Das Lichterfest – hier ein Foto aus der Zeit vor Corona – fand wegen der Pandemie zwar nicht statt. Illuminiert war der Kurort im vergangenen Jahr aber dennoch. Bad Salzschlirf
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Das Lichterfest – hier ein Foto aus Bad Salzschlirf vor Corona – fand wegen der Pandemie zwar nicht statt. Illuminiert war der Kurort im vergangenen Jahr aber dennoch.

Aus Pandemie gelernt

Bad Salzschlirf trotzt Corona: Tourismus dennoch stark gebeutelt - Minus von 51,2 Prozent bei Ankünften 2020

  • Marcus Lotz
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Die Corona-Pandemie hat Bad Salzschlirf schwer getroffen: Die Übernachtungszahlen sanken rapide, Kurgäste blieben weg, Betriebe mussten zeitweilig schließen. Doch nach einem Jahr Krise hat man im Kurort auch dazugelernt.

Bad Salzschlirf - Die Zahlen, die Bürgermeister Matthias Kübel (CDU) in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung präsentierte, sahen alles andere als gut aus: 22.016 Ankünfte wurden im Corona-Jahr 2020 in Bad Salzschlirf registriert – das ist ein Minus von 51,2 Prozent. Nicht viel besser sah die Entwicklung der Übernachtungszahlen aus: Hier zählte die Gemeinde 134.661 – was einem Rückgang von 36,5 Prozent entspricht. „Das ist eine sehr heftige Situation“, wie Kübel resümiert.

Auch Jörg Peters von der Touristik & Service GmbH (TuS) Bad Salzschlirf findet deutliche Worte: „So einen Einbruch der Zahlen habe ich noch nicht erlebt. 2020 ist auch aus touristischer Sicht kein Jahr, an das man sich gerne erinnert.“ Er merkt aber auch an: „Wir liegen mit unseren Zahlen ziemlich genau im Durchschnitt aller hessischen Kurorte.“ (Lesen Sie hier: Dramatischer Einbruch beim Tourismus im Kreis Fulda)

Bad Salzschlirf trotzt Corona: Gebeutelter Tourismus in der Kurstadt

Besonders bitter: Eigentlich war die Gemeinde in den vergangenen Jahren in Sachen Tourismus auf Wachstumskurs. „Bis 2020 haben wir stetig mehr Gäste in Bad Salzschlirf empfangen. Auch die Übernachtungszahl blieb immer ungefähr gleich oder nahm nur leicht ab. Insgesamt war der Trend eigentlich ganz positiv“, so Peters.

Dann kam Corona und stellte den Tourismus auf den Kopf: „Vorher hatten wir viele ältere Gäste und auch Reisegruppen, die sich gemeinsam organisierten. Dieser Markt ist im letzten Jahr eigentlich komplett weggebrochen. Die älteren Gäste waren sehr verunsichert.“

Gleichzeitig drängte eine andere Zielgruppe in den Kurort: „Wir haben mittlerweile ein wesentlich jüngeres Publikum: Pärchen auf Wellnessurlaub oder die eine kurze Flucht aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Bad Salzschlirf wagen“, erzählt Peters. „Auch Angebote, die draußen stattfinden oder die Gesundheit fördern oder erhalten sollen, sind über alle Generationen hinweg extrem gut angenommen worden.“

Eine „massive Nachfrage“ habe es etwa nach den gemeindeeigenen E-Bikes und Fahrrädern gegeben. „Obwohl die Fahrrad-Verleih-Saison kürzer war – wir konnten erst im Mai statt bereits im Frühjahr beginnen – haben wir wesentlich mehr Räder verliehen. Die Nachfrage war irre.“ Und auch Wanderungen seien gut angenommen worden. (Lesen Sie hier: Fulda und Künzell schneiden beim ADFC-Fahrradklimatest schlecht ab)

Bad Salzschlirf: Corona lässt Nachfrage nach E-Bikes massiv ansteigen

Das Tourismus-Management reagierte auf die Krise, wie Peters beschreibt: „Es ist uns gelungen, dem Sommer ein bisschen Leben einzuhauchen: Wir hatten den Lichtersommer, Livemusik im Kurpark, Kleinkunst, Seiltänzer zwischen den Bäumen des Kurparks und einige wirklich sehr schöne, laue Sommertage.“ Auch der Minigolfplatz sei „wahnsinnig gut frequentiert“ gewesen: „Das sind so kleine Fluchten, die die Menschen gesucht haben: Statt wegzufliegen, sind die Leute mit dem Rad hierher gekommen, waren Minigolf spielen und Eis essen. Auch Menschen aus den Ballungszentren haben solche Angebote genutzt, um mal rauszukommen.“

Auch das Kulturkonzept sei angepasst und auf Open Air im Kurpark ausgerichtet worden. „Wir werden schauen, ob wir das mit unseren Partnern und den Gastronomen wieder stattfinden lassen. Eventuell kommen wir auch für ein Förderprogramm für Open Air infrage“, wie Peters erläutert.

Der Bereich der Wanderwege sei zunehmend digitalisiert worden. „Bei den Kräuterwanderungen, die sehr gut nachgefragt werden, haben wir die Taktung verdoppelt. Auch weitere geführte Wanderungen versuchen wir verstärkt anzubieten.“

Gäste kommen für Minigolf und Eis essen nach Bad Salzschlirf

Auch 2021 werde weiterhin von der Pandemie geprägt sein, da ist sich Peters sicher: „Wir gehen davon aus, dass auch in diesem Jahr in Innenbereichen nicht so viel möglich sein wird und dass die Leute das auch nicht unbedingt wollen.“

Dennoch sei die Gemeinde gut aufgestellt – auch, weil man aus der Pandemie gelernt habe: „Wir wissen jetzt, dass wir schnell und spontan auch größere Veranstaltungen innerhalb weniger Tage organisieren können. Zu Beginn der Pandemie waren wir noch unsicher, aber jetzt wissen wir, wie so ein Konzept funktionieren kann.“

Für die Zukunft gelte laut dem Tourismus-Experten, trotz der Pandemie den Mut nicht zu verlieren. „Wir hoffen, dass alle Leistungsträger vor Ort durchhalten. Bisher ist das so. Diese riesige Durststrecke ist für Hotels und die Gastronomie eine Mammutaufgabe. Da kann man nur auf einen sehr schönen Sommer hoffen.“

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