Foto: Peter Scholz

Beschützer pflücken keine Blümchen – Fünfter Teil unseres „Boni-Talks“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Die drei Jungs haben Spaß. Und sind leicht lädiert. Als wir uns am Bonifatiusplatz treffen, hat jeder von ihnen hier ein Pflaster und da eine Schramme. Das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Luitger, Pippin und Karlmann alias Karsten Kenzel (35), Tom Schimon (35) und Simon Staiger (24). Fünfter Teil unseres „Boni-Talks“.

Von unserem Redaktionsmitglied Anke Zimmer

„Die drei Jungs“ – so hat spotlight-Produzent Peter Scholz das Trio genannt. Ihre Rollen mögen im „Bonifatius“-Musical nicht die allergrößten sein, aber wen ficht das schon an? Kenzel ist Luitger, der Bruder von Alrun. Schimon spielt Pippin, den Sohn von Karl Martell, und Staiger dessen Bruder Karlmann, beide begleiten Bonifatius und Sturmius auf ihrer Mission. Und mit merklichem Vergnügen verweisen die beiden Letzteren auf die Umkehrung der (realen) Verhältnisse.

„Karlmann war in echt sieben Jahre älter als Pippin“, sagt Staiger und sieht seinen Bühnenbruder verschmitzt an. „Bei ,Bonifatius‘ ist er der Jüngere.“ Nicht nur das. Während Pippin bei aller Jugend dennoch besonnen ist, hat Karlmann nur Party im Kopf. Schimon und Staiger lachen: „Wir sind das Buffo-Paar, machen Blödsinn, und lockern alles ein bisschen auf.“ Wären die Rollen historisch angelegt, würde das fehlen. „Als Bonifatius 755 starb“, sagt Schimon, „war Pippin Frankenkönig und Karlmann tot“. Und wer sich bei Wikipedia ein bisschen schlau macht, sieht, dass die beiden sich nicht grün waren.

Die Sympathie soll auch auf der Bühne zu sehen sein

Das ist bei den zwei Darstellern ganz anders. Fröhlich ergänzen sie einander im Gespräch. Die gegenseitige Sympathie ist auf der Bühne auch zu sehen“, versprechen sie. Karsten Kenzel hingegen spielt eine fiktive Figur. Sein Luitger will eigentlich nur in aller Ruhe und Einsamkeit mit seiner Schwester in der Buchonia leben, „obwohl er schon ein bisschen Sehnsucht nach der Ferne hat, aber im Gegensatz zu Alrun hält er diese zurück“.

Dann kommen zwei Missionare mit ihrem jugendlichen Leibgarde-Duo auf das Königsgut – und nichts ist mehr wie vorher. Alrun verliebt sich in Sturmius und lässt sich taufen. Luitger auch? „Nein, manchmal ist er kurz davor, doch es kommt nicht dazu. Luitger ist aber ein empathischer Mensch.

Alle drei Schauspieler sangen im Schulchor

Als die Missionare kommen, findet er seine Rolle.“ Und während Pippin und Karlmann von Berufs wegen Beschützer sind, übernimmt Luitger diese Rolle aus Familiengründen. „Ich passe natürlich auf meine kleine Schwester auf.“ Außerdem sieht er, wie Bonifatius die Menschen missioniert – und steht am Ende zu ihm mit aller Konsequenz.

Karsten Kenzel und Tom Schimon haben an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München studiert – aus dieser Zeit kennen sie Regisseur Stefan Huber – und bereits mehrere Rollen gespielt. Simon Staiger, der Jüngste in der Runde, hat sich am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück ausbilden lassen, „die Bachelor-Arbeit schreibe ich nach ,Bonifatius‘“. Diverse Rollen hat er auch schon gespielt. Und beim Gespräch über ihre Karrieren zeigt sich die nächste Gemeinsamkeit: Alle drei haben schon zu Schulzeiten in Chören gesungen.

Vom Oberkellner zum Musicaldarsteller

Für die beiden Martell-Söhne war die Berufsentscheidung keine Frage. Der Start von Kenzels Karriere war ein anderer. Er wurde zwar mit 13 Jahren vom Musicalfieber infiziert, doch dann „habe ich mir mein Knie kaputt gemacht und dachte, ich könne das nun vergessen“. Statt sich für die Bühne ausbilden zu lassen, wurde er gelernter Oberkellner, hat unter anderem für Alfons Schuhbeck gearbeitet.

Eines Tages ist eine Freundin zu einer Aufnahmeprüfung für eine Musicalschule gegangen und hat ihn einfach mitgenommen. „Ich hatte keine Ahnung von nix und bin irgendwie in die Endrunde gekommen, wie auch immer.“ Es wird noch besser: „Der Schauspiellehrer sagte damals, er habe noch nie was Schlechteres gesehen, aber meine Überzeugung, mit der ich gespielt hatte, sei so faszinierend gewesen, dass sie mich immer eine Runde weiterkommen ließen.“ Dann sagten sie ihm: „Du weißt nichts. Aber du hast Talent.“ Und weil es seinem Knie inzwischen besser ging, hat er Nägel mit Köpfen gemacht: Job gekündigt, Musical-Vorbereitungsschule besucht, und ein Jahr später hat er sich bei der Akademie wieder vorgestellt und wurde genommen.

Proben sorgen für Blessuren

spotlight und Stefan Huber – diese Kombination hat alle drei angesprochen. „Das kann nur was Gutes werden“, sagt Karsten Kenzel und spricht den anderen beiden merklich aus dem Herzen. Deswegen haben sie sich für ihre Rollen beworben.

Und die Blessuren? Kenzel ist gestürzt, Schimon hat sich geschnitten und Staiger „ein Schwert in den Bauch gerammt“, sagt er lachend und präsentiert die rosarote Schramme. „Die Proben sind hart. Aber das gehört einfach dazu“, sind sie sich einig. Außerdem: Beschützer pflücken keine Blümchen.

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