Foto: Arne Dedert/dpa

Bischof Gerber nimmt im Hirtenwort zur Fastenzeit Bezug auf Volkmarsen und Hanau

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - „Wir können die Zukunft nur bis zu einem bestimmten Grad durch unsere Planungen prägen. Letztlich bleibt immer ein Sprung des Vertrauens“, schreibt der Fuldaer Bischof Dr. Michael Gerber in seinem Hirtenwort zur Fastenzeit an die Gläubigen in den Gemeinden seiner Diözese.

24 Jahre nach seiner Entscheidung für das priesterliche Leben zeigt sich der Oberhirte dankbar, damals jenen Sprung gewagt zu haben. „Längst nicht alle Stürme, die seither kamen, konnte ich vorhersehen. Und ich habe auch keine Ahnung, welche Stürme noch kommen und wie meine Seele darauf reagieren wird.“

Die Erfahrung, dass Jesus „sich im Boot des Lebens zeigt“, sei auch seine Grunderfahrung im Bistum Fulda nach elf Monaten. Er habe Jesus immer wieder entdecken dürfen in ganz konkreten Begegnungen: „In der Begeisterung von Kindern, im Suchen und Ringen junger Menschen, in der Kreativität und Ausdauer von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und gerade auch in Menschen, die krank an Leib und Seele sind.“

„Erschüttert uns zutiefst“

In dem Hirtenwort, das Samstag (in den Vorabendmessen) und am Sonntag in der ganzen Diözese verlesen wurde, ruft der Bischof dazu auf, in der Fastenzeit Jesus zu entdecken. „Halten wir am Abend einen Moment inne: Gehen wir die Bilder des Tages noch einmal vor unserem inneren Auge durch. Achten wir auf die Bilder, Augenblicke und Worte, die mein Herz heute besonders berührt haben.“

Ferner nimmt Gerber auf aktuelle Ereignisse Bezug. „Was wir in Hanau und Volkmarsen erleben mussten, erschüttert uns zutiefst“, sagt er. In China sei ein „neuartiger Virus ausgebrochen“. „In der Kirche erleben wir die Herausforderungen, für die der Synodale Weg der Katholischen Kirche in Deutschland steht. Bezogen auf unseren Bistumsprozess zeichnen sich Entscheidungen ab.“

Jesus in stürmischer See

Daher komme ihm immer wieder das Bild vom Sturm auf dem See Genesareth in den Sinn, wo die Jünger gemäß dem Lukasevangelium mit Jesus im Boot unterwegs sind, als sie von einem heftigen Sturm überrascht werden. So wie damals frage man sich auch heute, ob „der Herr selbst noch im Boot“ sei.

Das Evangelium zeige, dass Jesus den Jüngern im Boot vertraue, so wie er auch später die Verkündigung seiner Frohen Botschaft den Frauen und Männern anvertraue, die ihm gefolgt sind. „In seinem Vertrauen zeigt sich das Vertrauen Gottes in sein Volk, wie es bereits Israel erfahren hat.“ Man müsse sich fragen, was dieses Vertrauen für einen selbst bedeute.

Die Fastenzeit als Anstoß

Vertrauen lasse sich nicht verordnen. Hier sieht der Bischof zusammen mit seinen Mitarbeitern eine große Verantwortung. „Wie viel Vertrauen schenke ich denen, die vor Ort Verantwortung tragen, und welche Haltung des Vertrauens wird so gefördert?“ Es sei die Frage, ob ein Grundvertrauen da sei, das einen Vertrauensvorschuss rechtfertige oder ob Misstrauen ein dominierendes Gefühl bei einem selbst sei.

Gerber: „Die Fastenzeit kann Anstoß für die Frage sein: Wie können die österlichen Bilder neu eine Kraft gewinnen, die mich trägt angesichts aller Stürme, die auf mich und auf uns warten?“ Die Frage nach der Entscheidung für die ehelose Lebensform habe ihn nach dem Studium nachhaltig beschäftigt, und er habe sich damals die Frage gestellt, ob die positiven Erfahrungen ein Leben lang als Priester tragen könnten.

Was traue ich Jesus zu?

„Entscheidung bedeutet immer auch Scheidung: etwas loszulassen, um etwas anderes zu ergreifen.“ Diese Entscheidung vergleicht Gerber mit dem Jawort im Sakrament der Ehe. Er habe sich in den Exerzitien seinerzeit gefragt: „Glaube ich, dass Jesus in den kommenden Höhen und Tiefen bei mir sein wird?“ und „Traue ich Jesus zu, dass er mit mir im Boot ist, auch dann, wenn es sehr stürmisch wird?“, schreibt Bischof Gerber.

Das Hirtenwort wird in der Ausgabe vom 8. März vollständig im „Bonifatiusboten“ abgedruckt und ist ab Samstag, 29. Februar, im Internet unter www.bistum-fulda.de abrufbar. Bischof Dr. Gerber hat sein Hirtenwort zum Anhören als Audio-Datei aufgezeichnet. Die Datei steht auf der Website des Bistums, www.bistum-fulda.de, allen Interessierten zur Verfügung. Nachdrucke des Hirtenworts können über das Bischöfliche Generalvikariat (E-Mail: dienstleistungen@bistum-fulda.de, Tel.: 0661/87-383) angefordert werden. / sar

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