An Beerdigungen dürfen nun wieder mehr Personen teilnehmen - allerdings nur unter Einhaltung der Abstandsregeln.
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An Beerdigungen dürfen nun wieder mehr Personen teilnehmen - allerdings nur unter Einhaltung der Abstandsregeln.

Bewältigung eines Verlusts

Abschied mit Corona-Abstand: Beerdigungen wieder mit beliebig vielen Trauernden möglich

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Abschied von einer verstorbenen Person zu nehmen, ist ein wichtiger Akt der Trauerbewältigung. Lange war dies aufgrund der Einschränkungen durch das Coronavirus für viele nicht möglich. Mittlerweile dürfen wieder beliebig viele Trauergäste einer Beerdigung beiwohnen.

  • An Trauerfeiern dürfen wieder beliebig viele Trauernde teilnehmen.
  • Jedoch gelten weiterhin die durch das Coronavirus bedingten Abstandsregeln.
  • Um eine Infektionskette nachverfolgen zu können, müssen Teilnehmer einer Beerdigung weiterhin ihre Daten hinterlassen.

Region - „Durch die Beschränkungen zu Beginn der Pandemie ging ein Stück Menschlichkeit verloren“, bedauert Bastian Kummer von Pietät Kummer. Zwar haben die Betroffenen Einsicht und Verständnis für die Auflagen aufbringen können, die Trauerfeiern waren allerdings mit gewöhnlichen Beerdigungen nicht vergleichbar. Eine Umarmung am Grab, ein herzliches Beileid mit Handschlag: All das war und ist auch weiterhin nicht möglich. Dennoch hat sich seit Ausbruch des Virus einiges geändert. Statt der Personenbegrenzung in Höhe von zehn Menschen dürfen jetzt wieder beliebig viele eine Beerdigung besuchen. Auch darf die Trauerhalle wieder genutzt werden – alles natürlich unter Auflagen.

Mit Coronavirus-Regeln: Beerdigungen wieder mit beliebig vielen Trauenden möglich

„Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden. In der Trauerhalle dürfen zudem nur ein Drittel der Sitzplätze genutzt werden“, erklärt Kummer. Für Stadtpfarrer Stefan Buß sind diese Lockerungen sehr wichtig, schließlich sei eine Mentalität geschaffen worden, die nicht sein sollte. „Eine Beerdigung ist ein öffentlicher Akt, um sich zu verabschieden; sei es der beste Freund oder der Nachbar. Zu Beginn der Pandemie wurde dieser Abschied leider in einen sehr kleinen Kreis verlagert.“

In einem Fall konnten 15 Enkelkinder nicht von ihrer Oma Abschied nehmen, da ansonsten die Teilnehmerzahl von zehn Personen überschritten worden wäre. In solchen Situationen war Kreativität gefragt. „Ich habe mit ihnen im Freien unter Berücksichtigung der Abstandsregeln eine private Trauerfeier abgehalten“, erklärt Buß. Im Nachhinein sind die Enkelkinder alleine mit einem Gegenstand, den sie mit ihrer Großmutter verbunden hat, ans Grab geschritten und haben in dieser Form mit ihrer Oma Frieden geschlossen.

Trauer in Zeiten von Covid-19: Familie hilft bei der Bewältigung der Trauer

Eine dauerhafte Lösung war dies nicht, denn die bloße Anwesenheit von Familienmitgliedern oder Freunden tragen zur Trauerbewältigung bei, betont Kummer. Auch die Trauerbewältigung und seelsorgliche Arbeit litt und war „für Angehörige sehr belastend“, bedauert Buß. Jetzt sind immerhin wieder persönliche Trauergespräche möglich. „Gerade für Zurückgebliebene, die ihren Partner verloren haben, war diese Zeit sehr schwer.“ Sie gehören meistens der Risikogruppe an, sind durch die Pandemie isoliert und mussten dann ihre Trauer alleine bewältigen.

Um Trauer zu bewältigen, gibt es viele Möglichkeiten, wie Diözesenseelsorger Werner Gutheil aufzeigt.

Regeln

Trauerfeiern, Bestattungen und Totenmessen dürfen unter Berücksichtigung der Infektionsbestimmung stattfinden.

Eine Personenbegrenzung gibt es nicht mehr, der Mindestabstand von 1,5 Metern muss allerdings eingehalten werden.

Zudem müssen alle Teilnehmer ihren Namen, Adresse und Telefonnummer preisgeben, um eine mögliche Infektionskette zurückverfolgen zu können.

Auch darf wieder die Trauerhalle genutzt werden. Gegenstände, wie der Weihwasserstab, dürfen nach wie vor nicht weitergereicht werden.

„Ein persönliches Gespräch ist in solchen Fällen immens wichtig und nicht vergleichbar mit einem Telefonat“, verdeutlicht Buß. Die Erlaubnis, die Trauerhalle wieder nutzen zu können, die Personenbegrenzung aufgehoben zu haben und Totenmessen wieder stattfinden zu lassen sei zudem für Gläubige ein Schritt zur Normalität. Alles ist allerdings noch nicht erlaubt.

Trauernde müssen bei Beerdigungen ihre Daten zur Corona-Rückverfolgung hinterlassen

Wie beim Restaurantbesuch müssen sich die Trauergäste mit Name, Anschrift und Telefonnummer registrieren, um mögliche Infektionsketten nachverfolgen zu können. „Viele Angehörige verweisen bereits in der Traueranzeige, solche Zettel vorausgefüllt mitzubringen“, erklärt Kummer. Ansonsten stellen Bestattungsunternehmen Stifte und Zettel vorab bei der Beerdigung bereit. „Die Herausforderung bei der Erfassung der Daten liegt darin, dass sich keine langen Schlangen bilden. Deswegen bieten wir mehrere Stationen an“, ergänzt der Bestatter. Weiterhin dürfen Erde, Blumen und Weihwasser nicht am Grab stehen, beziehungsweise werden weggeräumt, nachdem der Pfarrer diese benutzt hat.

Auffällig ist indes, dass aktuell deutlich weniger Trauergäste an einer Beerdigung teilnehmen. Diesen Trend konnten sowohl Buß als auch Kummer beobachten. Einen möglichen Grund sehen die beiden darin, dass sich Menschen – gerade Ältere – noch Angst haben, sich unter mehrere Personen zu begeben.

Ende März hatte es in Hessen noch keine Beschränkungen der Teilnehmerzahl bei Beerdigungen gegeben. Dies änderte sich mit Fortschreiten der Corona-Pandemie allerdings.

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