Fotos: Rainer Ickler

Babyboom im 390-Seelen-Dorf Dalherda – dreimal so viel Nachwuchs wie im Bundesschnitt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Gersfeld - Einen Babyboom hat in diesem Jahr Dalherda zu verzeichnen. Dort sind bislang zehn Kinder auf die Welt gekommen. Zählt man noch die Familie Irgel mit Tochter Mathea dazu, die 2020 von Steinau in den Gersfelder Stadtteil umzieht, dann sind es sogar elf kleine Erdenbürger Jahrgang 2019 in dem 390-Seelen-Dorf.

Von unserem Redaktionsmitglied Rainer Ickler

„Das ist natürlich toll für uns“, sagt Ortsvorsteher Rolf Banik. Er betont aber, dass es wesentlich mehr Geburten als zuvor seien. „In den Vorjahren waren es immer so drei bis vier.“ Das ist in etwa der Bundesschnitt. Pro 105 Einwohner wird ein Kind geboren. In Dalherda ist es in diesem Jahr das Dreifache.

Die Mütter der elf Kinder treffen sich regelmäßig im evangelischen Gemeindehaus. Schließlich gebe es ja viel zu bereden und man könne sich gut austauschen, teilweise voneinander lernen oder Tipps bekommen, erklärt Kristina Birkholz. Da gibt es viele Fragen, die geklärt werden können.

Grundschule freut sich

Nach der Ausbildung zur Kinderkrankenschwester in Gießen genießt Birkholz die Ruhe im Dorf. Das ist es auch, was Heiko und Rebecca Schneidereit schätzen. Die beiden haben mit den Zwillingen Emma und Rosa zum Boom beigetragen. Heiko, selbst in Dalherda groß geworden, sagt scherzhaft: „Wenn ich im Lotto gewinne, würde ich einen Kindergarten in Dalherda bauen.“

Den gab es sogar – bis 2007. Doch weil die Kinderzahl abnahm, wurde er geschlossen. Jetzt müssen sich die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder nach Hettenhausen oder Schmalnau in die Betreuung geben sollen. Auf jeden Fall bereiten die vielen Geburten angesichts der Engpässe in den Kitas Probleme.

„Das Dorf ist wie eine Familie“

Die Grundschule in Schmalnau, die die Dalherdaer Kinder besuchen werden, hingegen freut sich. Dort ist Platz genug. „Die Kinder werden zusammen in die Schule gehen, viele in eine Klasse“, freut sich Daniela Günter, Mutter von Linus. Sie lobt die Gemeinschaft in Dalherda. „Das Dorf ist wie eine Familie.“

Das ist auch etwas, was Jenny Seybold gut findet. Sie stammt aus Gersfeld, ist aber mit ihren vier Kindern in Dalherda richtig glücklich. „Der Spielplatz und das Schwimmbad sind mitten im Dorf, der Bus fährt zur Schule und die Kinder können draußen spielen“, erklärt die Mutter. Sie nimmt mit ihrem Jüngsten, Jannes, gerne das Angebot im Gemeindehaus zum Austausch an.

Einwohnerzahl wächst

Die Mütter loben die gute Gemeinschaft in dem Gersfelder Stadtteil. Das ist es auch, warum Sarah und Christian Irgel nach Dalherda ziehen. Noch wohnen sie in Petersberg-Steinau. Doch im kommenden Jahr bauen sie in Christians Heimatort. Seine Frau Sarah schätzt das gute Miteinander im Ort. Sie fühlt sich mit Jonah und der erst zwei Wochen alten Mathea schon pudelwohl unter den Dalherdaer Müttern.

Der Gersfelder Stadtteil verzeichnet aber nicht nur einen Kinderboom, auch die Einwohnerzahl nimmt seit geraumer Zeit zu. Banik berichtet von Prognosen aus dem Jahr 2011, wonach in Dalherda im Jahr 2019 nur noch 330 Bürger wohnen sollten. Tatsächlich sind es aber 391.

Für Ortsvorsteher Banik auch ein Anreiz nachzufragen, ob die Stadt Gersfeld nicht Bauplätze ausweisen will. „Wir haben vier bis sechs Nachfragen pro Jahr“, sagt er. Wenn noch mehr junge Familien kommen, könnte es bald wieder einen Baby-Boom geben.

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