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Bioplastik ist nicht immer Bio: Kunststoff-Expertin klärt auf

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Von: Alina Komorek

Es klingt erst einmal umweltfreundlich: Bioplastik soll aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und biologisch abgebaut werden. Dass das nicht immer der Fall ist, erklärt Kunststoff-Expertin Laura Griestop.

Fulda - „Es gibt verschiedene Arten von Biokunststoffen“, erklärt Laura Griestop, Expertin der Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) für Kunststoffe und Verpackungen. „Erstens solche, die biologisch abbaubar und aus nachwachsenden Rohstoffen sind. Zweitens die, die nicht biologisch abbaubar, aber aus nachwachsenden Rohstoffen sind. Drittens die, die aus Erdöl hergestellt werden und abbaubar sind.“

Ist Bioplastik wirklich Bio? Da es nach Griestop verschiedene Arten von Biokunststoffen gibt, die unterschiedlich entsorgt werden, gibt es auf diese Frage ebenfalls mehrere Antworten: „Wir sollten Bioplastik so einsetzen, dass wir es auch weiter im Kreislauf führen und recyceln können.“ Innerhalb der deutschen Kreislaufwirtschaft heißt das: viel Recycling. „Vorhandene Rohstoffe sollten immer weiter recycelt und wiederverwendet werden.“

Außerdem spiele eine Rolle, wie die Rohstoffe für Bioplastik – zum Beispiel Mais oder Zuckerrohr – angebaut werden, damit es durch den Anbau von Monokulturen nicht zu Bodenversauerung oder zum Kippen der Gewässer komme. (Lesen Sie auch: Müll trennen: Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden)

Darum gehört auch Bioplastik in die gelbe Tonne

Das Problem bei Verpackungen aus Biokunststoff: „Wir können nicht sehen, ob es recyclingfähig ist.“ Deshalb müsse es im Verpackungsmüll – der gelben Tonne – entsorgt werden. Und werde je nach Sortierung auch verbrannt. Hierzulande sei es vor allem im Sinne des Umweltschutzes, den bestehenden Abfallkreislauf weiterzuführen, also möglichst viele Kunststoffe zu recyclen.

„Die biologische Abbaubarkeit für Verpackungen würde in Deutschland nicht so viel Sinn ergeben“, sagt Griestop. Verschiedene Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder UV-Einstrahlung seien wichtige Bedingungen für den optimalen Abbau – die seien aber nicht immer gegeben. Deshalb werde kompostierbares Plastik nicht schnell genug abgebaut. „Häufig werden Produkte aus abbaubarem Plastik aus dem Müll gefischt, weil sie nicht innerhalb einer gewissen Zeit kompostieren und man kein Mikroplastik generieren will.“

Kunststoff-Expertin mahnt: Unnötige Produkte ergeben auch aus Bioplastik keinen Sinn

„Wir können unsere Rohstoffe nicht einfach weiter verbrennen. Dafür haben wir zu wenig“, ist Griestop überzeugt. Die Kunststoff-Expertin findet, dass es sich um einen leicht missverständlichen Begriff handelt: „Unnötige Einwegprodukte ergeben auch aus Bioplastik keinen Sinn.“ Ihrer Meinung nach gilt es, unnötige Verpackungen zu vermeiden – und möglichst viel zu recyclen.

Studie zu Bioplastik

Eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe zeigte, dass fast alle auf die Bezeichnung „Bioplastik“ hereinfallen: Drei Viertel der Verbraucherinnen und Verbraucher hielten sogenanntes Bioplastik fälschlicherweise für umweltfreundlicher als herkömmliches Plastik.

Teilweise komme es aus diesem Grund sogar zu mehr Belastungen für die Umwelt: Weil die Verpackungen mit Aufdrucken wie „kompostierbar“, „plastikfrei“ oder eben „Bioplastik“ für natürlich gehalten werden, werden sie häufig einfach auf Wiesen, im Wald oder in Feldern entsorgt – von dort aus gelangt Mikroplastik, das auch in Bioplastik enthalten ist, in die Umwelt und landet schließlich im Meer.

Viele Dinge, vor allem Lebensmittel, würden zu häufig mit zu viel Material und einzeln verpackt verkauft. Beispiel sei die Folie um Obst, das auch lose verkauft werden könnte. „Von unseren Kunststoffverpackungen werden nur 50 bis 60 Prozent recycelt – der Rest wird verbrannt.“

Bio-Tüten stellen Abfallwirtschaft im Kreis Fulda vor Problem

Für die Abfallwirtschaft des Landkreises Fulda stellen bereits Tüten aus kompostierbarem Plastik ein Problem dar. Es dürften nach derzeitigem Technik- und Wissensstand weder Plastiktüten noch Bio-Tüten oder Bio-Kunststoffe in der Bio-Tonne entsorgt werden. (Lesen Sie auch: Mülltonnen im Kreis Fulda quellen in Corona-Zeiten über - So reagiert der Abfallverband)

Laut Kunststoff-Expertin Laura Griestop werden Obst und Gemüse zu häufig mit zu viel Material und einzeln verpackt verkauft.
Laut Kunststoff-Expertin Laura Griestop werden Obst und Gemüse zu häufig mit zu viel Material und einzeln verpackt verkauft. © privat; Rolf Vennenbernd/dpa

Denn: „Bio-Tüten verursachen Probleme bei der Vorsortierung. Bis zur Anlieferung in der Verwertungsanlage sind sie noch nicht abgebaut und können daher nicht von anderen Plastiktüten unterschieden werden. Deshalb müssen sie – genau wie alle anderen Plastiktüten – aussortiert werden“, teilte die Pressestelle des Landkreises mit.

Das Aussortieren sei aufwändig und teuer, eine komplette Trennung häufig gar nicht möglich. So werde ein großer Teil organischer Abfälle mit den Plastiktüten und Fremdstoffen aussortiert, die in Verbrennungsanlagen entsorgt werden.

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