund von Fehlern. Wenn ich Fehler mache, bedeutet das, dass ich noch mehr renne, nachkontrolliere oder auch nachfragen muss“, sagt er. Das hätte natürlich auch mehr Arbeit zur Folge. Dabei sei es wichtig, zwischendurch durchzuatmen und sich zu sortieren. „Das wirkt sich auch auf die Professionalität und Verantwortung in der Pflege aus.“

Neben der Pflege bietet Mediana außerdem ein großes Spektrum an Freizeitaktivitäten für die Bewohner: „Hier ist es schön, dass die älteren Menschen nicht den ganzen Tag im Zimmer sitzen, sondern ein Freizeitangebot bekommen“, erzählt Dönnebrink. Dazu gehören beispielsweise Spielenachmittage oder Besuch von Schlagersängern.

Nach seiner Ausbildung will Tobias Dönnebrink weiterhin im Pflegebereich arbeiten. Für die Zukunft kann er sich eine Weiterbildung zum Ausbilder und Lehrer vorstellen.

Azubi 2019 ist eine Gemeinschaftsaktion von Kreishandwerkerschaft, Industrie- und Handelskammer und unserer Zeitung.

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