Fotos: Norman Zellmer

Bischof kritisiert in Neujahrsansprache Ausgrenzung, Verrohung der Sprache und „einfache Antworten“

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - In seiner ersten Neujahrsansprache als Bischof von Fulda hat Dr. Michael Gerber die Streitkultur, den demokratischen Diskurs sowie die Reform der Kirche in den Blick genommen. Zudem wurde der personelle Wechsel der Leitung des Generalvikariats thematisiert.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Mit Blick auf den Mord an Kassels Regierungspräsidenten Walter Lübcke im vergangenen Jahr sagte Gerber im historischen Refektorium des Priesterseminars, dass diese Taten „nachhaltig das Klima in unserer Gesellschaft vergiften“ könnten. Menschen, die sich für andere engagierten und als „,Gutmenschen‘ verschrien“ würden, könnten Gefahr laufen, Opfer von Worten, aber auch von Taten werden.

120 Gäste anwesend

Verantwortliche in Politik, Kirche und Gesellschaft müssten jene, „Ort oft auf sich gestellt“ seien, ermutigen und sich fragen, welchen Stil der Auseinandersetzung sie selbst prägen. Eine offene demokratische Gesellschaft brauche Streit, bisweilen auch Zuspitzung, so Gerber vor rund 120 Zuhörern aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, in gute und schlechte Menschen einzuteilen. Die Komplexität der Welt mit wechselseitigen Einflüssen von Ökonomie, Ökologie, Migration und Politik könne nicht auf einfache Erklärungen reduziert werden. Mündige Bürger müssten sich „dieser Komplexität stellen“. Es sei „eine der gemeinsamen großen Herausforderungen“ von gesellschaftlichen Gruppen, wie Kirchen, Medien und Politik, Menschen so zu befähigen und deren Persönlichkeiten auszuprägen, dass sie eigenständige Urteile bilden und die Unübnerschaubarkeit der Welt aushalten können.

Mit dem Synodalen Weg hat laut Gerber die katholische Kirche ein “anspruchsvolles Übungsfeld“. Die versuchung sei groß, nur „einige bestimmte Stellschrauben“ zu drehen; es bedarf jedoch eines tieferen Einstiegs in den Diskurs.

Gerber würdigte Stanke

Zugleich würdigte der Gerber Professor Gerhard Stanke, der seit 2008 als Generalvikar Stellvertreter des Bischofs gewesen war: „Es gibt wenige lebende Priestergestalten, die das Bistum und im_Bistum vor allem die Priester und viele andere Haupt- und Ehrenamtliche so geprägt haben, wie Sie das getan haben.“ Stanke zeichneten ein „waches , differenziertes und zugleich klares Urteil“ aus und die Fähigkeit, sich in komplexe Sachverhalte einzuarbeiten; zugleich sei er Seelsorger geblieben und habe sich für Menschen, „die am Rande stehen“ eingesetzt, gesellschaftliche Fragen in den Blick genommen und sich um Menschen ind er weltweiten Kirche gesorgt. Damit sei Stanke ein „echtes Hoffnungszeichen und auch „in der übergeordneten Verantwortung berührbar“. Stanke habe sich zudem in der Aufarbeitung des suxellen Missbrauchs in der Kirche engagiert und den Bistumsprozess gestartet.

Der neue Generalvikar Christof Steinert kündigte in seiner Ansprache beim Neujahrsempfang an, dass der „Pastorale Prozess Bistum 2030“ „entscheidende weitergeführt“ werde. Die seit 2017 erarbeiteten Ergebnisse würden weiterentwickelt. Zugleich betonte Steinert, dass die Kirche vor großen herausforderungen stehe: neben der Aufarbeitung der sexuellen Gewalt in der Kirche seien das die Digitalisierung, die die Kirche verändern werde.

Appell an die Kirche von Wingenfeld

Neben den beiden hohen Würdenträgern sprachen der Vorsitzende des Katholikenrates, Steffen Flicker, und Fuldas Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU). Flicker forderte vor dem Hintergrund von Kirchenaustritten und dem Missbrauchsskandal, dass die Kirche Veränderung brauche. Der Synodale Wege dürfe keine „Scheindebatte“ werden, sondern müsse dazu führen, dass Kirche lernt und Vertrauen zurückgewinnt.

Wingenfeld appellierte in seinem Grußwort an die Kirche, sich „bei zentralen Aufgaben“, etwa der Kinderbetreuung und der Altenhilfe, nicht zurückzuziehen, denn eine Gesellschaft lebe von der Subsidiarität – soziale Aufgaben sollen durch den Staat nur dann erfolgen, wenn diese von nichtstaatlichen Einrichtungen – etwa der Kirche oder Wohlfahrtsverbänden – nicht erfüllt werden können. Besonders die Region an Fulda, Haune, Lüder und Ulster sei durch eine enge Zusammenarbeit von Kloster, Kirche, Stadt und Region geprägt. Den ehemaligen Generalvikar lobte Wingenfeld als klug, kompetent und vorbildlich. Er vermittle den Menschen die Gewissheit, gewollt und geliebt zu sein.

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