Die Kriminalpolizei sicherte nach der Tat Spuren am Bankgebäude in Uttrichshausen – auch an der Eingangstür. (Archivfoto)
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Die Kriminalpolizei sicherte nach der Tat Spuren am Bankgebäude in Uttrichshausen – auch an der Eingangstür. (Archivfoto)

Prozess am Landgericht Fulda

Fünf Minuten nach Automatensprengung ausgelöst: Blitzerfoto wird wohl zum Verhängnis für Angeklagte

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Fortsetzung im Automatensprenger-Prozess am Landgericht Fulda: Am Mittwoch sagten Bankangestellte und Polizisten aus. Bei den Ermittlungen spielte offenbar auch ein Blitzerfoto eine Rolle.

Fulda - Fünf Minuten nach der Automatensprengung in Hofaschenbach am 23. Oktober 2017 wurde ganz in der Nähe des Tatorts bei Morles ein Ford Transit mit ungarischem Kennzeichen geblitzt. In dem Wagen saßen drei Männer. Die Polizei geht davon aus, dass das Blitzerfoto die Automatensprenger zeigt.

Für diese Tat beschuldigt werden zwei Männer aus Ungarn, 42 und 45 Jahre alt, die vor dem Landgericht Fulda deswegen angeklagt wurden. Sie sollen in wechselnder Besetzung mit einem weiteren 40 Jahre alten Angeklagten und mindestens drei weiteren Unbekannten Geldautomaten in der Region gesprengt haben – im Oktober 2017 in Hofaschenbach, im Dezember 2017 in Uttrichshausen und im Februar 2018 in Mansbach. Zu den Vorwürfen äußern sie sich nicht.

Als jedoch das geblitzte Fahrzeug zur Sprache kommt, das auf eine Firma gemeldet ist, betonen sie, diese Firma nicht zu kennen. Knut Hillebrand, Anwalt des 42-Jährigen, stellt in dem Zusammenhang den Beweisantrag auf ein Gutachten, das überprüfen soll, ob das Blitzerfoto seinen Mandanten zeigt. Dies sei nämlich nicht der Fall. Auch der dritte Angeklagte, der 40-Jährige, bestreitet, etwas mit den Automatensprengungen zu tun zu haben. Am vergangenen Prozesstag hatte es rund 45 Minuten gedauert, die Vorstrafen der drei Angeklagten zu verlesen.

Automatensprenger-Prozess in Fulda: Täter hinterließen Bild der Verwüstung

In den Automatenräumen hinterließen die Täter ein Bild der Verwüstung. Ein 51-jähriger Zeuge beschreibt die Situation in Hofaschenbach. Er ist Sicherheitsbeauftragter der dortigen VR-Bank und war kurz nach dem Vorfall vor Ort: „Es gab Einbruchsspuren, kaputt war nicht nur der Automat, im gesamten Gastraum waren Schäden zu sehen. Es hat über ein Jahr gedauert, bis alles behoben war“, erklärt der Angestellte.

Seine 57-jährige Kollegin fügt an, dass die Verkleidung des Automaten abgerissen sei und es nach Gas gerochen habe. Insgesamt wird der Schaden auf etwa 50.000 Euro geschätzt. An das Geld im Automaten kamen die Täter jedoch nicht – sodass es hier nur bei dem Versuch geblieben ist. „Wir haben den Tresor dann geöffnet, die Scheine waren zum Teil beschädigt“, erklärt die 57-Jährige. Auch das Videomaterial sei sofort gesichtet und der Polizei übergeben worden.

Kriminalhauptkommissar sagt in Automatensprenger-Prozess in Fulda aus

Einer der ersten Beamten am Tatort war ein 43-jähriger Kriminalhauptkommissar, der in der Nacht Rufbereitschaft hatte. Er beschreibt, was auf dem Video zu sehen ist: „Gegen 0.45 Uhr gehen zwei Personen in die Bank. Sie sehen sich um, heben aber kein Geld ab.“ Die Gesichter seien nicht zu erkennen, weil die beiden sich eine Kapuze über den Kopf gezogen hatten.

„Um 3.02 betreten drei Personen den Raum, einer legt eine Lunte mit einem Brandbeschleuniger und zündet diese an. Um 3.05 Uhr kommt es zur Sprengung. Kurze Zeit später stellen die Täter fest, dass das Geld nicht freigelegt werden konnte und verlassen die Bank, weil nichts zu holen ist“, fasst der Ermittler zusammen. Er geht davon aus, dass die Personen, die um 0.45 Uhr in der Bank waren, auch die Täter sind.

Täter waren vor der Sprengung in der VR-Bank Uttrichshausen auch vor Ort

Der 55-jährige Sachbearbeiter, der bei der Polizei für das Thema Automatensprengungen zuständig ist, bekräftigt das. „Es ist häufig so, dass der Automat erst einmal ausbaldowert wird“, erklärt er. Es gebe nämlich verschiedene Bauarten, die zum Teil mit Warnsystemen ausgestattet seien. Auch bei der Sprengung in der VR-Bank Uttrichshausen seien die Täter vorher vor Ort gewesen. Bei dieser Tat am 6. Dezember 2017 schafften sie es, den Automaten aufzusprengen und mehr als 264.000 Euro zu erbeuten. Auch hier war die Zerstörung groß: „Wenn so eine 100 Kilo schwere Tresortür durch eine Glasscherbe marschiert, dann kann man sich vorstellen, dass das teuer wird“, sagt der 55-Jährige.

Die Geldkassetten fand die Polizei schließlich im Januar 2018 in einem Wasserlauf in der Nähe der A 71 bei Schweinfurt. Neben dem Videomaterial sicherte die Polizei auch DNA-Spuren, wertete Handydaten aus und befragte Nachbarn. In Uttrichshausen habe ein Mann gesehen, wie zwei Personen den Tatort kurz nach der Explosion in aller Ruhe verlassen hätten. Eine der beiden sei eine Frau gewesen. Der Indizienprozess geht am Freitag, 9.30 Uhr, weiter.

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