Karl-Friedrich Abe hat im Herbst 1990 im thüringischen in Kaltensundheim den Aufbau des Biosphärenreservats Rhön mit angestoßen.
+
Karl-Friedrich Abe hat im Herbst 1990 im thüringischen in Kaltensundheim den Aufbau des Biosphärenreservats Rhön mit angestoßen.

DDR-Ministerrat ebnete den Weg

Vor 30 Jahren: Die Anfänge des Biosphärenreservats Rhön

Die letzte Sitzung des DDR-Ministerrats vor dessen Auflösung Mitte September 1990 legte den Grundstein zur Gründung des Biosphärenreservates Rhön. Der Beschluss, 14 große Naturlandschaften dauerhaft unter Schutz zu stellen, war vor 30 Jahren die Voraussetzung dafür.

Rhön - Schon einige Tage vorher, ab dem 1. September, saß der damals 35-jährige Karl-Friedrich Abe in einem schmucklosen Flachbau der ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Kaltensundheim. Die Aufgabe: den Aufbaustab für den thüringischen Teil des im Nationalparkprogramm vorgesehenen Biosphärenreservats Rhön zu bilden. „Das war ein Wagnis – schließlich gab es das Gesetz noch gar nicht“, erinnert sich Karl-Friedrich Abe heute.

Abe ging vergangenes Jahr als dienstältester deutscher Leiter einer Biosphärenreservat-Verwaltung in Ruhestand. Heute, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, blickt er zurück auf die Anfänge des Biosphärenreservats.

Karl Friedrich-Abe blickt auf Anfänge des Biosphärenreservats Rhön zurück

„In der Rhön gab es schon immer Menschen, die sich für den Erhalt der Natur und der Kulturlandschaft einsetzten – schon lange vor der Ausweisung des Biosphärenreservats“, betont Abe. Die Grenzöffnung machte schließlich den engen Austausch zwischen Naturschützern aus Bayern, Hessen und Thüringen möglich.

Lesen Sie hier: Neuer Film gibt Einblick in die Arbeit der Hessischen Ranger im Unesco-Biosphärenreservat Rhön.

Schnell fasste er dabei Kontakte zu Willy Bauer, Dr. Franz Müller und Reinhard Kolb von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie (HGON), die später mit Abe, Dr. Aribert Bach, Klaus Schmidt und Volker Trauboth aus Thüringen sowie Ludwig Sothmann aus Bayern eine deutsch-deutsche Arbeitsgruppe ehrenamtlicher Naturschützer bildeten.

Jubiläum

30 Jahre UNESCO-Anerkennung des Biosphärenreservats Rhön – das soll 2021 mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen gefeiert werden unter dem Motto „Mensch – Natur – Einklang“.

Bereits im Januar 1990 gab es dann konkrete Überlegungen zu gemeinsamen Naturschutzprojekten. Der erste Arbeitstitel: Landschaftsreservat. „Die Schutzkategorie Biosphärenreservat kannte man damals im Westen noch nicht“, erklärt Abe. Auf einer Arbeitstagung am 13. Februar 1990 in Berlin verständigte man sich schließlich auf den Begriff Biosphärenreservat Rhön. Im Juni 1990 wurde Abe dann auf einer Tagung im „Lämmchen“ im hessischen Schlitzenhausen gefragt, ob er den Aufbaustab des künftigen Biosphärenreservats leiten wolle. „Ich hatte zwei Stunden, um mich zu entscheiden. Noch am selben Tag musste ein Name nach Berlin gemeldet werden.“

30 Jahre UNESCO-Anerkennung des Biosphärenreservats Rhön: Veranstaltungen geplant

So war Abes Karriere als Berufsschullehrer beendet, drei Monate später saß er in dem Flachbau in Kaltensundheim und leitete den Aufbau. Mit der Verabschiedung des Nationalparkprogramms wurde auch die „Verordnung über die Festsetzung von Naturschutzgebieten und einem Landschaftsschutzgebiet von zentraler Bedeutung mit der Gesamtbezeichnung Biosphärenreservat Rhön“ angenommen, die mit dem Einigungsvertrag in bundesdeutsches Recht überführt wurde. „Somit hatten wir eine Handlungsbasis“, sagt Abe.

Eine der ersten Aufgaben: Die Anerkennung durch die UNESCO musste auf den Weg gebracht werden. Die Übergabe der Anerkennungsurkunde an die drei Umweltminister folgte im Jahr 1991. „Das alles ging damals sehr schnell“, sagt Karl-Friedrich Abe. „Alles war noch im Aufbau, es herrschte große Euphorie. Die Wende war ein Glücksfall für den Naturschutz in Deutschland und in der Rhön.“ (ic)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema