Die Begeisterung fürs Skifahren könnte die vielen Covid-19-Fälle im Landkreis Fulda erklären. / Foto: usalexander - stock.adobe.com

Begeisterung fürs Skifahren Grund für die vielen Corona-Fälle in Fulda?

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Region - Gemessen an der Einwohnerzahl liegt der Landkreis Fulda in Hessen bei den bestätigten Covid-19-Infizierten im Vergleich weit vorn. Der Kreis hat 110 Infizierte – das ist der Stand am Mittwoch. Der Vogelsberg und der Main-Kinzig-Kreis liegen unter dem hessischen Schnitt.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Was treibt die Zahlen in Fulda so nach oben? „Ich kann nur spekulieren, warum Fulda so hohe Fallzahlen hat“, sagt Klinikum-Chef Dr. Thomas Menzel am Dienstag. „Zwei Gründe fallen mir ein: Zum einen sind es viele Rückkehrer aus Skigebieten, die betroffen sind. Der Fuldaer reist gern, es waren viele Gruppen unterwegs.“

Ein zweiter Grund könne sein, dass in Fulda viel getestet wird – zwischen 100 und 200 Personen am Tag – und die Tests in Fulda früh begannen.

Ski-Begeisterung der Osthessen

Der maßgebliche Grund für die hohen Zahlen dürfte tatsächlich die Ski-Begeisterung der Osthessen sein. Rund 80 Prozent der Infizierten im Kreis Fulda haben sich nach Angaben des Kreisgesundheitsamtes im Skiurlaub infiziert.

Nach Recherchen unserer Zeitung waren Anfang März mindestens drei Busunternehmen mit je einer Gruppe in Südtirol unterwegs.

Busreisen in Südtirol

Durch Zufall trafen sich die drei Busreisengruppen sogar vor Ort. Ein Zufall war auch der Termin. Die Gruppen brachen Anfang März auf. Damals gab es schon Nachrichten über Corona-Tote in der Lombardei, aber Südtirol galt noch als relativ sicher.

Allerdings packte eines der Reiseunternehmen doch schon vorsichtshalber Merkblätter im Bus ein – Merkblätter, die für den Fall an die Passagiere zu verteilen waren, dass ein Verdacht auf eine Covid-19-Infektion auftauchte.

Die Gefahr einer Infektion wurde dann größer. Am Donnerstag, 5. März, erklärte das Robert-Koch-Institut Südtirol zum Risikogebiet, am 6. März gab es einen verschärften Reisehinweis des Auswärtigen Amtes: Nicht erforderliche Reisen in diese Provinz sollten vermieden werden.

Reiserückkehrer aus diesem Gebiet wurden aufgefordert, zwei Wochen zu Hause zu bleiben und Kontakte zu anderen Personen zu vermeiden.

Wer im Urlaub und in Ferienstimmung ist, nimmt solche Hinweise nicht unbedingt wahr. Einem Busunternehmer wurde es während der Reise in Südtirol dennoch mulmig.

Als die Skifans am Morgen des Abreisetages, den 8. März, den Bus bestiegen, da fuhr der Bus nicht noch einmal – wie es geplant war – zu den Pisten, sondern er fuhr nach Hause – was bei einem Großteil der Passagiere zu heftigen Protesten führte.

Der Busunternehmer wollte das Risiko einer Infektion begrenzen. Tatsächlich hatten einige Teilnehmer das Virus aber schon in sich, wie sich später zeigte. Nur eine Reisegruppe blieb nach ihrer Rückkehr freiwillig zwei Wochen in häuslicher Quarantäne.

„Aufdeckungsrate in Fulda hoch“

Vizelandrat und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU) sieht einen Grund für Fuldas Werte darin, dass im Kreis mehr Fälle als anderswo aufgedeckt werden.

„Vom Dunkel- ins Hellfeld“

„Im Landkreis Fulda ist es dem Gesundheitsamt bislang gut gelungen, Infektionsketten relativ rasch zu verfolgen, aufzudecken und damit vom Dunkel- ins Hellfeld zu holen. Das heißt: Die ersten bestätigten Infektionen im Kreis waren Rückkehrer aus Südtirol, Italien und später Tirol. Deren Kontaktpersonen konnten überwiegend schnell ermittelt und zu einer häuslichen Quarantäne gebracht werden“, sagt Schmitt.

Bis vor wenigen Tagen habe der Kreis die meisten infizierten Personen der Erklärung „Skiurlaub in den Alpen“ zuordnen können. „Das heißt also: Ein frühes Aufspüren von Infektionsketten fördert die Aufdeckung weiterer Infektionsfälle, die dann isoliert werden können, bevor eine Vielzahl weiterer Menschen angesteckt wird“, berichtet der Dezernent.

1200 Corona-Tests im Landkreis Fulda

„Nach allem, was wir derzeit wissen, ist folgende Erklärung aus meiner Sicht überzeugend: In den vergangenen zwei Wochen sind insgesamt 1200 Tests im Landkreis Fulda durchgeführt worden. Das ist ein hoher Wert. Bundesweit werden derzeit pro 1000 Einwohner 1,9 Tests pro Woche durchgeführt.“

„Auf die Bevölkerung des Landkreises Fulda gerechnet wären dies 418 Tests. Aktuell werden im Landkreis Fulda jedoch circa 600 Tests pro Woche durchgeführt. Ich gehe davon aus, dass dies letztendlich mitentscheidend für die Unterbrechung der Infektionsketten und die hohe Aufdeckungsrate ist“, so Schmitt.

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