Anna-Lena Gilbert erblickt New York von oben.
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Anna-Lena Gilbert erblickt New York von oben.

College-Stipendium

Von Batten nach New York: Dank ihres Fußballtalents studiert Anna-Lena Gilbert in Manhattan

  • Johannes Götze
    vonJohannes Götze
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Etwas zwiegespalten wird Anna-Lena Gilbert den heutigen Montag verleben. Mehr als 6000 Kilometer von ihrer Heimat, der Rhön, ihrer Familie und ihren Freunden entfernt feiert sie ihren 21. Geburtstag. Ein in ihrer neuen Heimat ganz besonderer Geburtstag.

New York/Batten - Denn zwar gilt man in den allermeisten Bundesstaaten der USA mittlerweile mit 18 als volljährig, doch beispielsweise darf Alkohol erst mit 21 Jahren erworben werden. Allerdings wird Anna-Lena Gilbert heute nicht den nächsten Store aufsuchen und sich mit Sekt eindecken. Alkohol ist strikt verboten. Einerseits verbietet das College den Konsum, andererseits der Fußballverband. Gilbert wird sich daran halten.

Und Gilbert kann das verschmerzen. Die Battenerin (Landkreis Fulda) hat gelernt, kleinere Übel in Kauf zu nehmen, um ihren großen Traum zu leben. Ein Studium in den USA, das sie nach Möglichkeit von Anfang bis Ende in Manhattan durchziehen möchte. Dreimal müsste dafür das immer für ein Jahr gültige Stipendium verlängert werden. Ergo: Die Leistungen müssen stimmen – und zwar nicht nur die Noten.

Von Batten nach New York: Dank ihres Fußballtalents studiert Anna-Lena Gilbert in Manhattan

Denn Gilbert ist glückliche Sport-Stipendiatin. Dass es dazu kam, verdankt sie ihrem Fußballtalent, einer aufmerksamen Agentur und ihrem Mut, den Schritt in die Staaten zu wagen – mitten in der Corona-Krise. Eine deutsche Agentur fahndet nach deutschen Sportlern, die für ein solches Stipendiat infrage kommen. Dabei wurde die Agentur auf Gilbert aufmerksam und rannte offene Türen ein. Gilbert beschäftigte sich, so erzählt sie, ohnehin damit, im Rahmen ihres noch nicht begonnenen Studiums ein Auslandsjahr zu absolvieren. Nun bot sich die Chance, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Gilbert packte energisch zu.

Bisherige Stationen

Anna-Lena Gilbert gehört zu den Fußballerinnen, die lange „zweigleisig“ fuhren. Zunächst spielte sie mit den Jungen des TSV Hilders, anschließend schloss sie sich dem FV Horas an und spielte für den Fuldaer Stadtteilverein bis 2016.

Doch parallel spielte die Battenerin für verschiedene Mädchenmannschaften. Zunächst für den FSV Schwarzbach, anschließend für den osthessischen Primus Gläserzell und schließlich zwei Jahre bis 2016 für den 1. FFC Frankfurt.

Für die seit heute 21-Jährige folgte ein neuerliches, diesmal nur einjähriges Intermezzo beim SV Gläserzell, bevor sie sich 2017 Pilgerzell anschloss. Mit dem Team stieg Gilbert im Frauenfußball in die Hessenliga auf. Im Oktober siedelte sie in die Staaten über und ist für das Nyack College in Manhattan aktiv – und wartet auf den ersten Einsatz.

Business Administration nennt sich ihr begonnener Studiengang, der, falls sie ihn in den USA beenden will, rund vier Jahre dauern wird. Parallel dazu spielt sie unter beinahe professionellen Bedingungen Fußball. Wobei spielen zumindest noch das falsche Verb ist. Corona ließ bisher einzig Training zu. Training unter besonderen Bedingungen. Gilbert trainiert mit dem multinationalen Kader, dem acht weitere Deutsche angehören, mit Maske. Ausschließlich mit Maske. Selbst joggen an der frischen Luft ist nicht ohne den Schutz möglich. Das College erlaubt das Ausziehen einzig in den eigenen vier Wänden.

Anna-Lena Gilbert wartet in New York auf den Start der Fußballsaison

Diese befinden sich in Jersey-City. Dort befindet sich Gilberts Wohnheim. Nur wenige Minuten von Manhattan und damit dem College entfernt. Steht sie morgens auf, kann sie einen Blick auf die New Yorker Skyline werfen. Wie im Urlaub. Dort anzukommen war nach der wegen der Pandemie erst am seidenen Faden hängenden und dann verzögerten Anreise das zweite kleinere Übel. Denn die Räumlichkeiten im Wohnheim waren bei Ankunft nicht bezugsfertig. Gilbert wohnte zunächst im Hotel – und versuchte parallel ihre mitgebrachten Knieprobleme in den Griff zu bekommen. Noch so ein kleines Übel.

Doch seit November sind diese Startschwierigkeiten ausgestanden. Das College-Leben gefällt ihr mehr und mehr. Das erste Semester hat sie erfolgreich hinter sich bringen können. Weil die vielen Spiele wegfielen – und damit teils weite Reisen – konnte sich Gilbert auf das Studium konzentrieren. Dass es alsbald stressiger wird, hofft Gilbert von ganzem Herzen. Dies würde bedeuten, dass Fußball gespielt werden darf. Während die Basketballer des Colleges bereits Ende Januar starten sollen, hoffen die Fußballer, im März zu beginnen.

Video: Die Fußballer von Nyack spielen um die 2009 CACC Men‘s Soccer Championship

Dann will sich Gilbert beweisen – und durchsetzen. Besonders im Mittelfeld, ihrer fußballerischen Wohlfühlzone, sei das Team stark aufgestellt. Gelingt die Symbiose zwischen fußballerischen Leistungen und Studium gut, will sie in den USA heimisch werden – mindestens bis das Studium abgeschlossen ist.

Und ist die Pandemie überstanden, will Anna-Lena Gilbert das Leben in New York genießen. Aktuell sind die Straßen wie leergefegt, sagt sie – und ist dennoch begeistert. Einmal flog sie bereits mit dem Helikopter über die Stadt. „Amazing“ sagt sie. Ein bisschen Touristen-Dasein ist gar in der neuen Heimat gestattet.

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