Ein Plakat der Giordano-Bruno-Stiftung mit der Aufschrift "DAS ist die Katholische Kirche: Missbrauch vertuschen. Entschädigungen auf die lange Bank schieben. Aber Milliarden bunkern !" steht am Rande der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz auf dem Platz vor dem Dom. Foto: Arne Dedert/dpa
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Ein Plakat der Giordano-Bruno-Stiftung mit der Aufschrift „DAS ist die Katholische Kirche: Missbrauch vertuschen. Entschädigungen auf die lange Bank schieben. Aber Milliarden bunkern !“ vor dem Dom.

Vollversammlung in Fulda

Bischöfe einigen sich: Bis zu 50.000 Euro für Opfer katholischer Priester

Die deutschen Bischöfe tagen in Fulda: Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Limburgs Bischof Georg Bätzing, lässt mit einer Aussage zum Thema Gleichberechtigung aufhorchen. Eine Einigung gibt es mit Blick auf die Opfer katholischer Kleriker.

Update, 24. September, 15.41 Uhr: Die Opfer von Vergehen katholischer Kleriker sollen künftig auf Antrag Ausgleichszahlungen von bis zu 50.000 Euro erhalten. Das hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Georg Bätzing, am Donnerstag zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda gesagt.

Dabei werde es sich um Einmalzahlungen handeln, die für jeden Betroffenen durch ein unabhängiges Entscheidungsgremium individuell festgelegt würden, sagte Bätzing. Zusätzlich könnten Betroffene Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen.

All diese Leistungen würden künftig durch ein zentrales und unabhängig besetztes Gremium festgelegt. Diesem Gremium sollen sieben Frauen und Männer angehören. Es werde mit Fachleuten aus Medizin, Recht, Psychologie und Pädagogik besetzt, sage Bätzing. Die Mitglieder dürften nicht bei der Kirche angestellt und damit von ihr abhängig sein.

Unabhängiges Gremium soll Höhe der Leistungen festlegen

Das Gremium werde nicht nur die Leistungshöhe festlegen, sondern auch die Auszahlung der Summen anweisen. Auf diesem Wege solle das Verfahren beschleunigt werden, was viele Betroffene angemahnt hätten. Die Mitglieder des Gremiums würden durch einen Ausschuss ausgewählt, dem mehrheitlich nichtkirchliche Vertreter angehören sollen.

Bischof Georg Bätzing auf dem Weg zum Treffen der Bischofskonferenz in Fulda.

Es war das erklärte Ziel der Bischöfe, sich bei dem Treffen in Fulda auf konkrete Anerkennungszahlungen für die Opfer zu einigen. „Es geht uns um ein einheitliches System“, hatte Bätzing betont. Dabei wolle man sich orientieren an gerichtlichen Urteilen zu Schmerzensgeldern.

Es bleibt abzuwarten, ob dies die Opfer zufriedenstellen wird. Man habe „Angst“ vor dem, was sich Verwaltungs-, Finanz- und Rechtsfachleute der katholischen Kirche ausgedacht hätten, ohne die Betroffenen einzubeziehen, hatte der Sprecher der Opferinitiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, am Mittwoch in Fulda gesagt.

Bischof Bätzing äußert sich zum Thema Gleichberechtigung

Erstmeldung vom 23. September: In der katholischen Kirche ist es nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, „ungebrochene Tradition bislang, dass die Rolle Christi durch einen Mann repräsentiert wird“. Die Kirche sei nun mal keine Demokratie, der Souverän sei nicht das Volk, sondern Jesus Christus, sagte Bätzing am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin auf die Frage, warum sich die katholische Kirche mit der Gleichstellung der Frau so schwer tue.

Bätzing fügte hinzu: „Aber wir leben natürlich in einer Zeit, in der Gleichberechtigung so sehr ins Blut aller Menschen übergegangen ist, in meins und in das aller, die auch zur Kirche gehören, dass man sich fragt: Ist das so gewichtig, dass dadurch das Wesen der Kirche berührt wird? Das sind die Fragen, die zu diskutieren sind.“

Mehr Mitsprache für Frauen? Bischof Bätzing verweist auf „Weltkirche“

Die deutschen Katholiken könnten das aber nicht allein entscheiden, sondern die Diskussion finde im Rahmen der Weltkirche statt, sagte Bätzing. „Rom hat immer ein gewichtiges Wort für uns mitzureden - das ist der Preis für das wunderbare Erleben, dass wir Weltkirche sind. Aber wir haben ganz viele Möglichkeiten auch in unserem Land, gerade in der Frauenfrage.“

Schon jetzt könnten Frauen stärker an Leitung und an Entscheidungen beteiligt werden. „Das möchte ich sehr nach vorne treiben: zunächst einmal die Möglichkeiten ausschöpfen, die wir selber haben - und da gibt‘s viele.“ Im Bistum Osnabrück stehen einzelne Frauen zum Beispiel an der Spitze von Pfarrgemeinschaften - die Priester in diesen Gemeinden sind ihnen unterstellt.

Im Video: Auftakt der Bischofskonferenz in Fulda

Die deutschen katholischen Bischöfe halten derzeit in Fulda ihre Herbstvollversammlung ab. Dabei geht es auch um die Rolle der Frau. Am ersten Tag des Treffens hatten mehrere Frauen vor dem Dom für mehr Mitsprache demonstriert.

Bischof Bätzing hatte sich zum Auftakt der Herbstvollversammlung klar zum Synodalen Weg bekannt. das Reformvorhaben ist unter den Bischöfen umstritten. (dpa/zen)

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