Hoffnungslose Situation

Jetzt sprechen im Totschlag-Prozess ein Rettungssanitäter und die behandelnden Ärzte

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
    schließen

Der Prozess gegen einen 27-Jährigen, der im August 2019 in Bad Salzschlirf seine Ehefrau erwürgt haben soll, ist Montag am Landgericht fortgesetzt worden. Diesmal sprachen die Rettungssanitäter und behandelnden Ärzte des Opfers.

Im Prozess wegen Totschlags sagten jetzt Ärzte und Rettungssanitäter aus.
  • Im Prozess wegen Totschlags an einer 27 Jahre alten Frau in Bad Salsschlirf sagten am Montag nun vor dem Landgericht Fulda Ärzte und Rettungssanitäter aus.
  • Vor Gericht wurde am Montag deutlich, dass die Mediziner kaum Hoffnung hatten, das Opfer retten zu können.
  • Die Frau hatte zunächst noch wiederbelebt werden können, starb aber zwei Tage später im Klinikum Fulda.

Fulda/Bad Salzschlirf - Ein Rettungssanitäter berichtete Montag von seinen Eindrücken von damals: von der Situation, von der Wohnung und von der Frau, die offensichtlich einen Herzkreislaufstillstand erlitten hatte. Sie habe in einer „unnatürlichen Liegeposition“ im Bett gelegen: ganz gerade und mit den Armen nah am Körper.

Diese Schilderung präzisierte er am Montag: „Es war, als wenn jemand sie ins Bett gelegt hätte, bevor der Bestatter kommt.“ Er habe damals leichte Hämatome am Hals gesehen, Kampfspuren in dem sehr ordentlichen Zimmer habe er aber nicht wahrgenommen, erklärte er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Josef Richter.

Wiederbelebungsmaßnahmen dauerten 19 Minuten

19 Minuten lang dauerten die Wiederbelebungsmaßnahmen, dann sprang das Herz der 27-Jährigen wieder an. Das sei ungewöhnlich lange für einen Menschen in diesem Alter, berichtete ein Arzt, der die Patientin am nächsten Tag im Klinikum behandelt hatte. Dies deute auf einen langen Sauerstoffmangel und eine „lange Liegedauer“ hin.

Etwas ausführlicher sprach ein Notarzt über die Reanimation. Er war einige Minuten nach dem Rettungsdienst gekommen und mit dem Hubschrauber in unmittelbarer Nähe des Tatorts gelandet. Die Frau sei unter anderem intubiert worden, um ihre Atmung wieder in Gang zu bekommen.

Petechiale Einblutungen in den Augen

Tatsächlich sei schließlich CO² gemessen und beidseitig Atemgeräusche festgestellt worden. Auch er habe eine „diskrete Schwellung am Hals“ festgestellt, aber ansonsten keine offensichtlichen Verletzungen. 

Ein Arzt, der die junge Frau auf der Intensivstation behandelt hatte, nachdem sie den Schockraum verlassen hatte, schilderte eindrücklich die Hoffnungslosigkeit der Mediziner: „Nach der Computertomographie war klar, dass das Gehirn geschädigt war.“ Auch petechiale Einblutungen in den Augen habe er feststellen können. Diese seien ein „Ausdruck einer Form von Würgen“.

Deutliche „Hirnveränderungen“

Ihre Prognose sei nicht gut gewesen. Auch am nächsten Tag hätten weitere Untersuchungen ergeben, dass die Frau deutliche „Hirnveränderungen“ davon getragen habe. Den Hirndruck habe man nur schwer bekämpfen können, ihre Herzfunktion sei schlecht gewesen, und auch Impulse an Händen und Füßen seien nicht mehr im Hirnstamm angekommen.

„Es gab keinen Ansatz für eine Therapie“, so der Arzt. Nach Gesprächen mit Angehörigen sei die Behandlung schließlich beendet worden; die 27-Jährige starb zwei Tage nach der Tat im Beisein ihrer Verwandten. 

Wann sagt der Angeklagte erstmals aus?

Weiterhin wurde am Montag unter anderem ein Arzt als Zeuge befragt, der den Angeklagten noch am Tatabend untersucht hatte, um die „Gewahrsamsfähigkeit“ zu prüfen. Diese sei gegeben gewesen. „Sein Verhalten war beherrscht, seine Stimmung unauffällig“, erklärte er. 

Der Angeklagte wird beschuldigt, seine Ehefrau erwürgt zu haben. Beide lebten zuletzt in Lebach im Saarland; die Ehefrau war in Bad Salzschlirf zu Besuch bei Verwandten gewesen. Die Anklage lautet auf Totschlag. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 17. Juni, um 10 Uhr fortgesetzt.

Dann könnte zum ersten Mal auch der Angeklagte selbst aussagen. Am 8. Juli 2020 wurde das Urteil gesprochen. Der 27-jährige wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema