Balzende Birkhähne – das ist ein seltener Anblick. Vier Balzplätze wurden jetzt in Hessen festgestellt, berichtet Georg Sauer, Ranger beim Biosphärenreservat Rhön.
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Balzende Birkhähne – das ist ein seltener Anblick. Vier Balzplätze wurden jetzt in Hessen festgestellt, berichtet Georg Sauer, Ranger beim Biosphärenreservat Rhön. (Symbolfoto)

Biosphärenreservat meldet Brutverdacht

Gibt es wieder Birkhuhn-Nachwuchs in der Rhön?

Erfreuliche Nachricht aus der Rhön: Zum ersten Mal seit mehreren Jahren gibt es im hessischen Teil des Biosphärenreservats wieder einen konkreten Brutverdacht bei einem Birkhuhn. Ob das Tier aber tatsächlich brütet und es Nachwuchs gibt, müssen die Beobachtungen in den nächsten Wochen zeigen.

  • Das Birkhuhn gilt seit 2014 offiziell als ausgestorben.
  • Aktuell gibt es lediglich 25 Birkhühner in der Rhön.
  • Jetzt gibt es einen konkreten Brutverdacht bei einem Birkhuhn.

Von Tobias Farnung

Rhön - Die letzte nachgewiesene Brutaktivität reicht ins Jahr 1992 zurück. „Die Beobachtungen machen uns aber durchaus hoffnungsvoll“, sagt Jonas Thielen, Sachgebietsleiter Naturschutz in der hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön.

Eigentlich hätte das Team des Biosphärenreservats gemeinsam mit bayerischen Kollegen und Mitarbeitern der Wildland-Stiftung in diesen Wochen die jährlich stattfindende offizielle Birkhuhn-Zählung durchgeführt. Aufgrund des Coronavirus wurde daraus allerdings nichts.

„Deshalb haben wir mit zehn Mitarbeitern der Hessischen Verwaltungsstelle eine etwas reduzierte Form der Erfassung durchgeführt“, sagt Thielen. Und das Ergebnis ist – zumindest in Sachen Birkhuhn – absolut positiv. „Wir haben einige Tiere sichten können.“

Große Hoffnung auf Brutverdacht: „Birkhuhn gilt seit 2014 in der Rhön offiziell als ausgestorben“

Ranger Georg Sauer erklärt, dass die Anzahl der Birkhühner in der Rhön bei ungefähr 25 Tieren liegt. Das ist wenig: „Das Birkhuhn gilt seit 2014 in der Rhön sogar offiziell als ausgestorben. Hintergrund ist, dass es keine Brut gibt.“ Der Bestand werde laut Sauer nur durch das Schweden-Projekt aufrechterhalten. Jetzt wurde ein Brutverdacht gemeldet. „Wenn es Küken gibt, dann wäre gesichert, dass das Birkhuhn nicht mehr als ausgestorben gilt“, erklärt er.

Ebenfalls erfreulich: Neben dem einen konkreten Brutverdacht hätten die gesichteten Hähne eine sehr ausgeprägte Balzaktivität an den Tag gelegt. „Insgesamt haben wir vier Balzplätze in Hessen feststellen können. Das hatten wir lange nicht mehr. Das geht schon unter die Haut“, sagt Sauer.

Birkhuhn in der Rhön: Zahlreiche aufwendige Maßnahmen zur Rettung

Um das Birkhuhn in der Rhön zu halten, wurden zahlreiche aufwendige Maßnahmen durchgeführt. Neben dem Schweden-Projekt wurde laut Sauer auch in Sachen Landschaftspflege „ganz viel getan. Durch Entbuschungen versuchen wir, den Zustand des Landschaftsbilds der 1970er oder 1980er Jahre zu erreichen“, erläutert er.

Vor allem die moderne Form der Landwirtschaft hätte zu einer starken Verbuschung der Rhön geführt. Ein weiterer Aspekt sei der Einsatz von Wildtierfallen, um die Fressfeinde der Birkhühner wie Füchse oder Wildschweine lebend von den Brutgebieten fernzuhalten.

Birkhuhn in der Rhön: Keine leichten Zeiten durch Corona-Pandemie

Denn insgesamt haben es die Vögel in der Rhön nicht leicht in Zeiten wie diesen. „Die Corona-Pandemie hat den Tieren zwar geholfen“, berichtet der Ranger. Denn es seien weniger Menschen in der Natur unterwegs gewesen. Aber grundsätzlich gebe es immer mehr Herausforderungen, mit denen die Tiere zu kämpfen haben. „Der Tourismus hat zugenommen“, sagt Sauer.

Damit verbunden seien immer ausgeprägtere Loipen- und Wanderwegenetze. Aber auch die steigende Beliebtheit von E-Bikes führe zu immer mehr Störungen der Tiere in der Langen Rhön. Und ganz besonders problematisch: Drohnen, mit denen Hobbyfotografen durch die Naturschutzgebiete des Biosphärenreservats fliegen.

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