Hotelaufenthalt nur mit negativem Coronatest-Nachweis? Die Herbstferien werden für Urlauber aus Hotspots kompliziert. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa-tmn
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Hotelaufenthalt nur mit negativem Coronatest-Nachweis? Die Herbstferien werden für Urlauber aus Hotspots kompliziert.

Branche wegen Corona gebeutelt

Beherbergungsverbot: Osthessens Hoteliers üben harsche Kritik an Regelungen - „Nicht zielgerichtet“

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Die Hoteliers in Osthessen sind von den zunehmenden Auswirkungen des Beherbergungsverbots für Gäste aus Risikogebieten unterschiedlich stark betroffen. Einig sind sie sich in ihrer Kritik an den Regelungen.

Fulda/Hünfeld/Bad Soden-Salmünster - „Die Vorschriften sind recht schwammig, es gibt Grauzonen und es herrscht eine große Verunsicherung“, sagt der Geschäftsführer des Hotels Esperanto in Fulda, Martin Gremm. „Hessen dürfen innerhalb unseres Bundeslandes überall übernachten - auch wenn sie aus einem Risikogebiet kommen. Es ist kompliziert, das alles nachzuprüfen. Hier setze ich auch auf die Eigenverantwortung der Gäste. Es möchte ja niemand anreisen und sofort wieder abreisen müssen.“

Im Hotel Esperanto mit 326 Zimmern werden „mehr Stornierungen selbst bei Tagungen“ in Corona-Zeiten verzeichnet: „Es hält sich noch im Rahmen, da wir im Moment vorwiegend kleinere Tagungen haben. Aber keiner geht das Risiko ein, wenn die Teilnehmer aus ganz Deutschland kommen. Dann wird eher abgesagt. Wir empfehlen in diesen Fällen, Coronatests zu machen.“ Zu spüren bekommt das Hotel Esperanto die Situation bei den Touristen, nachdem Privatreisen in jüngster Zeit wieder angezogen hätten. Martin Gremm: „Das Problem ist, dass wir nicht planen können. Je mehr die Fallzahlen steigen, um so mehr Stornierungen kommen rein.“ Im Vergleich zum Vorjahr sei die Auslastung um etwa ein Drittel zurückgegangen.

Im Frühstücksraum des Konrad-Zuse-Hotels in Hünfeld wurden nicht alle Tische eingedeckt.

Kritik an Beherberungsverbot von Kai Gelhausen (Konrad-Zuse-Hotel): „Nirgends so sicher wie in Hotels“

Der geschäftsführende Gesellschafter des Hünfelder Konrad-Zuse-Hotels kritisiert das Beherbergungsverbot, „weil es touristische Reisen komplett untersagt. Und im Business-Bereich trifft es uns, weil eine riesige Unsicherheit besteht.“ Das Kernproblem dieser Verordnung sei, dass sie „nicht das Reisen verhindert. Die Leute versuchen nun privat unterzukommen. Das macht die Sache unkontrollierbar. Nirgends ist es so sicher wie in den Hotels.“

Video: „Nicht zielgerichtet, nicht effektiv“ - Es hagelt Kritik am Beherbergungsverbot

So werde die Branche kaputt gemacht. „Firmen planen keine Tagungen, weil sie nicht wissen, wie die Bundesländer, die Kreise, die Ordnungsämter und die Hotels sich verhalten. Diese Verordnung verhindert nur, dass die Branche eine Chance hat, Corona zu überleben“, sagt der Chef des Konrad-Zuse-Hotels in Hünfeld.

Im Vergleich zum Vorjahr fehlen in Corona-Zeiten etwa 50 Prozent Umsatz. Vor diesem Hintergrund sind Absagen wie jene, die Kai Gelhausen beispielhaft nennt, besonders schmerzhaft: „Kürzlich sind Gäste aus Remscheid, die vier Zimmer für zwei Nächte gebucht hatten, nicht angereist, weil kurz vorher der Inzidenzwert auf 50,3 gestiegen ist. Dadurch fehlt uns locker ein vierstelliger Betrag – und es ist häufiger passiert, dass Gäste nicht kommen.“

Kai Gelhausen (Konrad-Zuse-Hotel), Martin Gremm (Hotel Esperanto) und Bettina Betz (Landhotel Betz) haben sich zu den Regelungen des Beherbergungsverbots geäußert.

Das Hotel sei verantwortlich, dass es Gäste aus Risikogebieten nicht beherbergt. Kai Gelhausen sieht dabei ein weiteres Problem: „Wir können das nicht bei jedem Gast checken, da wir nicht alle Adressen haben. Diese bekommen wir oft erst bei der Anreise. Zudem sind wir ja nicht das Ordnungsamt. Das Problem bei der Verordnung ist, dass sie auf der gesundheitlichen Seite nichts bringt, aber auf der wirtschaftlichen Seite schadet.“

In Corona-Zeiten: Landhof Betz versucht Gästen hohes Sicherheitsgefühl zu vermitteln

„Die Anzahl der Risikogebiete stieg in den letzten Tagen stetig an. Die Gäste sind verunsichert, dadurch gehen die Buchungsanfragen tendenziell zurück beziehungsweise werden je nach Risikogebiet storniert. Wir versuchen deshalb den Gästen ein hohes Sicherheitsgefühl zu vermitteln und übererfüllen deshalb auch die hohen Hygieneanforderungen für unsere Gäste“, sagt Bettina Betz, Co-Chefin des Landhotels Betz in Bad Soden-Salmünster. „Außerdem erleichtern wir unseren Gästen die Umbuchung oder Stornierung, wenn sie stark verunsichert sind.“ Zur Kontrolle der Angaben anreisender Gäste wird in dem Hotel mit 65 Zimmern vom Gast eine „Eigenerklärung“ verlangt.

Doch nicht nur im Landhotel Betz ist die Corona-Krise spürbar, denn gut die Hälfte weniger Gäste kommen aktuell ins Kinzigtal. Vor einigen Wochen besuchte Tarek Al-Wazir Fulda und machte sich bei den Gaststätten und Restaurants, unter anderem im Hotel Esperanto, ein Bild von der Situation in der Corona-Krise.

Weitere Aussagen von Steffen Ackermann, Wolfgang Sulzbacher und Wolfgang Stehling lesen Sie in der Print-Ausgabe der Fuldaer Zeitung vom Dienstag sowie im digitalen E-Paper.

Lesen Sie hier: Corona-Krise trifft Hotel- und Restaurant-Betreiber: Gut die Hälfte weniger Gäste im Kinzigtal

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