Die Projektverantwortlichen mit ersten Wolle-Lieferanten (von links): Elmar Spies, Markus Hofmann, Janet Emig, Norbert und Simon Werner, Nadja Schneider und Heidi Schneider.
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Die Projektverantwortlichen mit ersten Wolle-Lieferanten (von links): Elmar Spies, Markus Hofmann, Janet Emig, Norbert und Simon Werner, Nadja Schneider und Heidi Schneider.

Nährstoffreiche Pellets

Projekt des Biosphärenreservates: Rhöner Schafwolle wird zu Dünger

  • vonMarius Scherf
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Schafwolle ist ein Rohstoff, der kaum noch Gewinn bringt. Einst sehr begehrt, landet sie heute oft auf dem Müll. Das Biosphärenreservat Rhön und der Verein Natur und Lebensraum Rhön wollen Dünger aus der Wolle machen.

Rhön - Aus Schafwolle werden seit jeher Pullover, Strickwaren und Stoffe hergestellt. Doch nicht alle Arten sind gleich gut. Die Tiere in der Rhön sind raue Bedingungen gewöhnt. Ihre Wolle juckt und kratzt mehr, als etwa die feine Merionwolle. Heute möchten das nur noch wenige tragen. Der Rohstoff ist dadurch nahezu wertlos geworden. Für rund vier Kilogramm Wolle – so viel trägt etwa ein Schaf – gibt es zum Teil nur noch 2,80 Euro. Damit kann nicht mal mehr der Scherer bezahlt werden.

Wie kann man den Rohstoff aber wieder nutzbar machen? Darüber haben sich die Hessische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön, über dessen Anfänge Sie hier nachlesen können, und der Verein Natur- und Lebensraum Rhön (VNLR) Gedanken gemacht. Ihre Idee: die Wolle zu Düngerpellets weiterverarbeiten. „Ziel des Projektes ist, das Schaf als Ganzes zu vermarkten und den Wert für das Produkt zu erhöhen“, erklärt Janet Emig, Projektverantwortliche beim VNLR, beim Sammeltermin auf dem WernerGut in Mittelkalbach. Acht Schäfer sind am Projekt beteiligt und brachten im Laufe des Freitagvormittags rund zwei Tonnen Wolle auf den Bio-Hof.

Projekt des Biospährenreservates: Rhöner Schafwolle in Pellets wird zu Dünger

Verarbeitet wird der Rohstoff von der Firma Natur Power Pellets von Markus Hofmann im schwäbischen Wemding. Dort wird die Wolle gereinigt, getrocknet und anschließend gepresst. Eine spezielle Maschine hat sich Hofmann dafür zugelegt. Er ist einer der wenigen in Deutschland, die die Schafwolle auf diese Weise verarbeiten. Der Dünger hat dann in etwa die Größe von Tierfutter-Pellets und riecht und fühlt sich genauso an. „Somit kann man ihn nicht nur im Garten in die Erde bringen, sondern auch gut für den Blumentopf auf der Fensterbank nutzen“, sagt Hofmann.

So sollen die Pellets in Zukunft aussehen.

Die Pellets eigneten sich für Blütensträucher, Gemüse und Kohlarten, aber auch für Beeren. Die Wolle liefere nicht nur wertvolle Nährstoffe – von Stickstoff bis Schwefel –, sondern diene zusätzlich als Wasserspeicher. Dadurch sei die Pflanze nicht nur in Trockenphasen gut versorgt, auch die Bindekapazität im Boden werde mehr als verdoppelt. „So werden Nährstoffe bei Regen nicht so schnell ausgespült.“ Die Wirkung des Langzeitdüngers sei zudem nachhaltig: Der Dünger brauche sechs Monate, bis er zergehe.

Gartensaison und Hessentag: Pellets sollen möglichst bald im Handel landen

In Sachen Nachhaltigkeit punktet er aber nicht nur bei der Anwendung. „Durch die Pelletierung erzielen wir eine sinnvolle Verwendung für die Rhöner Schafwolle“, sagt Nadja Schneider, Projektverantwortliche bei der Rhön GmbH, Abteilung Dachmarke. „Durch die Pelletierung wird die regionale Wertschöpfungskette des Schafes wieder erweitert.“

Pünktlich zur beginnenden Gartensaison sollen die ersten Pellets in den Regalen liegen und zum Beispiel auf dem Hessentag an die Kunden verkauft werden.

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