Vogelsberger Landwirte sind mit Traktoren 11 Stunden nach Bonn gefahren, um am Protest teilzunehmen. / Fotos: Fuldamedia, Philipp Weitzel, Walter Kreuzer

Bauernprotest: Auch Fuldaer und Vogelsberger Landwirte dabei

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Bonn/Region - Traktoren auf den Straßen und grüne Kreuze auf Wiesen: Tausende Bauern protestieren im Moment gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Auch Landwirte aus der Region machen mit.

Eine Art stiller Protest drückt sich durch grüne Kreuze aus. Auch in Osthessen stehen auf Wiesen und Feldern große Holzkreuze. Landwirte wollen damit auf ihre Nöte aufmerksam machen. Inzwischen wird die Zahl der grünen Kreuze bundesweit auf mehr als 10.000 geschätzt.

Außerdem findet am Dienstag in Bonn eine große Demonstration statt: Aus dem Vogelsberg beispielsweise sind es knapp 50 Landwirte, die mit ihren Traktoren nach Bonn gefahren sind.

11 Stunden nach Bonn gefahren

Sie waren um Mitternacht gestartet und nach fast elf Stunden Fahrt angekommen. Auch in Fulda waren Bauern in der Nacht auf Dienstag nach Bonn gefahren. Fast der gesamte Verkehr kam dort am Dienstagmittag aufgrund der Traktor-Kolonne zum Erliegen gekommen.

Insgesamt werden 8000 bis 10.000 Landwirte mit rund 800 Traktoren in Bonn erwartet.

Ministerinnen äußern sich

Agrarministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte vor Beginn der Proteste Verständnis für die Sorgen der Bauern. Zugleich wies die stellvertretende CDU-Chefin auf nötige Veränderungen in der Landwirtschaft hin.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mahnte unterdessen mehr Schutz für Insekten in der Landwirtschaft an. Zur Begründung nannte sie den zahlenmäßigen Rückgang bei Feldvögeln.

Protest gegen Agrarpaket

Zu der Protestaktion in Bonn sagt Dr. Hubert Beier vom Kreisverband Fulda-Hünfeld: „Wir unterstützen das positiv. Es geht um das Agrarpaket der Regierung. Dagegen entwickelt sich Widerstand der Bauernschaft.“

Kreisbauernverband sieht Probleme

Beier sieht angesichts der Pläne der Bundesregierung ein Preisproblem auf die Landwirtschaft zukommen. Er nennt die geplanten Umweltschutzauflagen bei der Agrarförderung, bezieht sich aber vor allem auf das vorgesehene Verbot von Pflanzenschutzmitteln „in allen Schutzgebieten“. Das betreffe Vogelschutz- und FFH-Gebiete, eventuell auch Biosphärengebiete.

Beier: „Wenn das so kommt, wäre das ein harter Einschnitt. In fast der ganzen östlichen Hälfte des Landkreises dürften Landwirte dann keine Pflanzenschutzmittel anwenden. Ich frage mich, ob sich die Politiker vorher Gedanken über die Auswirkungen gemacht haben. Oder ging es nur um einen Deal zwischen den Ministerien?“

„Ertragsminderung um 30 Prozent“

In der Praxis würde nach seiner Einschätzung ein solches Verbot „eine Ertragsminderung um etwa 30 Prozent“ bedeuten: „Dann braucht man entsprechend höhere Preise. Ich habe nur Bedenken, dass ein solcher Preis durchsetzbar wäre.“ / kw, dpa

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