Die Bischöfe um Vorsitzenden Georg Bätzing beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung im Fuldaer Dom.
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Die Bischöfe um Vorsitzenden Georg Bätzing (Mitte) beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz im Fuldaer Dom.

Folgen von Corona

Bischöfe: Weihnachten wird in diesem Jahr eine große Herausforderung

Vollgepackte Kirchen sind an Heiligabend dieses Jahr wegen Corona kaum vorstellbar. Bei ihrem Treffen in Fulda denken die deutschen Bischöfe über Alternativen nach. Im Gespräch sind „kleine Gottesdienst-Einheiten“.

Fulda - Die katholischen Bischöfe sehen die Advents- und Weihnachtszeit in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie als große Herausforderung. „Wir werden den Raum der Kirche erweitern müssen, in die Städte hinein, in die Orte hinein, und dann auch in der ökumenischen Zusammenarbeit. Das ist eine große Herausforderung“, sagte der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode am Mittwoch bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda.

Da vollgepackte Kirchen an Heiligabend dieses Jahr wegen Corona nicht denkbar sind, setzen die Kirchen auf „kleine Gottesdienst-Einheiten“. Vieles werde draußen stattfinden müssen, sagte Bode. Kälte werde man vielleicht sogar in Kauf nehmen, schließlich steigere das die Weihnachtsstimmung. Ganz entscheidend sei aber auch die Begegnung mit Armen und Bedürftigen. Gerade das dürfe wegen Corona nicht abgesagt werden. Großveranstaltungen in Stadien finde er dagegen nicht so passend, sagte Bode. Kleinere Einheiten entsprächen dem Charakter des Weihnachtsfestes viel eher.

Corona-Krise: Bischöfe wollen Seelsorge anders ausrichten

Als Lehre aus der Corona-Krise will die Deutsche Bischofskonferenz zudem die Seelsorge stärker auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten und auch die Gläubigen stärker einbeziehen. Es gelte, den Wandel hin zu einer „hörenden und dienenden“ Seelsorge aktiv zu gestalten, sagte Bischof Bode in Fulda.

Bischöfe besorgt wegen Verschwörungstheorien

Angesichts von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen hat sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gegen Verschwörungsideologien gewandt. „Die Corona-Krise ist ein Brandbeschleuniger“, sagte Overbeck am Mittwoch bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda mit Blick unter anderem auf eine Demonstration in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen Ende August. Dabei hatten Demonstranten Absperrungen durchbrochen und kurzzeitig auf den Stufen des Reichstags unter anderem Fahnen des Kaiserreichs geschwenkt.

Overbeck zeigte sich von der Entwicklung besorgt. Menschen aus den verschiedensten Milieus schlössen sich – in Staatsferne vereint – zu eigentümlichen Allianzen zusammen und hingen teils auch Verschwörungsideologien an.

Solche Bewegungen dürften zwar mit Blick auf die Zahl ihrer Anhänger nicht überbewertet werden. Auch gehörten lebhafte Debatten über Inhalte sowie eine Vielfalt der Perspektiven zu jeder Demokratie. „Aber es ist für unser Zusammenleben in einer Demokratie brandgefährlich, wenn deren Grundfeste infrage gestellt werden, wenn Antisemitismus, Rassismus und Hetze aufflammen.“

Im Video: Auftakt zur Herbstvollversammlung der Bischöfe in Fulda

Der coronabedingte Lockdown mit der Schließung von Kirchen und Gemeinderäumen und dem Ausfall öffentlich gefeierter Gottesdienste sei in der Öffentlichkeit als „Identitätskrise“ der ganzen Kirche wahrgenommen worden. Dabei hätten die Seelsorger gemeinsam mit Ehrenamtlichen etwa Online-Gottesdienste oder -gebete organisiert, Hauskirchen initiiert, sich in örtliche Hilfsnetzwerke eingebracht oder sich am Telefon, Gartenzaun oder digital nach dem Befinden der Menschen erkundigt. Damit sie während dieser Zeit eine Entwicklung in der Seelsorge beschleunigt worden, „die in Zukunft weniger klerikerzentriert, dafür aber mit engagierten Gläubigen und damit auch partizipativer, selbstbestimmter und vielfältiger gestaltet sein will“, sagte Bode.

Mit Maske: Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck. Er warnte in Fulda vor Verschwörungsideologien im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Herbstvollversammlung noch bis Donnerstag

Noch bis Donnerstag hält die Deutsche Bischofskonferenz in Fulda ihre Herbstvollversammlung ab, die in diesem Jahr coronabedingt um einen auf drei Tage verkürzt wurde. Zu den Schwerpunkten der Beratungen gehören der Reformprozess Synodaler Weg sowie die Konsequenzen aus der sogenannten MHG-Studie. Der Vorsitzende der Konferenz, Bischof Georg Bätzing, hatte sich zum Auftakt der Beratungen klar zum Synodalen Weg bekannt. (dpa/zen)

Lesen Sie hier: Frauen demonstrieren vor dem Fuldaer Dom für mehr Mitsprache in der katholischen Kirche Und: Priesterausbildung in Fulda vor dem Aus

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