Die Theologin Beate Gilles aus dem Bistum Limburg wurde zur neuen Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.
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Die Theologin Beate Gilles aus dem Bistum Limburg wurde zur neuen Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz gewählt.

Premiere

Beate Gilles: Das ist die neue Spitzenfrau bei der Bischofskonferenz - „Ich bin Ausdauersportlerin“

Mit Beate Gilles wird erstmals eine Frau Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Die Theologin aus dem Bistum Limburg wurde auf der am Dienstag begonnenen und dieses Mal digital abgehaltenen Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe, die sonst in Fulda stattfindet, gewählt.

Der Vorgänger von Beate Gilles, Pater Hans Langendörfer, war nach 24 Jahren in den Ruhestand getreten. Die 50-jährige Gilles war zuvor Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie im Bistum Limburg. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, äußerte sich erfreut über das positive Votum der Vollversammlung. „Ich sehe das als starkes Zeichen, dass die Bischöfe ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern.“

Beate Gilles: Das ist die neue Spitzenfrau bei der Bischofskonferenz - „Ich bin Ausdauersportlerin“

Gilles sagte, sie freue sich auf die neue Aufgabe. „Es ist gerade eine herausfordernde, aber auch spannende Phase für die katholische Kirche in Deutschland.“ Mit dem Reformprozess Synodaler Weg habe etwas Neues begonnen. Auf die Frage, ob sie sich als Feministin sehe und sich mit den Forderungen der Reformbewegung Maria 2.0 solidarisiere, wollte Beate Gilles indes doch nicht mit einem klaren „Ja“ antworten.

Nach einem kurzen Glucksen kam als Antwort: „Also, ich bin eine selbstbewusste Frau und bin als diese schon sehr, sehr lange in der katholischen Kirche unterwegs.“ Maria 2.0 hatte am Sonntag in mehreren Regionen Deutschlands Reformforderungen an Kirchentüren befestigt. Vieles davon sei auch ihr ein Anliegen, sagte Gilles. „Maria 2.0, das ist in der Mitte der Kirche. Das sind die Frauen, die unsere Kirche tragen.“

Mit Gilles wird erstmals eine Frau Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Das Amt war in den letzten 24 Jahren von dem hoch angesehenen Pater Hans Langendörfer ausgefüllt worden. Jetzt musste es eine Frau werden, das war von Anfang an klar. Schließlich ist die systematische Diskriminierung von Frauen, die weder Priester noch Bischof werden können, das derzeit vielleicht größte Problem der katholischen Kirche in Deutschland. Künftig muss sich Gilles gegenüber 68 männlichen Bischöfen behaupten.

Zumindest einen davon kennt sie schon gut, und er ist kein Mann zum Fürchten: Georg Bätzing, der stets verbindliche Vorsitzende der Bischofskonferenz. In seinem Bistum Limburg ist Gilles bisher Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie mit mehr als 200 Mitarbeitern gewesen. Davor war sie Leiterin des Katholischen Bildungswerks in Stuttgart. Die 50-Jährige stammt aus Hückeswagen im Bergischen Land, studierte katholische Religion und Deutsch an der Universität Bonn und war danach sowohl wissenschaftlich als auch - beim ZDF - journalistisch tätig.

Bätzing bescheinigte der neuen Spitzenfrau am Dienstag noch einmal der Reihe nach, was sie für den neuen Job qualifiziert: „Sie sind theologisch versiert als promovierte Theologin. Sie sind leitungserfahren. Sie sind kommunikativ. Sie sind offen für Innovation. Und nicht zuletzt sind Sie wirklich persönlich, kirchlich loyal. Und: rheinisch-katholisch und humorvoll.“

Auf Gilles lastet jetzt großer Erwartungsdruck. Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich mitten in einem Reformprozess, dem Synodalen Weg, von dessen Ergebnissen viele Gläubige abhängig machen, ob sie der Kirche noch eine Chance geben oder austreten. Zumindest sei es gerade eine sehr spannende Zeit, findet Gilles. „Mit dem Synodalen Weg hat etwas Neues begonnen.“ Bewusst sei ihr, „dass ich sehr schnell Fahrt aufnehmen muss“.

Gilles ist nicht das, was man sich vielleicht klischeemäßig unter einer guten Katholikin vorstellt. Ob sie etwas Privates über sich verraten könne, wurde sie bei ihrer Vorstellung zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Bonn gefragt. „Verheiratet, Kinder, Hobbys?“ Erneutes Glucksen: „Ich bin nicht verheiratet, habe keine Kinder“, gleichwohl sei sie unter anderem mit Nichten und Neffen familiär gut eingebunden. „Eine Leidenschaft von mir ist, glaube ich, auch für diesen Beruf nicht ganz unwesentlich: Ich hab einen langen Atem, bin Ausdauersportlerin.“ (dpa, sar)

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