Der Angeklagte ließ am Mittwoch seine Angaben zur Tat verlesen.
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Der Angeklagte ließ am Mittwoch seine Angaben zur Tat verlesen.

Tödlicher Streit

„Sie sollte nur leise sein“ - Angeklagter äußert sich im Totschlag-Prozess zum ersten Mal

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Bisher hatte er stets geschwiegen. Am Mittwoch äußerte sich der 27 Jahre alte Angeklagte, der seine Ehefrau in Bad Salzschlirf erwürgt haben soll, erstmals vor Gericht.

  • Im Totschlag-Prozess vor dem Landgericht Fulda äußerte sich erstmals der Angeklagte. Verteidiger Medeni Kurt las seine Aussage vor.
  • Der 27-Jährige, dem vorgeworfen wird, seine gleichaltrige Frau erwürgt zu haben, sagte, dass er seine Frau nicht verletzen oder gar töten wollte. Deshalb fordert er eine milde Strafe.
  • Nach Angaben des Angeklagten wollte seine Frau die Scheidung, und dann sei in der Wohnung in Bad Salzschlirf ein Streit über die Frage, bei wem die Kinder bleiben, entflammt.

Fulda - Seit Februar muss sich der Angeklagte wegen Totschlags vor dem Landgericht in Fulda verantworten. Er soll seine Ehefrau in einer Wohnung in Bad Salzschlirf so lange gewürgt haben, bis sie ohnmächtig wurde.

Sie starb zwei Tage später im Krankenhaus. „Ich wollte nicht, dass das passiert“, erklärte der Beschuldigte nun. Dabei sprach er nicht selbst: Seine Aussage wurde von Verteidiger Medeni Kurt verlesen. Er habe er sie nicht verletzen oder gar töten wollen. „Sie sollte nur nicht mehr schreien.“ 

Verfolgung am Bahnhof Frankfurt

In seinen Angaben schildert der Angeklagte, wie er sich am Tag zuvor Sorgen um seine Frau gemacht habe, die verschwunden war und auf seine Anrufe nicht reagierte: „Sie hat meine Liebe gar nicht mehr erwidert.“ Er erfuhr, dass sie unterwegs zu Bekannten war und reiste ihr mit einem Freund hinterher.

Am Bahnhof in Frankfurt sah er sie von Weitem mit einem der beiden gemeinsamen Söhne und einem anderen Mann. Er nahm ein Video auf – und wurde von Polizisten gefragt, was er da eigentlich mache. Diese hätten ihn aber schnell wieder in Ruhe gelassen.

Scheidungswunsch in Bad Salzschlirf „ein Schock“

Die Eheleute telefonierten dann miteinander, als die Frau schon im Zug saß. Sie habe ihn gebeten, nach Bad Salzschlirf zu kommen, um reden zu können. Dort saß man zunächst in einer größeren Runde mit den Bekannten zusammen, als seine Ehefrau erklärt habe, sich scheiden lassen zu wollen.

„Das war für alle ein Schock“, verlas der Rechtsanwalt. Um ungestört reden zu können, seien beide in ein Nebenzimmer gegangen, wo sie ihren Trennungswunsch bestätigt habe. „Sie hat das ohne Scheu und unbekümmert gesagt, als ob ich ihr gar nicht nah wäre.“

Bei wem bleiben die Kinder? War der Streit darüber der Auslöser für die Tat?

Sie habe betont, nur noch das zu machen, was sie wolle – und sie habe erklärt, einen Geliebten zu haben: „Das war ein Schock, mir kamen die Tränen. Wir saßen drei Minuten lang da, ich habe gar nichts sagen können“, so die Erinnerung des Angeklagten. 

Dennoch sei er mit einer Scheidung einverstanden gewesen, habe allerdings darauf gepocht, dass die zwei kleinen Kinder bei ihm bleiben. Das habe sie nicht akzeptieren wollen. Sie habe ihn gewarnt, dass sie die Polizei rufen und behaupten werde, dass ihr Ehemann sie bedrohe. 

„Ich habe ihr an den Hals gepackt“

In diesem Moment scheint die handgreifliche Auseinandersetzung begonnen zu haben. „Ich habe sie geschubst und gefragt, ob sie keine Moral mehr hat“, gab der 27-Jährige an. Er habe ihren Mund zugehalten und gesagt, sie solle leise sein. „Sie hat mir in die Hand gebissen, ich habe ihr an den Hals gepackt.“

Dann sei sie ohnmächtig geworden. „Ich habe sofort aufgehört.“ Höchstens 15 Sekunden lang habe diese Szene gedauert, beteuert der Angeklagte. Er habe noch versucht, sie mit kühlem Wasser aufzuwecken. Am Montag hatte ein Rettungssanitäter und die behandelnden Ärzte von einer hoffnungslosen Situation für die 27-Jährige gesprochen. 

Chaos in Wohnung in Bad Salzschlirf

Schon im April hatte eine Sachverständige vor Gericht berichtet, dass das Opfer rasch das Bewusstsein verloren haben muss, nachdem es zu einem „heftigen kurzen Verschluss der Venen“ gekommen sei. Nachdem die Bekannten die leblose 27-Jährige entdeckten, habe er sich mit dem Sohn auf die Couch gesetzt.

„Alles wurde chaotisch“, heißt es in der Aussage weiter. Als Rettungssanitäter und Polizisten kamen, habe er immer noch geglaubt, seine Frau sei nur ohnmächtig. Erst Tage später habe er realisiert, dass sie nicht wieder aufwacht.

Angeklagter bittet Familie um Vergebung

„Ich verstehe nicht, warum das passiert ist. Und ich verstehe nicht, warum meine Frau mit so viel Verachtung mit mir gesprochen hat“, ließ er am MIttwoch verlesen. Er bat die Eltern des Opfers und die gemeinsamen Kinder um Vergebung.

Kurz ging die Einlassung auch auf die Lebensumstände des Mannes in seiner Heimat Irak ein. Dort sei er von seiner Stiefmutter misshandelt worden. Die Brandmale, die sie ihm mit einem heißen Löffel zugefügt habe, könne er dem Gericht zeigen. 

Am Freitag, um 9.30 Uhr, werden voraussichtlich zwei Gutachter ihre Einschätzungen vortragen.

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