Auch im Jahr 2006 haben die Fulda Blackhorses bereits Verbandsliga gespielt. Heute noch aktiv sind Benjamin Arlinghaus und Sebastian Dahm (hinten von rechts) sowie Florian Leinberger und Robert Posavec (vordere Reihe, Zweiter und Dritter von links). / Archivfoto: Charlie Rolff

Blackhorses feiern Geburtstag: Seit 25 Jahren wird in Fulda Baseball gespielt

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Neben American Football ist Baseball in den USA die Sportart Nummer eins. In Deutschland fristet sie dagegen ein Nischendasein. Doch die Fulda Blackhorses halten seit 25 Jahren in Osthessen die Fahne ihres Sports hoch – und starten in diesem Jahr erstmals wieder in der Verbandsliga, Hessens höchster Spielklasse.

Von unserem Redaktionsmitglied Sabine Kohl

Es ist ein Datum, das sich viele Fuldaer – vor allem die närrischen – wohl auch in diesem Jahr bereits rot im Kalender markiert haben. Für die Fulda Blackhorses ist es ein geschichtsträchtiges: Der 11.11.2020 ist ihr 25. Geburtstag. An diesem Tag im Jahr 1995 haben elf Baseball-Fans in einer Gaststätte beschlossen: Baseball, das muss doch auch in Fulda möglich sein. Ein einsatzbereites Spielfeld war in der ehemaligen amerikanischen Kaserne am Münsterfeld immerhin vorhanden. Gesagt, getan – die Fulda Blackhorses waren gegründet.

Mit mehr als 40 Spielern gestartet

Robert Posavec, heutiger Abteilungsleiter der zu FT Fulda gehörenden Baseballer, ist von der ersten Stunde an dabei. Regelmäßig steht der 46-Jährige auch noch selbst auf dem Feld. „Und so lange ich bei jedem ersten Saisonspiel noch Schmetterlinge im Bauch habe, wenn ich endlich wieder den Schläger in der Hand halte, mache ich auch weiter“, schwärmt der Fuldaer für seinen Sport. Außer Posavec spielt von den Gründungsmitgliedern nur noch Benjamin Arlinghaus, doch viele Akteure der ersten Stunde unterstützen den Verein bis heute.

40 bis 45 Baseballfreunde wollten anfangs im Team dabei sein. Ein koordiniertes Training sei da kaum möglich gewesen, erinnert sich Posavec. „Der Trainer hat einfach irgendwann aussortiert.“ Ein Luxus, den er sich heute kaum noch vorstellen kann. Denn wie viele Vereine haben auch die Blackhorses mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. „Wir würden gerne eine Jugendmannschaft aufbauen, aber die wenigen Jugendlichen, die zu uns kommen, brauchen wir meist schnell für die Herrenmannschaft“, so der Abteilungsleiter.

Nach fast zehn Jahren wieder Verbandsliga

Dabei benötigen die Blackhorses eine funktionierende Jugendmannschaft, um langfristig in der Verbandsliga spielen zu dürfen – so schreiben es die Richtlinien vor. In der Verbandsliga startet die Mannschaft in der im April beginnenden Saison zum ersten Mal wieder. Nach fast zehn Jahren in der Landesliga.

400 Zuschauer beim ersten Spiel

Begonnen hat die Karriere der Blackhorses allerdings 1996 in der Bezirksliga, ganz unten. „Zu unserem ersten Spiel kamen 400 Zuschauer und wir haben souverän gewonnen“, denkt Robert Posavec an den allerersten Spieltag zurück. „Da flogen die Hoffnungen natürlich gleich richtig hoch – aber die ersten Dämpfer folgten ziemlich bald“, erzählt er und lacht.

Doch nach ein, zwei Spielzeiten hatte sich das bunt zusammengewürfelte Team etabliert und eine Aufstiegsserie begann, mit Meisterschaften 1998, 1999 und 2000. Bis in die Regionalliga hatten sich die Fuldaer hochgespielt. „Dort konnten wir spielerisch auch gut mithalten“, berichtet Posavec. Allerdings sei die Regionalliga für den Verein finanziell nicht zu stemmen gewesen. Vor allem die Schiedsrichterkosten seien nicht tragbar gewesen. „Unterstützung vom Verband gab es damals nicht“, sagt der Abteilungsleiter. „Und die Mitgliedsbeiträge ständig erhöhen, das wollten wir auch nicht. Jeder sollte die Möglichkeit haben, bei uns zu spielen.“

2013 Spielbetrieb vorübergehend eingestellt

Also sind die Blackhorses freiwillig in die Verbandsliga zurückgegangen, 2011 folgte dann der Abstieg in die Landesliga. Danach standen einige schwierige Jahre an, das Engagement der Mitglieder für den Verein ging immer weiter zurück. Denn zum Sport gehört nicht nur Spiel und Training. Auch das Spielfeld im Münsterfeld etwa muss regelmäßig gepflegt und in Ordnung gebracht werden. „2013 haben wir die Notbremse gezogen und den Spielbetrieb vorübergehend eingestellt“, berichtet Robert Posavec. Das sei für einige ein Weckruf gewesen. Bald konnte die Mannschaft wieder durchstarten. Dennoch: Es sei ein ständiges „Sich-neu-erfinden“, so Posavec. Immer wieder verließen Spieler die Mannschaft, neue kämen hinzu. Mittlerweile sei das Team aber spielerisch so stark, dass die Landesliga eine klare Unterforderung gewesen sei. „Der Aufstieg musste jetzt sein“, begründet Posavec die Entscheidung, nach wiederholten Meisterschaften in der Landesliga diesmal den Sprung in die Verbandsliga zu wagen. Die fehlende Herausforderung hätte sonst wohl dazu geführt, dass die Blackhorses auseinandergebrochen wären.

Damit aber auch unerfahrene Spieler sich entwickeln können, gibt es seit diesem Jahr eine zweite Mannschaft in Spielgemeinschaft mit den Heblos Rabbits aus Lauterbach. Diese spielt weiterhin in der Landesliga. „Dort können Nachwuchsspieler und Anfänger Erfahrungen und Spielpraxis sammeln, ehe sie in die erste Mannschaft aufsteigen“, so Robert Posavec.

Baseball kennt kein Alter

Baseball sei im Übrigen eine Sportart, die man in fast jedem Alter noch spielen könne. Auch Stärken und Schwächen könnten sich gegenseitig ausgleichen. „Wer weit schlagen kann, der muss nicht unbedingt schnell rennen und umgekehrt“, so der Abteilungsleiter. Sogar generationenübergreifend wird bei den Blackhorses gespielt: Das Vater-Sohn-Gespann Thorsten „Opi“ und Christopher Opitz etwa steht seit einigen Jahren gemeinsam auf dem Feld. Für das gesamte Team heißt es jetzt: Vollgas geben in der Vorbereitung auf die Verbandsliga. Ziel ist es in dieser Saison, einen Mittelfeldplatz zu erreichen und die Klasse zu halten.

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