Christoph Schindler (rechts) – hier mit Study Nurse Carola Westenberg und dem Oberarzt frühe Klinische Studien und Arzneiforschung, Dr. Marcus May – leitet die klinische Studie für einen neuen Impfstoff an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und in Deutschland insgesamt. / Foto: Karin Kaiser, Medizinische Hochschule Hannover

Bessere Abwehr gegen Coronaviren: Aus Fulda stammender Mediziner leitet Studien für neuen Impfstoff

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda/Hannover - Im Kampf gegen das Coronavirus suchen Forscher weltweit nach einem Impfstoff oder einem Medikament. Ein aus Fulda stammender Wissenschaftler leitet die Tests für einen Stoff, der in Berlin entwickelt wurde und der das Immunsystem gegen das Virus stärken soll.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

Es ist noch nicht der Impfstoff, der die Menschen gegen das Virus immun macht, den Prof. Dr. Christoph Schindler (51), Professor für frühe klinische Studien und Arzneiforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover, bundesweit testen will. Aber es ist ein Stoff, der die körpereigenen Abwehrzellen so stark machen könnte, dass die Wahrscheinlichkeit, am Coronavirus zu erkranken, deutlich sinkt. Die Tests sollen schon bald beginnen: „Ich gehe derzeit davon aus, dass wir Ende April/Anfang Mai den ersten Probanden impfen können“, sagt Schindler, der in Petersberg aufgewachsen ist und am Domgymnasium in Fulda sein Abitur gemacht hat. „In gut einem halben Jahr wollen wir erste Ergebnisse haben.“

Den Stoff – einen verbesserten Impfstoff gegen Tuberkulose – hat das Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin entwickelt. Der Impfstoff scheint nach ersten Beobachtungen das Immunsystem generell zu stärken. Dieser Effekt soll jetzt wissenschaftlich untermauert werden.

Weniger Ausfälle in der Krankenversorgung

Die Funktionsweise des Stoffs erklärt Schindler so: „Der Wirkstoff gelangt in die Lymphknoten und verändert dort die körpereigenen Abwehrzellen. Wenn Coronaviren die Lunge befallen, werden weiße Blutkörperchen aktiv. Die als Fress- und Killerzellen bekannten Immunzellen bekämpfen die Viren in der Lunge und hindern sie daran, sich zu vermehren – wenn alles gut läuft.“

Geimpftes Klinikpersonal wäre zwar nicht gegen Sars-CoV-2 immun, könnte dank der gestärkten Abwehrzellen aber besser geschützt sein und es gäbe weniger Ausfälle in der Krankenversorgung. Käme es doch zu einer Infektion, könnte die verbesserte Immunantwort den Verlauf der Erkrankung deutlich abschwächen und sogar dann noch helfen, wenn sich das Coronavirus verändern sollte, wie das etwa bei Grippeviren der Fall ist. „Das käme auch Risikopatienten zugute, etwa vorerkrankten oder älteren Menschen“, erläutert Schindler.

Tests an Ärzten und Schwestern

Schindler will den Impfstoff, der bereits in großen Mengen produziert wird, nun an 1000 Ärzten und Krankenschwestern sowie Rettungsdienstpersonal testen lassen. Gesucht werden die Testteilnehmer über das Intranet von Krankenhäusern und auch über Anzeigen.

Die Tests werden deshalb an Ärzten, Schwestern und Rettungsdienstpersonal durchgeführt, weil diese an vorderster Front in der Krankenversorgung arbeiten und sich in ihrer Berufsausübung trotz aller Schutzmaßnahmen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit infizieren werden. Menschen gezielt mit den Coronavirus zu infizieren, um die Wirksamkeit der Impfung zu belegen, das wäre unethisch.

Studie auf sechs Monate angelegt

Schindlers Ziel: „Die Aufgabe der Studie ist es, die Hypothese, dass der Impfstoff sowohl die Infektion mit dem SARS-CoV 2 Virus erschwert, als auch, wenn es dennoch zu einer Infektion gekommen ist, zu einem deutlich abgeschwächteren Krankheitsverlauf führt, entweder zu verifizieren oder zu falsifizieren.“

Die Studie ist auf sechs Monate angelegt. Sollte sich die Wirksamkeit der Impfung früher zeigen, würden die Tests verkürzt und der Hersteller würde rasch die Zulassung für den Impfstoff beantragen.

Große Erwartungen werden gedämpft

Bei Schindler laufen alle Ergebnisse zusammen. Er leitet die klinische Prüfung am Clinical Research Center der Medizinischen Hochschule Hannover und an den Studienzentren in München, Erfurt und Borstel. Zu seinem Team gehören zwei Ärzte, fünf Studienschwestern und drei weitere Mitarbeiterinnen.

Schindler dämpfte zu große Erwartungen: „Es kann immer noch herauskommen, dass der Impfstoff in dieser Situation nur schwach wirksam ist oder gar keine messbaren Vorteile bietet.“

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