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Bedrohte Existenzen und ungeduldige Kunden: Corona setzt Friseure unter Druck

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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FULDA - Während kommende Woche kleinere Geschäfte wieder öffnen dürfen, bleiben Friseure noch bis zum 3. Mai geschlossen. Bei der Kundschaft regt sich Ungeduld, wie heimische Friseure berichten. Manche Kunden seien regelrecht rabiat und zeigten wenig Verständnis für die strengen Coronaregeln.

Von unserem Redaktionsmitglied Marius Scherf

Gabi Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft, wird in letzter Zeit von ihren Haare schneidenden Mitgliedsbetrieben öfter auf ein Dilemma aufmerksam gemacht. „Seit die Friseure in Hessen vor vier Wochen schließen mussten, berichten Betriebe von Anfragen ihrer Kunden, sich über das Verbot hinwegzusetzen und die Haare zu schneiden.“ Scheinbar würden viele erwarten, dass ein Friseur einfach nach Hause kommen könnte. „Mit solchen Forderungen gefährdet man aber nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die des Friseurs. Man riskiert, dass die Sperren weiter nach hinten verschoben werden“, so Leipold.

Eine Umfrage unter heimischen Friseuren zeigt: Das Handwerk befindet sich in einer schwierigen Situation – nicht nur wirtschaftlich. „Seit Wochen schlafe ich nicht mehr richtig“, berichtet etwa Eva-Maria Kühner, die einen Salon in Eichenzell betreibt. Als die 58-Jährige vor einigen Wochen ihre Kunden informierte, dass sie wegen der Coronakrise wahrscheinlich vorübergehend schließen müsse, habe es ungewöhnliche Reaktionen gegeben. „Ich wurde ausgelacht dafür, dass ich ankündigte, zumachen zu müssen.“ Offenbar sei manchen Kunden der Ernst der Lage nicht bewusst. Zum Druck, den Kunden ausübten, kämen die wirtschaftlichen Probleme. „Die Kosten laufen weiter, ich muss sowohl für meinen Lebensunterhalt als auch für mein Geschäft aufkommen.“

Mit wachsender Unzufriedenheit konfrontiert

Dass Kunden zum Teil mit erheblichen Unverständnis reagieren, weiß auch Stefanie Biedenbach (53), Friseurin in Hünfeld, zu berichten: „Ich wurde schon von Kunden angesprochen, die wollten, dass ich zu ihnen nach Hause komme und ihnen die Haare mache.“ Jürgen Ressel von der „Cutting Crew“ pflichtet ihr bei: „Wir sind mit einer wachsenden Unzufriedenheit unserer Kunden konfrontiert und merken auch, dass sie Druck ausüben.“

Dass die Geschäfte erst am 4. Mai wieder öffnen dürfen, hält Ressel definitiv für zu spät: „Weitere 14 Tage geschlossen zu haben, das ist einfach zu lange“, sagt er. Ressel und seine Crew seien bereit, sofort wieder aufzumachen: „Wir verfügen über Masken und Desinfektionsmittel“, erklärt er. Geschäftlich sei die andauernde Schließung katastrophal. Um die Firma am Leben zu erhalten, müsse er zusätzliche Darlehen aufnehmen und um Stundung der Mieten bitten. „Wir konnten uns mit unserem Energiedienstleister darauf einigen, unsere Warmkosten auf 20 Prozent runterzufahren“, sagt Ressel. Auch das helfe. Dagegen seien „die Soforthilfen, die wir bisher erhalten haben, doch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein“.

„Es entspricht nicht unserem Kodex, in dieser Situation Haare zu schneiden“

Auch aus Sicht von Timo Zimmermann (46), Inhaber des Fuldaer Salons „Unity Hair“, spräche nichts gegen eine sofortige Wiederöffnung. „Wir wären in der Lage, die nötigen hygienischen Maßnahmen zu treffen, etwa durch räumliche Trennungen.“ Zimmermann appelliert nun an die Kunden, noch etwas Geduld zu haben und dann wieder den Friseur des Vertrauens zu unterstützen. Auf Wünsche von ungeduldiger Kundschaft, „schwarz“ zu frisieren, geht Zimmermann gar nicht erst ein: „Es entspricht nicht unserem Kodex, in dieser Situation Haare zu schneiden.“ Von den möglichen gesundheitlichen Folgen abgesehen: Bei Missachtung der derzeitigen Regeln drohen Friseuren laut aktuellem Bußgeldkatalog Strafen von 5000 Euro und mehr.

„Es ist gut, dass wir im Mai wieder aufmachen dürfen, wir müssen ja weitermachen“, sagt der Stellvertretende Obermeister der Fuldaer Friseurinnung, Stefan Otterbein (56). Aber auch dann wird nicht jeder sofort drankommen. „Eigentlich sind wir jetzt schon ausgebucht, zahlreiche Termine wurden schon gemacht. Ganz so einfach wird es dann nicht. Auch dass wir dann wahrscheinlich mit Mundschutz arbeiten müssen, ist eine völlig neue Situation. Für uns und die Kunden kommt die Gesundheit an erster Stelle, aber ich freue mich richtig darauf, bald wieder Haare schneiden und färben zu können“, sagt der Friseurmeister aus Großenlüder.

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