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Betrugs-Prozess um Pleite von German Pellets: Verteidiger nennt Vorwürfe „unzutreffend“

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Prozessbeginn um Millionen-Pleite der German Pellets GmbH
In Schwerin hat der Betrugs-Prozess gegen die Geschäftsführung des vor sieben Jahren insolvent gegangenen Holzverarbeiters German Pellets begonnen. © Frank Hormann/ dpa

In Schwerin hat der Betrugs-Prozess gegen die Geschäftsführung des vor sieben Jahren insolvent gegangenen Holzverarbeiters German Pellets begonnen.

Schwerin - Zu den Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft Rostock sagte der Verteidiger des Hauptangeklagten ehemaligen Geschäftsführers Peter H. Leibold im Anschluss an die Verhandlung am Donnerstag: „Die Vorwürfe sind in der verlesenen Form unzutreffend. Insbesondere ist unzutreffend der Vorwurf, die drei Angeklagten hätten sich rechtlich zu einer Bande zusammengeschlossen.“ Die Staatsanwaltschaft bleibe eine tragfähige Begründung schuldig.

Betrugs-Prozess um German Pellets: Ex-Geschäftsführer schweigt 

Der vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Schwerin verlesenen Anklage zufolge wird dem ehemaligen Geschäftsführer und zwei Mitangeklagten unter anderem Insolvenzverschleppung, Betrug, Bankrott und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das Wismarer Unternehmen war zum Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit der größte Pellet-Hersteller Europas. Die drei Angeklagten äußerten sich während der Verhandlung nicht. Ex-Geschäftsführer Leibold stammt aus Flieden im Kreis Fulda.

Die German Pellets GmbH soll den Ermittlungen zufolge schon fast ein Jahr vor dem Insolvenzantrag am 9. Februar 2016 zahlungsunfähig gewesen sein. Der Unterschied zwischen den zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Mitteln und den Forderungen soll demnach schon 2015 ein Defizit von mehr als elf Millionen Euro ausgemacht haben.

Durch falsche Angaben zur Situation der Firma beim Verkauf von Unternehmensanleihen soll Anlegern schlussendlich ein Schaden in Höhe von 7,2 Millionen Euro entstanden sein. Außerdem soll das Unternehmen trotz Zahlungsunfähigkeit 3,7 Millionen Euro für den beabsichtigten Kauf eines Steinkohlekraftwerks gezahlt haben, das im Anschluss zu einem geringen Preis abgegeben worden sei. Darüber hinausgehende etwaige Schäden lassen sich laut der Staatsanwaltschaft schwer beziffern, da Forderungen teilweise im Zuge des Insolvenzverfahrens beglichen worden seien.

Der Insolvenzverwalter von German Pellets, Nicolas Rebel, bezifferte die Gesamtsumme der von allen Gläubigern angemeldeten Forderungen gegenüber der Fuldaer Zeitung mit über zwei Milliarden Euro. Insbesondere die rund 17.000 Privatanleger sollten sich den Aussagen zufolge nicht zu viele Hoffnungen machen, Geld zurückzuerhalten. Er schätzt, dass der Insolvenzprozess noch weitere drei bis fünf Jahre dauern werde. Einen Einfluss des Gerichtsprozesses sieht Rebel nicht: „Zivil- und strafrechtliche Verfahren laufen grundsätzlich losgelöst voneinander.“ (dpa)

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